Folge 10: Bei Dr. Jup

Professor Klecks schaute noch immer durch das Schuppenfenster. Flori drehte sich um und suchte nach etwas, auf das er steigen konnte, um auch etwas zu sehen.

Da ertönte wieder der rätselhafte Schrei, dieses Mal ganz nah. Er kam eindeutig aus dem Schuppen. Flori hörte eine leise Stimme. Etwas raschelte und schnaubte. Professor Klecks sagte „Oh!“. Dann bückte er sich und hob Flori hoch bis an das Fenster.

Im Schuppen war es dämmerig. Etwas großes Graues stand in einem Strohhaufen, am Boden lag etwas Dunkles und daneben hockte jemand und sprach leise. Noch ehe Flori weiter nachdenken konnte, riss das Große sein Maul auf und schrie.

„Ihhhaaaahhh! Iiiiiiihhhhaaahhh!“

„Ein Esel!“, wisperte Flori und Professor Klecks nickte. Die Gestalt am Boden stand auf und jetzt versuchte auch das kleine Dunkle aufzustehen. Es stakste mit den Beinen umher, suchte das Gleichgewicht und stand schließlich sicher im Stroh.

„Alles gut, siehst du“, murmelte die Gestalt und ging langsam rückwärts bis zur Tür.

Als die Schuppentür aufging, stellte Professor Klecks Flori wieder auf den Boden. Die Gestalt kam heraus, winkte und rief: „Alles in Ordnung. Es ist gesund und munter. Und Brana geht es auch gut.“

Die Tiere im Hof schienen darauf gewartet zu haben, denn nun bewegten sie sich wieder. Einige liefen umher, andere kamen zu ihr, der Hund schnupperte an Flori und Taube flatterte auf das Schuppendach.

Professor Klecks stellte seine Reisetasche ab und streckte der Gestalt die Hand entgegen. „Hallo, Julia, wie geht es dir?“

„Oh, Klecks, da bist du ja“, rief die Frau. Professor Klecks räusperte sich und sie lächelte. „Ja, ich weiß, du magst es nicht, so genannt zu werden, entschuldige, Josef.“ Sie drückte ihm die Hand und schaute Flori an. „Hallo! Und wer bist du?“

„Ich bin Flori“, sagte Flori. Dabei reichte er ihr die rechte Hand, während er mit der linken den Hund hinter dem Ohr kraulte. Dann fragte er: „Hat der Esel geschrien? Tut ihm was weh?“

„Ja – ähm – nein – ich meine“, Dr. Jup lachte. „Brana ist eine Eselin, das war ihre normale Stimme und sie war erleichtert und froh, denn sie hat vor“, Dr. Jup sah auf ihre Armbanduhr, „etwa einer halben Stunde ein Fohlen bekommen. Wir sind alle sehr glücklich.“

„Es ist gerade erst geboren?“, fragte Flori aufgeregt. Am liebsten wäre er in den Schuppen gelaufen, doch wahrscheinlich wäre das Dr. Jup und dem Esel nicht recht. Also ließ er es sein.

„Ja, deshalb habe ich euch doch eingeladen. Und ihr seid rechtzeitig gekommen. Nun können wir gemeinsam die Geburt feiern. Das habe ich doch geschrieben.“

Professor Klecks und Flori sahen sich verdutzt an. „Geburt“, murmelten beide, „nicht Geburtstag!“

„Was ist?“, fragte Dr. Jup, aber dann winkte sie ab. „Kommt erst mal rein und dann erzählt ihr mir alles bei einer Tasse Kaffee – und einem Glas Saft.“

Dr. Jups Küche war klein, aber sehr gemütlich. Professor Klecks hatte sein Paket hervorgeholt und erklärte: „Wir dachten, du hättest deinen Geburtstag gemeint. Wir haben dir ein Geschenk mitgebracht. Hier.“ Er überreichte ihr den warmen Schal. „Damit du im Winter draußen nicht frierst.“

„Danke, das ist lieb von dir, Josef.“

Professor Klecks schmunzelte. „Du kannst ihn natürlich auch Brana umbinden.“

„Und ich habe Ihnen ein Bild gemalt“, rief Flori, während er Dr. Jup das Blatt übergab.

„Oh“, rief sie. „Du wusstest, dass ich einen Esel habe? Hier ist er, ganz grau und wunderschön.“

„Das war Zufall“, gestand Flori. „Ich hatte kein richtiges ‚Schwarz‘ mehr.

„Aber das passt doch wunderbar“, freute sich Dr. Jup. „Und was ist das kleine Grüne hier auf der Seite?“

„Das ist Tante Klara“, erklärte Flori und als Dr. Jup ihn verständnislos ansah, ergänzte Professor Klecks: „Tante Klara ist unser Papagei. Leider ist er auf dem Weg hierher in den Wald geflogen und noch nicht zurück.“

 „Sie wollte nur einen Kuckuck erforschen und war neugierig“, fuhr Flori fort.

Dr. Jup war verwundert. „Aber hier gibt es keinen Kuckuck. Ich habe noch nie einen gesehen.“

Flori sah Professor Klecks erschrocken an. „Wir haben ihn aber doch gehört, Professor. Ganz deutlich sogar. Wie ist das möglich? Und wo ist Tante Klara jetzt?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 9: Am Ziel, oder?

Auch Professor Kleck war erschrocken, als er den Schrei hörte. Doch nun musste er lachen. „Ein großes altes Sturmgespenst? Wie klingt das denn?“

„Na, so, wie das, was wir eben gehört haben. Es war ganz grauenvoll!“ Flori stellte sich näher neben Professor Klecks. Dann fragte er: „Können Sie etwas erkennen, Professor?“

„Nein. Aber komm, wir sehen nach. Vielleicht braucht jemand Hilfe.“

Er fasste seine Reisetasche fester und ging in Richtung Haus weiter. Flori folgte ihm, nahm jedoch am Waldrand einen Stock mit. Nur so zur Sicherheit.

Es war ein kleines Häuschen, mit Fensterläden und Rosenbüschen. Es wirkte gemütlich und Flori stellte sich eine kleine rundliche Frau mit Gummistiefeln als Bewohnerin vor. Doch dann fiel ihm das gruselige Kreischen wieder ein und er fasste seinen Stock fester.

Der Weg bis zum Haus war nicht weit. Sie gingen über die Wiese, an einem schmalen Blumenbeet entlang und standen gleich danach vor der Haustür. Als Professor Klecks klopfte, wich Flori einen Schritt zurück. Aber nichts geschah.

„Keiner da, Professor.“

„Hm“, brummte Professor Klecks und klopfte noch einmal, dieses Mal etwas lauter. „Alles still hier. Woher kam dann vorhin dieses entsetzliche Geräusch?“

Flori sah sich genauer um und entdeckte Taube auf dem Dach.

„Da, Professor. Zumindest Taube ist hier.“

In diesem Moment ertönte wieder der schreckliche Schrei. Professor Klecks ließ seine Reisetasche fallen und Flori umklammerte seinen Stock.

„Gurruhuu! Gurruhuu!“, rief Taube, nickte eifrig und trippelte hin und her. Dann flog sie los, genau dahin, woher es geschrien hatte.

Professor Klecks und Flori sahen sich verwundert an. „Sie scheint keine Angst zu haben“, meinte Flori.

„Wir ja auch nicht, oder?“ Professor Klecks nahm seine Tasche wieder auf und folgte Taube langsam um das Haus herum.

„Natürlich nicht“, flüsterte Flori und schlich leise hinter ihm her.

Hinter dem Haus lag ein Hof, es gab einen Zaun, einen Apfelbaum und weiter hinten einen kleinen Garten. Auf der rechten Seite verdeckte ein alter Holzschuppen den Blick. An ihm gingen Professor Klecks und Flori entlang, dann schauten sie vorsichtig um die Ecke – und trauten ihren Augen nicht.

Da standen Gänse, Enten, Hühner, ein Pferd, eine Kuh, ein Hund, zwei Katzen, ein Schwein und eine Ziege. Alle waren ganz still und schauten in dieselbe Richtung – nämlich auf die Tür des Schuppens, um den Professor Klecks und Flori gerade geschlichen kamen.

„Was ist denn hier los?“, flüsterte Professor Klecks. Und Flori wisperte: „Sind sie alle verzaubert worden?“

Eine der Katzen wandte ihren Kopf, schaute Flori an und sah wieder zur Schuppentür. Dann entdeckte Flori Taube. Sie saß im Apfelbaum und nickte mit dem Kopf.

„Ich glaube, sie kann von da aus durch das Fenster gucken“, überlegte Flori.

„Das sollten wir auch tun“, raunte Professor Klecks. „Wenn einer Hilfe braucht, dann da drin.“

Er schlich vorwärts bis zum Schuppenfenster und spähte hindurch. Für Flori war das Fenster zu hoch.

„Sehen Sie was?“, flüsterte er aufgeregt. Er hatte das Gefühl, dass alle Tiere statt zur Tür nun zu ihm blickten und ihn anstarrten. „Was ist denn da drin?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 8: Auf dem Waldweg

Professor Klecks schaute zwischen den Bäumen hindurch, wohin Tante Klara verschwunden war.

„Ganz bestimmt kommt sie zurück. Sie ist nur neugierig. Genau wie du.“

„Sie meinen, sie will erforschen, was ein Kuckuck ist?“

„Das kann doch sein? Vielleicht dachte sie bisher immer, das ist eine Uhr. Und nun findet sie einen im Wald. Da muss man doch nachschauen, oder?“

Flori nickte. „Das würde ich auch tun. Also ist Tante Klara ein Forscherpapagei.“

„Ja, tatsächlich, das ist sie.“ Professor Klecks lachte. „Also lass uns weiter gehen. Sie findet uns schon.“

Sie gingen weiter bergauf. Flori drehte sich immer wieder um und spähte zwischen die Bäume. Doch Tante Klara sah er nicht. Dafür aber entdeckte er ein Reh. Es stand zwischen zwei Eichen und schaute ihn an. Flori zupfte Professor Klecks am Ärmel und zeigte in die Richtung. Professor Klecks nickte. Auch er hatte das Reh gesehen.

In diesem Moment drehte das Reh den Kopf, stellte die Ohren auf – und sprang ihnen entgegen. Flori blieb erschrocken stehen, doch das Tier kümmerte sich nicht um sie. Es machte lange Sätze an ihnen vorbei und verschwand auf der anderen Seite des Weges wieder im Wald.

„Es hat Angst vor uns“, rief Flori. Professor Klecks kratzte sich am Kinn.

„Etwas muss es aufgeschreckt haben. Aber wir waren das nicht, sonst wäre es nicht zuerst hierher gesprungen.“

„Ist da noch jemand im Wald?“, fragte Flori. „Ich sehe nichts.“ Dabei schaute er zwischen den Bäumen hin und her.

„Ich auch nicht. Aber lass uns weiter gehen. Wir sind bald da.“

Etwas weiter entfernt hinter einem dichten Busch stand eine dunkle Gestalt. Doch die sahen beide nicht. Der Mann mit dem Schlapphut hob etwas vom Boden auf und schlich weiter zwischen den Bäumen voran.

Flori hatte inzwischen einen Buntspecht entdeckt. Tock! Tock! Tock! Tock! Tock! Tock! Tock! So schallte es immer wieder durch den Wald.

„Baut er sich ein Nest?“, fragte Flori.

„Entweder das, oder er sucht unter der Rinde nach Futter“, überlegte Professor Klecks.

Flori staunte. „Kriegt er bei dem Geklopfe nicht Kopfschmerzen?“

„Nein, dem Specht macht das nichts aus.“

„Aber dem da vielleicht.“ Flori zeigte auf einen kleinen Vogel mit einem roten Federfleck zwischen Schnabel und Bauch. „Dem ist das bestimmt zu laut.“

„Das ist ein Rotkehlchen“, erklärte Professor Klecks.

„Weiß ich“, sagte Flori. „Wir haben eins bei uns im Garten und bei Frau Hasemantel hab ich auch schon eins gesehen.“

Professor Klecks nickte. „Die zwitschern schön. Hör mal.“

„Ja, aber immer, wenn der Specht hämmert, hört es auf. Wahrscheinlich ist es sauer auf ihn. Meinen Sie, dass es hier ein Nest hat?“

„Schon möglich. Vielleicht könnten wir… – oh, schau!“ Professor Klecks zeigte nach vorn auf den Weg. „Da ist der Waldweg zu Ende. Und auf der Lichtung dahinten steht das Haus von Dr. Jup, ich meine, von Frau Doktor Prantz.“

In diesem Augenblick ertönte ein sonderbarer lauter Schrei. Flori zuckte zusammen.

„Was war das?“ flüsterte er. „Es klang wie ein großes altes Sturmgespenst!“

… Fortsetzung folgt …

Folge 7: Was wächst denn da?

Zurück beim Wohnmobil hielten sie Ausschau nach Tante Klara.

„Hoffentlich ist sie nicht zu weit weggeflogen“, überlegte Professor Klecks und spähte angestrengt den Bach entlang.

„Nein, jetzt sehe ich sie. Da drüben auf dem Ast!“, rief Flori. Er zeigte auf einen etwas entfernten Baum auf der anderen Seite des Baches. Professor Klecks versuchte, etwas zu erkennen.

„Ob sie das überhaupt ist? Bist du sicher?“ Er griff in den Mantel mit den vielen Taschen und setzte seine Forscherbrille auf. „Du hast Recht, Flori. Und ich glaube, sie will uns etwas zeigen. Gehen wir mal hin.“

„Ob sie eine Brücke gefunden hat?“ Flori lief los und Professor Klecks folgte ihm.

An der Stelle, wo Tante Klara auf sie wartete, lag ein dicker Baumstamm quer über dem Bach.

„Kuckuck! Kuckuck! Ping!“, rief Tante Klara und wippte auf ihrem Ast.

„Sehr gut“, lobte Professor Klecks. „Du bist ein toller Vogel.“ Tante Klara nickte eifrig.

„Hier können wir rüber“, rief Flori und balancierte auf dem Stamm.

„Ja, aber dann müssen wir den Rest des Weges laufen“, überlegte Professor Klecks.

„Ist es denn noch weit?“

„Ein bisschen schon, aber das schaffen wir. Komm, wir müssen unser Gepäck holen.“

Flori nahm seinen Rucksack und hielt die Reisetasche, während Professor Klecks das Wohnmobil an den Rand der Waldstraße fuhr. Dann überquerten sie den Bach und gingen Fuß weiter.

Der Weg führte bergauf zwischen den Bäumen hindurch und wurde immer schmaler. Schließlich war er nur noch ein Pfad. Rechts und links im Wald wuchsen hohe Farnwedel und dazwischen stand hin und wieder ein  hübscher Pilz. Flori war etwas voraus gelaufen. Jetzt bückte er sich. Tante Klara auf seiner Schulter kam ins Schwanken und hielt sich mit dem Schnabel an seinem Kragen fest.

„Professor“, rief Flori, „kann man den hier essen?“

„Wie sieht er denn aus?“

„Er hat einen roten platten Kopf. Oben drauf sind weiße Punkte und der Stiel ist auch weiß. Hier drüben ist noch einer. Der ist aber etwas kleiner und runder.“

Professor Klecks hatte sich beeilt und schnaufte. „Das sind Fliegenpilze, Flori. Die sind giftig. Also nicht pflücken und schon gar nicht essen, Flori.“

„Warum heißen die so? Ich sehe da dran gar keine Fliegen.“

„Eine gute Frage, Flori. Ich mache eine Notiz und wir lesen das zu Hause nach.“ Professor Klecks zog sein Notizbuch aus der Tasche und schrieb hinein. Flori beugte sich tief hinunter versuchte, unter den flachen Pilzhut zu schauen.

„Kuckuck! Kräk! Ping! Ping! Kuckuck!”, schrie Tante Klara und flatterte auf den nächsten Ast.

„Oh, ich hatte vergessen, dass du da sitzt“, rief Flori. „Tut mir Leid, Tante Klara.“

„Kuckuck! Kuckuck! Ping! Kuckuck!“, beschwerte sie sich.

„Ja, ich passe das nächste Mal besser auf. Versprochen. Jetzt komm zurück, ja?“ Flori streckte den Arm aus.

„Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck!“

Tante Klara blickte erstaunt hin und her. Flori sagte: „Aber ich wollte doch nicht, dass…“

„Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck!“

„Pst. Hört doch!“, flüsterte Professor Klecks. „Das ist ein echter Kuckuck.“

Tante Klara streckte sich. „Kuckuck! Kuckuck! Ping!“ Dann flog sie los in den Wald.

„Kuckuck! Kuckuck! Ping!“

„Halt! Bleib hier!“, rief Flori erschrocken, doch sie war schon nicht mehr zu sehen.

„Sie ist weggeflogen, Professor.“ Professor Klecks bückte sich und legte einen Arm um Floris Schulter. „Glauben Sie, dass sie zurückkommt?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 6: Was nun?

„Alles in Ordnung?“, fragte Professor Klecks.

„Kuckuck! Ping! Ping!“ „Gurr! Gurr! Gurruhuu! Tante Klara und Taube flatterten im Fußraum hinter den Sitzen. Flori saß auf seinem Platz, doch der Rucksack war zu Boden gepoltert.

„Ja, Professor. Wir haben nur einen Schreck gekriegt. Was war denn los?“

Professor Klecks schnaufte erleichtert. „Gott sei Dank! Nichts passiert!“ Er stelle den Motor ab und stieg aus. „Komm, Flori, schau dir das an.“

Flori folgte Professor Klecks ein paar Meter die Straße entlang mit Tante Klara auf der Schulter. Taube hatte sich auf das Dach des Wohnmobils gesetzt.

„Siehst du, Flori? Da fließt ein Wildbach direkt vor uns quer durch die Waldstraße.“

Flori schaute auf den Bach und dann auf die Straße.

„Aber Professor!“, rief er. „Der Weg geht da drüben auf der anderen Seite weiter.“

„Ja, genau. Und wir wären beinahe da runter gefallen. Die Brücke ist fort!“ Professor Klecks ging vorsichtig hin und her und spähte über den Rand.

„Ist die Brücke eingestürzt? Sehen Sie was? Soll ich mal suchen?“

Flori wäre am liebsten zum Bach hinunter geklettert, doch Professor Klecks hielt ihn auf.

„Das nützt uns nichts, Flori. Selbst wenn wir die Brücke fänden, könnten wie sie nicht wieder aufbauen.“

„Und wie kommen wir dann da rüber?“, fragte Flori.

Tante Klara spreizte die Flügel und flatterte los. Auf der anderen Seite des Baches drehte sie eine Runde und kam zurück.

„Ja, du hast es leicht!“, rief Flori. „Aber wir sollten das vielleicht nicht versuchen.“

„Nein, wohl nicht.“ Professor Klecks musste lachen. „Aber wir sollten nachsehen, ob es andere Brücken oder Stege gibt. Du auch, Tante Klara.“

„Kuckuck! Ping! Kuckuck“, rief Tante Klara und flog den Bach entlang davon.

„Vielleicht kann Taube auch helfen.“ Flori drehte sich zum Wohnmobil um. „Weiß du, ob hier…“

Er sah Taube die Flügel ausbreiten und losflattern. Sie erhob sich über die Bäume und flog die Waldstraße entlang davon. Augenblicke später war sie nicht mehr zu sehen.

„Ist sie weggeflogen, Professor? Warum?“

„Taube kennt sich hier sicher aus. Sie fliegt wohl nach Hause“, antwortete Professor Klecks. „Und wir suchen jetzt eine Brücke.“

„Oh, waren wir dumm!“, rief Flori. „Taube gehört doch dieser Frau Doktor. Wir hätten ihr eine Nachricht schicken können.“

„Stimmt!“ Professor Klecks schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn. „Aber jetzt ist es zu spät.“

Sie gingen vorsichtig am Steilufer entlang. Nach einer Weile wurde es flacher, doch eine Brücke war nicht zu sehen.“

„Ich glaube, wir kommen hier nicht weiter“, stellte Professor Klecks nach einiger Zeit fest. Lass uns zum Wohnmobil zurückgehen.“

„Vielleicht hat Tante Klara was gefunden“, überlegte Flori.

„Wer weiß“, brummte Professor Klecks. Flori sah ihn an. „Und wenn nicht? Was machen wir dann?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 5: Im Winterholz

Flori betrachtete die Spitze seines gelben Buntstiftes.

„Hast du denn keinen Anspitzer dabei?“, fragte Professor Klecks.

Flori schüttelte den Kopf. „Hab ich vergessen.“ Er versuchte, mit dem Fingernagel etwas Holz von der Spitze wegzubrechen, doch das klappte nicht.

„So machst du den Stift nur kaputt“, gab Professor Klecks zu bedenken.

Flori überlegte. „Ein Anspitzer hat ein kleines Messer. Wenn ich den Stift in das Loch stecke und drehe, schneidet es Holz ab. Ah! Jetzt weiß ich was!“

Er griff nach seinem Rucksack und zog sein kleines Taschenmesser heraus. „Kann ich damit den Stift spitz schnitzen?“

Professor Klecks nickte. „Wenn du sehr vorsichtig bist. Das Messer bricht ihn leicht wieder ab. Soll ich dir dabei helfen?“

Gemeinsam schafften sie es, das ‚Gelb‘ wieder einsatzbereit zu machen. Flori malte die Sonne fertig und noch ein paar extra fröhliche Strahlen drum herum.

„Schönes Wetter auf deinem Bild“, stelle Professor Klecks fest. „Was ist das da?“ Er zeigte auf ein graues vierbeiniges Tier.

„Das ist ein Pferd. Ich hatte keinen richtigen schwarzen Stift, da habe ich grau genommen. Glauben Sie, das Bild gefällt dieser Frau Doktor?“

„Mir gefällt es auf jeden Fall. Ich denke, sie wird sich sehr freuen.“

Kurz darauf fuhren sie weiter. Ihr Weg führte jetzt zwischen Bäumen hindurch.

„Wie heißt der Wald?“, fragte Flori und sah sich neugierig um. „Hier sieht es eigenartig aus.“

„Wir sind im ‚Winterholz‘. Das heißt so, weil früher die Leute hier Holz zum Heizen und Kochen gesammelt haben.“

„Sie haben nur im Winter gekocht?“, fragte Flori erstaunt.

„Nein, nein, sie durften aber erst kurz vor dem Winter und im Winter Holz sammeln.“

„Warum?“

„Das Holz musste am Boden liegen und trocken genug sein. Sie durften es nicht abbrechen oder etwa einen der Bäume fällen. Die gehören nämlich dem Besitzer des Waldes.“

„Ist das da der Besitzer?“ Flori zeigte zwischen die Baumstämme. „Oder sammelt der nur Holz?“

„Wer denn? Ich sehe niemanden.“ Professor Klecks fuhr langsamer und spähte zwischen die Bäume.

„Oder gibt es hier vielleicht Räuber, Professor?“

„Aber Flori! Hier gibt es doch keine Räuber. Du hast dich verguckt.“

„Aber ich bin ganz sicher.“ Flori zeigte auf eine Stelle mit mehreren Buchen. „Genau da drüben.“

Professor Klecks fuhr noch langsamer und folgte mit den Augen Floris Finger. „Hm. Ich sehe niemanden, nur Bäume. War es vielleicht ein Reh?“

„Ein Reh mit Hut?“, rief Flori und verrenkte sich fast den Hals beim Zurückschauen.

„Na, wer weiß“, überlegte Professor Klecks und fuhr wieder schneller. „Wir kommen jedenfalls bald an den Wildbach. Der wird dir gefallen.“

„Kann ich da einen Fisch fangen?“, fragte Flori. „Wir könnten ihn…“

„ACHTUNG!“

Quiiieeetsch! Rums! Bumm!

Professor Klecks bremste, das Wohnmobil rutschte, drehte sich seitwärts, dann stand es still.

… Fortsetzung folgt …

Folge 4: Guten Appetit!

Das Wohnmobil fuhr inzwischen leicht bergauf.

„Wir sind in den Weidebergen“, stellte Professor Klecks fest. „Bald müssen wir abbiegen.“

Rechts und links von der Straße sah Flori sanfte Hügel mit grünen Wiesen. Kühe grasten dort oder lagen kauend im Schatten einiger Bäume.

„Professor, die Kühe fressen aber komisch.“

„Warum? Ich finde sie ganz normal.“ Professor Klecks fuhr an den Straßenrand und hielt an.

„Sehen Sie“, rief Flori und zeigte auf eine Kuh mit braunen Flecken. „Die wandert ganz langsam umher und reißt immer wieder Gras ab.“

„Ja, das machen Kühe so.“

„Aber die da unter dem Baum liegt rum und kaut.“

Professor Klecks nickte. „Auch das ist ganz normal für Kühe.“

„Aber Professor! Warum kauen die Kühe nicht sofort? Stopfen sie erst den ganzen Mund voll Gras und essen später? So macht es nämlich der Hamster von Herrn Güldenkerz.“

„Nein, nein.“ Professor Klecks schüttele den Kopf. „Kühe essen zweimal. Zuerst reißen sie Gras ab. Das kauen sie und schlucken es runter.“

„Ping!“, machte Tante Klara. Taube sah sie sehr erstaunt an. „Gurruhuuu?“

„Ja, wir wissen, du machst das auch so.“ Professor Klecks lachte. „Aber danach legt die Kuh sich bequem hin und kaut alles nochmal.“

„Sie holt es wieder hoch?“, fragte Flori ungläubig. „Das ist doch ekelig.“

Tante Klara schüttelte sich heftig, doch Professor Klecks winkte ab. „Aber nein, nicht für eine Kuh. Die liebt es und genießt ihre zweite Mahlzeit genauso wie ihre erste.“

„Wie soll das denn gehen? Schluckt die Kuh nur bis in ihren Hals? Nicht bis in den Bauch?“

„Doch, doch. Aber ihr Magen ist so gemacht, dass trotzdem alles lecker bleibt. Wir sollten uns das zu Hause mal genauer ansehen.“

„Wir gucken in eine Kuh?“, fragte Flori ungläubig. Er hatte mal eine Erbse aufgeschnitten und hineingesehen, aber bei einer Kuh konnte er sich das nicht vorstellen.

„Nein, natürlich nicht. Wir gucken in ein Buch. Das hat jemand geschrieben, der weiß, wie es in einer Kuh aussieht. Er hat auch ein Bild hineingedruckt.“

Professor Klecks fuhr weiter, doch Flori war noch nicht ganz überzeugt und schaute zurück über die Weide.

„Ich bin zum Glück keine Kuh“, überlegte er dabei. „Ich kaue doch lieber alles sofort richtig klein, bevor ich es runterschlucke.“

„Ja, Flori, und das sollst du auch. Gleich da vorne sehe ich einen schönen Platz für unser Picknick. Da können wir beide so lange kauen, wie es für uns lecker ist.“

„Und ich kann das Bild fertigmalen“, rief Flori.

Professor Klecks stellte den kleinen Tisch und zwei Stühle auf, während Flori das Essen auspackte. Tante Klara und Taube bekamen etwas Vogelfutter und ein paar Nüsse in einem Schälchen und Flori stellte noch etwas Wasser dazu.

Professor Klecks notierte in sein Notiz: ‚Kuh von innen anschauen‘ und Flori malte weiter an seinem Bild.

Knacks.

„Ach du Schreck!“, schimpfte Flori. „ So eine Sch…“ Professor Klecks sah in an. „… Scheußlichkeit“, ergänzte Flori.

„Was ist denn los?“

„Mein ‚Gelb‘ ist abgebrochen! Wie soll ich jetzt die Sonne malen?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 3: Ein geheimnisvoller Gast

Sie kamen gut voran.

„Ist es weit bis zu… wo wir hinwollen?“, fragte Flori.

„Zu Julia, also zu Frau Dr. Prantz? Ja, schon ein ganzes Stück.“ Professor Klecks kratzte sich am Kinn.  „Vielleicht sollten wir uns für unterwegs etwas zum Essen kaufen.“

Flori sah in seinen Rucksack. „Nüsse und Vogelfutter habe ich eingepackt. Außerdem zwei Äpfel.“

„Sehr gut“, lobte Professor Klecks. „Aber ich stelle mir vor, wir machen irgendwo ein richtiges Picknick. Was meinst du dazu?“

Flori war begeistert. „Ich liebe Picknick! Wo kaufen wir was ein?““

„Im ‚Mond‘, gleich da vorne. Dort kriegen wir Brot, Käse, Wurst, also alles, was wir brauchen.“

Bei der Gaststätte ‚Zum Mond‘ bog Professor Klecks auf den Parkplatz.

„Ich male inzwischen das Bild“, erklärte Flori und packte seine Buntstifte aus. Also ging Professor Klecks allein in die Gaststube. Am Tisch neben der Tür saß ein Mann in einem dunklen Mantel mit einem Schlapphut auf dem Kopf. Professor Klecks grüßte freundlich, doch der Mann sagte kein Wort.

Friedrich, der Wirt, freute sich über den Besuch des Professors. „Wo wollt ihr denn dieses Mal hin? Oder ist das wieder geheim?“, fragte er.

„Nein, nein. Wir fahren zu Dr. Jup“, erklärte Professor Klecks. „Du kennst sie doch, oder?“

„Du meinst Dr. Julia Prantz? Klar kenne ich sie. Sie hat mich sogar eingeladen.“

„Uns auch. Dann sehen wir uns dort?“

„Leider nicht“, erwiderte Friedrich traurig. „Ich kann hier nicht weg, das Haus ist voller Gäste. Aber ihr könnt sie ganz herzlich von mir grüßen.“

Er packte die Einkäufe in einen Beutel und reichte ihn Professor Klecks. Der kaufte noch eine Flasche Wasser und eine Flasche Saft, dann verabschiedete er sich und ging. Der Mann neben der Tür war verschwunden.

Draußen stand Rufus, der Wachhund von Friedrich, und wedelte mit dem Schwanz. Professor Klecks kraulte ihm den Kopf, stellte den Beutel ins Wohnmobil und stieg ein.

„Flori, hast du einen dunkel gekleideten Mann gesehen?“, fragte Professor Klecks, als er losfuhr.

Flori sah erstaunt aus dem Fenster. „Nein! Wo denn? Ich habe gemalt.“ Er packte die Buntstifte wieder ein. „Das Bild ist aber noch nicht ganz fertig. Wer war denn der Mann?“

„Ach, nicht so wichtig“, brummte Professor Klecks. „Wahrscheinlich einfach ein Gast.“

„Kuckuck! Kuckuck! Ping!“, rief Tante Klara aufgeregt und schlug mit den Flügeln. Doch weder Flori noch der Professor sahen den dunklen Schatten hinter einem Baum, der dem Wohnmobil nachschaute.

Professor Klecks bog auf die Straße und weiter ging die Fahrt.

In der Gaststube stand Friedrich und wischte über die Theke. Plötzlich schlug er sich mit der flachen Hand vor die Stirn. „Ich Trottel!“, rief er und lief hinaus. „Er sagte doch, sie wollen zu Dr. Jup.“

Friedrich sah die Straße entlang. Das Wohnmobil verschwand gerade hinter einer Biegung. „Zu spät! Jetzt sind sie weg.“

Rufus stand vor ihm und sah ihn fragend an. „Wuff? Wuff?“

„Du hast gut bellen“, brummte Friedrich und tätschelte Rufus den Kopf. „Aber ich bin so blöd, dass es rauscht! Ich hätte ihnen doch sagen müssen, dass sie gar nicht zu Dr. Jup fahren können!“

… Fortsetzung folgt …

Folge 2: Eine Freundin schreibt

Professor Klecks nahm das winzige Papierröllchen vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger zog es auseinander.

„Es ist so klein geschrieben“, murmelte er dabei. „Ich kann es gar nicht lesen.“

Flori lief zum Schreibtisch und holte die Forscherbrille des Professors.

„Hier, bitte, geht es jetzt?“

Professor Klecks nickte. „Danke.“ Er setzte die Brille auf und las vor: „Lieb.Klecks.Einl.Feier.Geb.komm schn.DJP.“

Professor Klecks sah Flori verwundert an. „Was soll das denn heißen?“

Flori besah sich den Zettel und stellte fest: „Das Papier ist voll. Mehr passte nicht drauf.“

„Ja, stimmt. Also lesen wir mal langsam und ergänzen, was vielleicht fehlt. Manchmal hilft das.“ Professor Klecks holte tief Luft und las: „Lieb(er) (Professor) Klecks. Einl(ass) Feier(lichkeiten) Geb(äck) komm(en) schn(uppe). DJP“

„Das war wohl nicht richtig“, überlegte Flori. „Und wer ist DJP?“

„Oh, das weiß ich“, rief Professor Klecks. „Sie heißt Dr. Julia Prantz und ist eine alte Freundin von mir.“ Er rückte seine Brille zurecht. „Ich versuche es nochmal: Lieb(er) (Professor) Klecks. Einl(adung) Feier Geb(urtstag) komm schn(ell) DJP“

„Gurruhuu“, machte die Taube und schlug mit den Flügeln. „Gurruhuu!“

„Kuckuck! Ping!“, rief Tante Klara und nickte mit dem Kopf.

„Ich glaube, das ist stimmt“, sagte Flori. „Die beiden meinen das auch.“

„Mir kommt es auch so vor“, bestätigte Professor Klecks, während er der Taube etwas Vogelfutter und Wasser hinstellte. „Aber ihr Geburtstag ist schon lange vorbei.“

„Vielleicht sollen wir uns deshalb so sehr beeilen. Ich darf doch mit?“

„Natürlich! Ich gehe doch nicht ohne dich irgendwohin. Hol deinen Rucksack. Wir nehmen das Wohnmobil.“

Als Flori mit dem gepackten Rucksack wieder in der Küche ankam, ging Professor Klecks dort murmelnd auf und ab. Tante Klara beäugte ihn besorgt vom Küchentisch aus.

„Was ist los, Professor?“, fragte Flori. „Soll ich Ihre Reisetasche holen?“

„Die steht schon bereit, Flori. Ich überlege, was Julia mag.“

„Warum? Wollen Sie für sie kochen?“

„Was? Nein! Aber ich muss ihr doch ein Geschenk mitbringen. Schließlich lädt sie uns zu ihrem Geburtstag ein.“ Er kratzte sich am Kinn und überlegte.

„Was hat sie denn gern?“, fragte Flori und wanderte neben Professor Klecks auf und ab.

„Hm, Blumen, Berge, Wald, sie liebt die Natur.“

„Und Tauben!“, rief Flori. „Wo wohnt sie denn?“

„In einem kleinen Haus am Waldrand, mit Garten und Tieren. Oh, ich weiß was! Ich schenke ihr meinen neuen Schal. Dann friert sie im Winter nicht, wenn sie hinaus geht, um ihre Tiere zu füttern.“

„Und ich male ihr unterwegs ein Bild“, beschloss Flori. Eilig packte er noch Papier und Buntstifte ein, während Professor Klecks um den neuen Schal eine große grüne Schleife band. „Fertig.“

„Komm, Taube“, rief Flori. „Du  auch, Tante Klara!“

Kurz darauf fuhren sie aus der Stadt in Richtung Berge.

… Fortsetzung folgt …

Folge 1: Ein seltsamer Bote

Professor Klecks beugte sich über seinen Schreibtisch im Arbeitszimmer. „Ich hatte sie doch hier“, murmelte er und schob die Sachen auf dem Tisch hin und her. „Wo kann sie nur sein?“

Flori, sein kleiner Helfer, stand neben dem Tisch und beobachtete ihn. Tante Klara, der kleine grüne Papagei, saß auf der Gardinenstange und beäugte das Ganze interessiert.

„Was suchen Sie denn, Professor?“, fragte Flori.

„Meine Lupe. Hast du sie gesehen?“

„Ja, ich hole sie.“ Er sauste in die Küche und kam kurz darauf mit der Lupe zurück.

„Danke“, sagte Professor Klecks. „Was hast du denn damit gemacht?“

„Ich habe einen Brotkrümel erforscht. Er lag auf dem Fußboden.“

„Und was hast du herausgefunden?“

„Noch nichts. Als ich durch die Lupe sah, kam eine Ameise und trug den Krümel weg.“

„Eine Ameise in unserer Küche? Das geht aber nicht.“ Professor Klecks richtete sich auf und wollte in die Küche gehen.

„Sie ist nicht mehr dort, Professor. Ich habe sie höflich hinausbegleitet.“ Flori hatte das Kehrblech und den kleinen Besen genommen, die Ameise mit dem Krümel aufgefegt und aus der Tür geschüttelt. „Ich glaube nicht, dass sie wiederkommt.“

„Dann ist es gut. Aber die Krümel sollten wir trotzdem erforschen. Ich schreibe es auf. Gib mir mal mein Notizbuch.“

Während der Professor schrieb, lauschte Flori. „Haben Sie das gehört, Professor? Es klopft!“

Professor Klecks hob den Kopf. „Was? Wo?“ Er horchte.

Tante Klara flog von der Gardinenstange und landete vor ihm auf dem Tisch. „Tock! Tock! Ping!“, machte sie und streckte die Flügel.

„Hast du geklopft?“, fragte Professor Klecks. Doch dann hörten sie das Geräusch wieder. Es kam aus der Küche.

„Hat die Ameise einen großen Bruder?“, fragte Flori.

Professor Klecks lachte und stand auf. „Gehen wir doch nachsehen.“

Das ‚Tock! Tock! Tock!‘ wiederholte sich. Es kam eindeutig vom Küchenfenster. Etwas saß auf dem Fensterbrett und klopfte an die Scheibe. Etwas Graues. Mit einem Schnabel. Tock! Tock! Tock!

„Ein Vogel!“, rief Flori. „Will er herein zu uns?“

„Es sieht so aus.“ Professor Klecks nickte. „Warte, ich mache das Fenster auf.“

„Gurruhuu“, machte die Taube und hüpfte herein. „Gurruhuu!“ Sie streckte ein Beinchen aus und sah Professor Klecks auffordernd an.

„Hallo, Taube!“, sagte Professor Klecks freundlich.

„Gurruhuu.“ Wieder streckte sie das Beinchen aus.

„Was hat sie denn?“, fragte Flori erstaunt. „Will sie uns etwas vortanzen?“

Professor Klecks beugte sich vor und sah genauer hin. „Nein, Flori, sie hat etwas an ihrem Fuß. Sieht aus wie ein Röhrchen.“

„Ist sie ein Postbote? Äh – ich meine – ist sie eine Brieftaube? Hat sie was dabei?“

„Mal nachsehen.“ Professor Klecks griff vorsichtig zu und löste das Band am Bein der Taube. „Es sieht aus wie eine Nachricht.“

„Ob die für uns ist?“, fragte Flori aufgeregt. „Wer schickt uns denn sowas?“

… Fortsetzung folgt …