Folge 10: Bei Dr. Jup

Professor Klecks schaute noch immer durch das Schuppenfenster. Flori drehte sich um und suchte nach etwas, auf das er steigen konnte, um auch etwas zu sehen.

Da ertönte wieder der rätselhafte Schrei, dieses Mal ganz nah. Er kam eindeutig aus dem Schuppen. Flori hörte eine leise Stimme. Etwas raschelte und schnaubte. Professor Klecks sagte „Oh!“. Dann bückte er sich und hob Flori hoch bis an das Fenster.

Im Schuppen war es dämmerig. Etwas großes Graues stand in einem Strohhaufen, am Boden lag etwas Dunkles und daneben hockte jemand und sprach leise. Noch ehe Flori weiter nachdenken konnte, riss das Große sein Maul auf und schrie.

„Ihhhaaaahhh! Iiiiiiihhhhaaahhh!“

„Ein Esel!“, wisperte Flori und Professor Klecks nickte. Die Gestalt am Boden stand auf und jetzt versuchte auch das kleine Dunkle aufzustehen. Es stakste mit den Beinen umher, suchte das Gleichgewicht und stand schließlich sicher im Stroh.

„Alles gut, siehst du“, murmelte die Gestalt und ging langsam rückwärts bis zur Tür.

Als die Schuppentür aufging, stellte Professor Klecks Flori wieder auf den Boden. Die Gestalt kam heraus, winkte und rief: „Alles in Ordnung. Es ist gesund und munter. Und Brana geht es auch gut.“

Die Tiere im Hof schienen darauf gewartet zu haben, denn nun bewegten sie sich wieder. Einige liefen umher, andere kamen zu ihr, der Hund schnupperte an Flori und Taube flatterte auf das Schuppendach.

Professor Klecks stellte seine Reisetasche ab und streckte der Gestalt die Hand entgegen. „Hallo, Julia, wie geht es dir?“

„Oh, Klecks, da bist du ja“, rief die Frau. Professor Klecks räusperte sich und sie lächelte. „Ja, ich weiß, du magst es nicht, so genannt zu werden, entschuldige, Josef.“ Sie drückte ihm die Hand und schaute Flori an. „Hallo! Und wer bist du?“

„Ich bin Flori“, sagte Flori. Dabei reichte er ihr die rechte Hand, während er mit der linken den Hund hinter dem Ohr kraulte. Dann fragte er: „Hat der Esel geschrien? Tut ihm was weh?“

„Ja – ähm – nein – ich meine“, Dr. Jup lachte. „Brana ist eine Eselin, das war ihre normale Stimme und sie war erleichtert und froh, denn sie hat vor“, Dr. Jup sah auf ihre Armbanduhr, „etwa einer halben Stunde ein Fohlen bekommen. Wir sind alle sehr glücklich.“

„Es ist gerade erst geboren?“, fragte Flori aufgeregt. Am liebsten wäre er in den Schuppen gelaufen, doch wahrscheinlich wäre das Dr. Jup und dem Esel nicht recht. Also ließ er es sein.

„Ja, deshalb habe ich euch doch eingeladen. Und ihr seid rechtzeitig gekommen. Nun können wir gemeinsam die Geburt feiern. Das habe ich doch geschrieben.“

Professor Klecks und Flori sahen sich verdutzt an. „Geburt“, murmelten beide, „nicht Geburtstag!“

„Was ist?“, fragte Dr. Jup, aber dann winkte sie ab. „Kommt erst mal rein und dann erzählt ihr mir alles bei einer Tasse Kaffee – und einem Glas Saft.“

Dr. Jups Küche war klein, aber sehr gemütlich. Professor Klecks hatte sein Paket hervorgeholt und erklärte: „Wir dachten, du hättest deinen Geburtstag gemeint. Wir haben dir ein Geschenk mitgebracht. Hier.“ Er überreichte ihr den warmen Schal. „Damit du im Winter draußen nicht frierst.“

„Danke, das ist lieb von dir, Josef.“

Professor Klecks schmunzelte. „Du kannst ihn natürlich auch Brana umbinden.“

„Und ich habe Ihnen ein Bild gemalt“, rief Flori, während er Dr. Jup das Blatt übergab.

„Oh“, rief sie. „Du wusstest, dass ich einen Esel habe? Hier ist er, ganz grau und wunderschön.“

„Das war Zufall“, gestand Flori. „Ich hatte kein richtiges ‚Schwarz‘ mehr.

„Aber das passt doch wunderbar“, freute sich Dr. Jup. „Und was ist das kleine Grüne hier auf der Seite?“

„Das ist Tante Klara“, erklärte Flori und als Dr. Jup ihn verständnislos ansah, ergänzte Professor Klecks: „Tante Klara ist unser Papagei. Leider ist er auf dem Weg hierher in den Wald geflogen und noch nicht zurück.“

 „Sie wollte nur einen Kuckuck erforschen und war neugierig“, fuhr Flori fort.

Dr. Jup war verwundert. „Aber hier gibt es keinen Kuckuck. Ich habe noch nie einen gesehen.“

Flori sah Professor Klecks erschrocken an. „Wir haben ihn aber doch gehört, Professor. Ganz deutlich sogar. Wie ist das möglich? Und wo ist Tante Klara jetzt?“

… Fortsetzung folgt …

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