Folge 19: Das gelbe Meer

In aller Eile schoben sie die Seerose zurück ins Wasser und die Fahrt ging weiter. Es regnete heftig, einige Blitze zuckten, der Donner grollte, doch zum Glück hielt das Gewitter nicht lange an.

Kapitän Seebär stand am Steuer und zeigte voraus auf eine schmale Felswand mitten im Wasser.

„Siehst du die Wolke oben am Berg, Flori? Sie umhüllt die Nebelspitze. Vor uns teilt sich der Fluss. Wir fahren links. Wenn wir hier vorbei sind, fahren wir direkt bis ins Gelbe Meer.“

„Ist das Wasser da gelb?“, fragte Flori und sah durch das Fernrohr des Kapitäns.

„Nein, aber manchmal scheint es so. Das Wasser ist ganz klar und der Meeresboden besteht aus gelbem Sand.“

„Es ist auch recht flach und hat viele Inseln, ebenfalls mit gelbem Sand“, ergänzte Professor Klecks.

„Und auf einer davon steht der Leuchtturm, den Sie gewinnen wollen?“

„Ja, Flori, und deshalb müssen wir uns jetzt beeilen. Halt das Steuer fest, ich setze noch ein Segel. Dann geht es schneller.“

„Ough! Ough! Ough!“

„Später kannst du schwimmen, Jacko. Jetzt beeilen wir uns erst einmal.“ Kapitän Seebär und Professor Klecks hissten ein weiteres Segel und die Seerose fuhr schneller. Die Felswand mit der Nebelspitze blieb zurück und das Land wurde flacher. Vor ihnen breitete sich eine riesige Wasserfläche aus.

„Da ist es, Flori, das Gelbe Meer. Und jetzt immer nach Westen – einfach geradeaus.“

Flori schaute auf dem Kartentisch nach. „Das ist da, wo der Kompass hinzeigt, stellte er fest. ‚W‘ wie Westen.“

„Nein, nein, ein Kompass zeigt immer nach Norden. Das liegt am Magnetfeld der Erde.“ Kapitän Seebär zeigte auf die Kompassnadel und riss die Augen auf. „Ja, zum Donnerwetter! Norden ist beim ‚N‘. Was tut er denn da?“

„Er zeigt zum ‚W‘.“ Professor Klecks kam dazu. „Das habe ich dir doch schon gesagt.“

„Aber das darf er nicht.“

„Kuckuck! Quatschkompass! Ping!“ Tante Klara schüttelte sich heftig.

Kapitän Seebär klopfte auf den Kompass. „Was hast du denn?“, fragte er ratlos.  „Bist du kaputt?“

„Ist er richtig angeschraubt?“, fragte Professor Klecks.

„Ja, sicher, schon lange, und er hat immer richtig angezeigt.“

Flori bückte sich und sah unter den Tisch. „Hier ist eine Schublade, Kapitän.“

„Lauter Kleinkram drin, Flori. Was ich so in meinen Taschen finde, aber eigentlich gerade nicht brauche, lege ich da rein.“

„Darf ich?“ Flori zog am Griff.

„Vorsicht, nicht zu weit ziehen, sonst fällt sie raus.“ Kapitän Seebär beugte sich vor. „Na, was ist drin?“

Flori fand einen alten Lappen, einen Schreibblock mit Stift, Hammer, Zange, Schraubendreher und einen Klumpen kleiner Schrauben.

„Schade, kein Bauplan“, sagte Professor Klecks enttäuscht.

„Ja, leider.“ Flori kramte noch immer. „Warum machen diese Schrauben einen Klumpen?“ Er nahm eine Schraube und alle anderen kamen mit.

„Ein Magnet!“, rief Professor Klecks. „Bruno, guck mal!“

„Was? Ach du Schreck!“ Kapitän Seebär griff nach dem Schraubenbündel und hielt es vom Tisch weg. „Der Magnet hat den Kompass verwirrt. Wohin zeigt er jetzt, Flori?“

„Auf das ‚N‘, also nach Norden.“

„Dann fahren wir in die falsche Richtung. Hier, nimm das und geh einen Schritt zurück!“ Er drückte Flori die Schrauben in die Hand und drehte am Steuerrad. „Zeig mir die Seekarte, Josef!“

„Haben wir uns verirrt?“, fragte Flori erschrocken.

… Fortsetzung folgt …

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