Eine erstaunliche Reise

Dies war das erste Abenteuer von Flori und Professor Klecks. Sie haben es glücklich überstanden und denken noch oft an das, was sie erlebt haben.

1. Ein unerwarteter Besuch

„Man sollte es nicht für möglich halten.“ Professor Klecks traute seinen Ohren nicht. „Ich höre eine Kuckucksuhr.“

Flori kam gerade vom Bäcker zurück, wo er ein frisches Brot und zwei Brötchen gekauft hatte. „Wir haben keine Kuckucksuhr!“, rief er.

„Ich weiß“, brummte Professor Klecks. „Aber hör doch selbst.“ Und tatsächlich hörte Flori auch einen Kuckuck rufen. „Wie kann das sein?“, fragte er, legte Brot und Brötchen auf den Tisch und rannte ins Arbeitszimmer.

„Kuckuck-kuckuck!“ Ganz deutlich war es zu hören. Und dann sah er es auch.

„Professor, schnell. Schauen Sie mal! Da oben!“

Professor Klecks guckte in die Richtung, in die Flori zeigte und beide bestaunten einen kleinen grünen Papagei. „Kuckuck-kuckuck!“

Flori lachte. Der Professor fragte: „Wo kommst du denn her und wer bist du?“

„Kuckuck-kuckuck!“, rief der Papagei. „Nein, das stimmt nicht“, lachte Flori. „Du bist kein Kuckuck.“

„Tante Klara!“, krächzte der Papagei. „Kuckuck-kuckuck!“

„Ist das nun sein Name oder hat er bei einer Tante Klara gewohnt?“ Professor Klecks schüttelte den Kopf. „So geht das ja nun nicht.“ Er ging zum Fenster und öffnete es weit. „Los, flieg raus. Wie bist du überhaupt reingekommen?“

„Kuckuck-kuckuck! Tante Klara! Ping!“ Der Papagei flog zum Schreibtisch, ging hin und her und fühlte sich offensichtlich wohl. „Kuckuck-kuckuck. Ping!“, rief er immer wieder.

„Also“, rief Flori, „ich denke, Tante Klara hat bei einer Kuckucksuhr und einer Mikrowelle gewohnt und das wollte sie wohl nicht mehr.“

Als Flori den Namen sagte, hob der Papagei den Kopf und nickte dann ein paar Mal auf und ab. Professor Klecks lachte. „Du meinst, Tante Klara soll hier bei uns bleiben?“ „Ja, wenn sie will“, rief Flori. Mal sehen, was sie noch so alles sagen kann.“

„Gurkensalat“, krächzte Tante Klara, und dann schüttelte sie sich ganz deutlich. Flori und der Professor mussten laut lachen.

„Sie hat deinen noch nicht probiert“, sagte Professor Klecks. Der ist nämlich sehr lecker. Jetzt lass uns aber schnell frühstücken und dann holst du mir endlich den Globus vom Regal.“

2. Im Arbeitszimmer bei Professor Klecks

Flori, der eifrige Helfer von Professor Dr. Klecks, stand auf einem Hocker und streckte die Arme nach oben, so hoch er konnte.

„Ich komm nicht ran, Professor.“

Professor Klecks blätterte in einem Buch. „Moment, gleich hab ich’s“, murmelte er dabei.

„Professor! Ich kann nicht …“

„Psst, Flori, ich konzentriere mich. Ah, da ist es. Ich hab es doch gewusst!“

Professor Klecks schlug das Buch zu, dass es nur so staubte. „Die Lösung ist ‚grün‘! Jetzt brauche ich den Globus. Los Flori! Ich habe nicht ewig Zeit.“

Flori reckte sich noch immer. „So hören Sie doch, Professor. Er steht zu weit oben.“

„Unsinn, du bist nur zu klein!“ Der Professor ging zum Tisch und schrieb auf einen Zettel: „Der König von Histamenien aß am liebsten grüne Marmelade.“

Flori starrte den Professor an. Zu klein? Seine Oma hatte immer gesagt: Flori, du bist immer groß genug für große Gedanken.“ Er überlegte. Wenn ich also zu klein bin, mache ich mir einen großen Gedanken.

Der Professor saß an seinem Tisch beim Fenster und schrieb in sein Büchlein. Flori schaute sich kurz um. Dann sprang er vom Stuhl und trug Bücher herbei. Einige nach rechts, einige nach links, einige in die Mitte als Stütze. Immer höher stapelte er und schließlich waren alle Bücher des Professors verbaut. Der Turm sah ziemlich seltsam aus. Aber Flori kletterte hinauf, streckte sich und reichte jetzt wirklich bis an den Globus. Vorsichtig hob er ihn vom Regal und trug ihn zum Tisch.

„Hier, Professor. Der Globus.“

„Danke! Stell ihn da hin. Wir werden sofort…“

Jemand klingelte an der Tür.

Der Professor sah verwundert auf. „Wer kommt den jetzt?“

„Ich weiß es nicht“, antwortete Flori.

„Na, dann schau doch nach!“

„Natürlich!“ Flori flitzte los und war kurz darauf wieder zurück. „Ein Päckchen für Sie, Professor. Und ein Brief.“

„Ah, das sind meine neuen Stricksocken. Prima! Aber wer schreibt uns denn einen Brief?“

3. Der Brief

Professor Klecks hatte das Päckchen mit den Stricksocken zur Seite gelegt. Jetzt besah er sich den Brief. Kein Absender? Nanu? Und die Anschrift war auch komisch. Da stand richtig die Stadt und die Straße und man konnte auch ‚An Dr.‘ lesen, aber der Name verschwand unter einem großen Schmutzfleck.

„Da steht nicht mein Name“, sagte Professor Klecks. „Der Brief ist nicht für mich. Wir müssen ihn wieder abgeben.“

Flori besah sich den Umschlag und überlegte. Warum schickt jemand einen Brief, den er so beschmutzt hat, trotzdem los? Er hätte doch einen neuen Umschlag nehmen können.

Flori drehte den Brief hin und her und versuchte, durch den Fleck zu sehen. Hatte da überhaupt etwas drunter gestanden? Plötzlich hatte er eine Idee.

 „Doch, Professor“, rief er. „Der Brief ist für Sie. Der Schreiber wusste bestimmt nicht, wie man Ihren Namen schreibt und hat einfach einen großen Fleck gemacht, einen Klecks eben. Und die Post kennt Sie doch hier.“

„Ein Klecks als Name? Schade, dass ich nicht Zitronenbonbon heiße.“ Der Professor griff nach dem Brief. „Und du meinst, wir sollen ihn öffnen?“

„Klar“, rief Flori, „ohne Absender können wir ihn sowieso nicht zurückschicken. Und wir wollen doch wissen, was drin steht.“

Der Professor sah sich um. „Wo ist mein Brieföffner?“, brummte er. Ich hatte ihn doch hier hingelegt. Flori reckte sich und schaute über den Tisch. Kein Brieföffner. Der Professor versuchte, seinen Finger unter die Umschlagklappe zu schieben, aber der war zu dick.

„Moment“, rief Flori. Er zog sein kleines Taschenmesser hervor, klappte es auf und hielt es dem Professor hin.

Nun war der Brief schnell geöffnet und der Professor zog ein gefaltetes Papier heraus und las:

Lieber Dr.

Obwohl ich sehr groß bin, vier lange Beine habe und sogar zwei kleine Hörner, kann ich weder wirklich weglaufen noch wirklich kämpfen, wenn mich jemand stört. Deshalb brauche ich Ihre Hilfe. Das einzige, was ich hier habe, ist ein guter Blick von weit oben. Und deshalb sehe ich, dass hier etwas nicht stimmt. Also kommen Sie schnell! Damit Sie wissen, wie ich aussehe: Auf mir erkennen Sie ganz oft Ihren Namen.

„Nanu, wer schreibt denn sowas?“

4. Wohin geht die Reise?

Flori und Professor Klecks sahen sich erstaunt an.

„Kuckuck!“, rief Tante Klara, der kleine grüne Papagei.

„Unsinn“, brummte der Professor.

„Es muss aber ein Tier sein“, sagte Flori.

Der Professor nickte. „Ja, und zwar eine …“ In diesem Moment fiel ein kleiner Zettel aus dem Briefumschlag und flatterte zu Boden. Flori hob ihn auf. „… Giraffe!“ rief er. „Hier ist sogar ein Bild.“

Professor Klecks streckte die Hand danach aus. „Zeig mal her! Sie braucht Hilfe und wir sollen kommen? Aber wohin denn?“

„Lesen Sie doch weiter!“, rief Flori ganz aufgeregt. Tante Klara flog von ihrem Sitz auf der Gardinenstange, landete auf Floris Schulter und betrachtete mit schief gelegtem Kopf das Bild in seiner Hand. „Kuckuck, kuckuck! Ping!“ Flori lachte. „Die Mikrowelle macht sie noch besser nach als die Kuckucksuhr.“

Professor Klecks nickte nur und drehte den Brief um. Auf der anderen Seite stand: Bitte sagen Sie niemandem, dass Sie kommen und auch nicht, wohin Sie gehen.

„Aber ich weiß doch gar nicht, wohin ich gehe.“

„Wir, Professor, wir!“, rief Flori. „Steht da noch was?“

„Nur noch: Das Bild sagt Ihnen alles.“

Flori drehte nun auch das Bild um. Auf der Rückseite standen einige Zahlen neben Orten: 1 – der Schimmerwald, 2 – das Mandelgebirge und 3 – das Nebelversteck. „Sollen wir da hingehen?“, fragte Flori.

Professor Klecks schüttelte den Kopf. „Doch nicht zu allen drei Orten. Und wir wissen nicht, welcher der Richtige ist. Er besah sich nochmals den Brief. Ganz unten stand:

Hinweis: Fliegen wie ein Albatros – von Mexiko zum Nordpol – vom Nordpol nach Südafrika – wie sieht das aus, wenn man es schreibt?

„Nanu“, staunte Flori. „Wie fliegt denn ein Albatros?“

„Wenn er von Mexiko, also von der Mitte von ganz Amerika, zum Nordpol will? Wahrscheinlich immer geradeaus.“

„Gut, dass ich schon den Globus geholt habe“, rief Flori.

Professor Klecks nickte. „Also, dann sehen wir mal nach.“

5. Auf zum Schimmerwald

Flori drehte den Globus, bis er Amerika sehen konnte. „Hier in der Mitte ist Mexiko“, rief er. Jetzt gerade wie ein Albatros zum Nordpol.“

Tante Klara zwickte Flori ganz leicht ins Ohr. „Autsch! Ja, ich weiß, ein Papagei könnte so auch fliegen. Aber was willst du denn am Nordpol?“

„Gurkensalat!“, krächzte Tante Klara und schüttelte sich.

„Na ja, den gibt es dort wohl nicht.“ Professor Klecks lachte. „Aber sehr kalt ist es da.“

Flori hatte inzwischen den Nordpol gefunden und dache sich eine neue gerade Linie bis nach Südafrika. Beide Linien malte er auf ein Stück Papier. Das ergab ganz deutlich eine große 1.

„Wir müssen zum Schimmerwald!“, rief er. „Stimmt“, rief Professor Klecks. Da steht 1 – der Schimmerwald. Weißt du, wo der liegt?“

Flori schüttelte den Kopf.

„Aber ich. Pack schnell deinen Rucksack. Hinter den Weidebergen und dem Schattensee wartet eine Giraffe auf unsere Hilfe.“ Professor Klecks stopfte den Brief, das Bild und die neuen Stricksocken in seine Reisetasche. Dann legte er das Notizbuch obenauf und griff nach seinem Mantel mit den vielen Taschen.

„Fertig!“, rief Flori und erschien, den gepackten Rucksack auf dem Rücken, in der Tür. Tante Klara hatte inzwischen auf dem Globus gesessen. Aber jetzt landete sie mit zwei Flügelschlägen auf Floris Schulter.

„Na, dann los! Wir nehmen das Wohnmobil.“

Draußen vor dem Haus stand das kleine Wohnmobil von Professor Klecks. Er fuhr gern damit, wenn er etwas erforschen wollte und deshalb länger unterwegs war. Die Leute in dem Städtchen kannten ihn und seine Abenteuerlust. Ganz besonders die Nachbarn warteten immer sehr gespannt, bis er zurück war und etwas Neues erzählen konnte.

Frau Hasemantel von nebenan stand gerade in ihrem Garten. Als sie die drei sah, winkte sie und rief: „Na, Professor, was haben Sie vor? Wo soll es denn dieses Mal hingehen?“

„Hallo, Frau Hasemantel“, grüßte Professor Klecks. „Wir sind eine Weile weg. Wir fahren zum …“

„…Mond!“, schrie Flori laut dazwischen. „Wir fahren zum Mond!“

„Was? Wohin?“, fragte Frau Hasemantel verdutzt.

Professor Klecks war genauso erstaunt. „Flori! Warum schreist du denn dazwischen?“, wollte er wissen.

6. Die Fahrt zum ‚Mond‘

„Aber Professor“, flüsterte Flori. „Wir sollen doch keinem sagen, wohin wir gehen.“

Professor Klecks schlug sich die Hand vor den Mund und sah Flori erschrocken an. „Stimmt“, wisperte er. „Und beinahe hätte ich alles verraten.“

Herr Güldenkerz, der Nachbar neben Frau Hasemantel kam nun auch an den Gartenzaun. „Er will zum Mond“, sagte Frau Hasemantel und lachte.

„Ja, zum Mond“, bestätigte Professor Klecks. „ Das ist ein kleines Gasthaus hinter den Eichelwäldern. Es heißt ‘Zum Mond‘.“

„Das kenne ich“, sagte Herr Güldenkerz. „Dort gibt es besonders leckeren Gurkensalat.“

Tante Klara schüttelte sich heftig bei dem Wort und Herr Güldenkerz lachte. „Sie weiß nicht, was lecker ist.“

„Nüsse, Kuchen, Bratkartoffeln!“, krächzte Tante Klara, reckte den Hals, spreizte die Flügel ab und verbeugte sich. „Ping!“

„Jetzt wissen wir es“, rief Frau Hasemantel fröhlich. „Ich wünsche gute Fahrt und guten Appetit!“

Sie winkte dem Wohnmobil nach, bis es nicht mehr zu sehen war.

Die Sonne schien warm vom Himmel und gegen Mittag parkten der Professor das Wohnmobil neben dem Gasthaus ‚Zum Mond‘. Friedrich, der Wirt, stand im Hof und stapelte Holz für den Kamin.

„Hallo, Professor Klecks!“, rief er und winkte. „Wollen Sie etwas essen oder ein Zimmer?“

Flori hatte indessen in die Hundehütte gesehen. „Die ist ja leer, Friedrich, wo ist den Rufus?“

„Im Eichelwald“, antwortete Friedrich. „Er sucht meine Säge. Ich habe sie gestern wohl beim Holz machen dort irgendwo verloren. Ich wollte auch gleich losgehen, ich habe nämlich nur die eine.“

„Wir müssen ihm helfen, Professor!“, rief Flori.

Der Professor nickte. „Aber wie? Wir kennen uns im Eichelwald nicht aus. Wenn wir uns verirren, kann das keinem nützen.“

Friedrich schüttelte den Kopf. „Die Säge finde ich allein. Ich brauche ja nur meinen Wagenspuren rückwärts zu folgen. Aber Rufus rannte los, bevor ich ihm das sagen konnte und nun weiß ich nicht, wo er herumläuft.“

„Dann suchen wir Rufus.“, rief Flori. „Und wir werden uns ganz bestimmt nicht verirren, weil wir gar nicht in den Wald laufen werden.“

„Wie soll das gehen?“, fragte Professor Klecks. „Ich kann doch nicht mit dem Wohnmobil in den Wald fahren.“

Flori kraulte Tante Klaras Kopfgefieder. „Nein, das können Sie nicht, Professor. Aber ich habe eine andere Idee. Wir gucken von oben.“

„Von oben?“, fragte Friedrich. „Wie meinst du das?“

7. Am Schattensee

„Ganz einfach“, antwortete Flori. Er nahm Tante Klara von seiner Schulter auf seine Hand und sagte: „Tante Klara wird Rufus suchen. Sie kann von oben gucken. Nicht wahr, Tante Klara? Das tust du doch.“

Der Vogel sah Flori an, legte den Kopf schief und krächzte „Rufus suchen! Rufus suchen!“, blieb aber sitzen.

„Ja, genau, er ist im Eichelwald und soll wieder nach Hause kommen.“

Tante Klara plusterte ihre Federn, reckte die Flügel und flog los Richtung Wald. „Rufus! Nach Hause!“, krächzte sie dabei immer wieder.

Und wirklich dauerte es gar nicht lange, bis Rufus aus dem Wald kam. Auf seinem Kopf saß Tante Klara.

Friedrich freute sich. „Das ging aber schnell!“

Tante Klara reckte den Hals, spreizte die Flügel ab und verbeugte sich. „Rufus nach Hause! Ping!“

Professor Klecks lachte. „Wir haben inzwischen etwas gegessen. Also können wir gleich weiterfahren. Alles einsteigen!“

Flori zeigte Tante Klara ein paar Nüsse, die er für sie mitgenommen hatte. Sie setzte sich auf seine Schulter und er kletterte ins Auto.

„Viel Glück!“, rief Friedrich ihnen nach und sah zu, wie das Wohnmobil in der Ferne verschwand.

Die Fahrt ging über die sanften Hügel der Weideberge. Hier gab es blühende Wiesen und Flori sah eine große Schafherde. Der Schäfer winkte und Flori winkte zurück.

„Ist es noch weit?“, fragte er.

Professor Klecks schüttelte den Kopf. „Da unten liegt schon der Schattensee, wir sind bald da.“

Das Wohnmobil wurde langsamer und Flori sah aus dem Seitenfenster. „Hier war ich ja noch nie, Professor. Das ist unheimlich. Ist es hier immer so dunkel?“

„Ja, Flori, deswegen heißt er ja Schattensee. Hier wohnen Pflanzen und Tiere, die sich im Schatten wohlfühlen und es lieber etwas kühler haben. Moos und Farn zum Beispiel. Und das da drüben ist Springkraut.“

„Es steht aber ganz still.“

„Ja, jetzt.“ Der Professor hielt an und stieg aus. „Komm mit!“

Flori ging nah an die Pflanze heran. „Ich sehe Blütenblätter und grüne Säckchen. Aber nichts bewegt sich.“

„Streich mal vorsichtig mit der Hand an der Blüte entlang.“ Flori tat es, aber nichts geschah. „Sehr gut“, lobte Professor Klecks. „Und jetzt etwas fester.“

Flori stupste den Blütenstiel an – die grünen Säckchen sprangen auf und schossen um sich. Flori riss seine Hand zurück. „Was war das denn, Professor?“

„Alles in Ordnung, Flori. Die Säckchen sind Samenkapseln. Und wenn du sie anstößt, platzten sie. Der Samen springt heraus und landet auf dem Boden. Und was passiert dann damit?“

8. Die Ankunft

„Was dann passiert, weiß ich“, rief Flori. „Es wächst und wird ein neues Hüpfkraut. Wie im Garten eine Erbse wächst.“

„Stimmt. Aber es heißt Springkraut. Komm, wir fahren weiter.“ Professor Klecks ging zurück. Flori aber drehte sich schnell um und stieß noch zwei weitere Blüten an. Die Samen sprangen lustig davon. „Tschüss!“, rief Flori, „und wachst schön.“ Dann kletterte er hinter dem Professor ins Wohnmobil und weiter ging die Fahrt.

Die Straße führte zwischen zwei hohen Bergen hindurch. In der Ferne sah Flori ein eigenartiges Leuchten.

„Ist er das, Professor?“, fragte er.

„Was ist?“ Professor Klecks war in Gedanken gewesenen. Er hatte an die Erforschung seines Gartenteichs mit Hilfe einer wasserdichten Fotografierlupe gedacht.

„Da hinten, Professor. Was da so leuchtet. Ist das der Schimmerwald?“

„Quak!“

Flori und Professor Klecks sahen sich erstaunt an. „Wieso quak?“

„Quak, quak!“

„Tante Klara!“, rief Flori, doch der Papagei plusterte sich auf und schüttelte aufgeregt den Kopf. „Ich nicht! Kein quak!“, krächzte er. „Kuckuck-kuckuck! Ping!“

„Nicht aufregen“, sagte Professor Klecks. „Wir werden…“

„Quak!“

Flori wollte aufspringen, doch Professor Klecks hielt ihn auf. „Halt, bleib sitzen. Wir sind gleich da, dann sehen wir nach, was da los ist.“

„Quak, quak, quak!“

„Das ‚Quak‘ scheint damit einverstanden zu sein“, rief Flori und drehte so weit es ging den Kopf nach hinten. Vielleicht konnte er ja doch schon etwas sehen.

Augenblicke später hielt Professor Klecks das Wohnmobil vor den ersten Bäumen des Schimmerwaldes an. Sofort kletterte Flori hinter die Sitze und suchte nach dem seltsamen Geräusch. Professor Klecks öffnete die Seitentür und stieg von da aus in den Innenraum des Wohnmobils. Und dann sahen sie, was es war.„Quak!“

„Professor, ein Frosch! Wir haben einen Frosch entführt!“

„Wieso ein Frosch? Wieso entführt? Das verstehe ich nicht!“

„Er war zu Hause noch nicht da. Aber jetzt ist er da. Warum?“ Flori streckte die Hand nach dem Frosch aus, doch der sprang zwischen ihnen durch und hinaus aus dem Wohnmobil. Tante Klara flatterte erschrocken auf, stieß sich an der Wagendecke den Kopf und landete auf Floris Rucksack.

Flori war inzwischen ausgestiegen und der Professor folgte. Unter dem ersten schimmernden Baum saß der Frosch und schaute sie an. Das Licht fiel auf seine grüne Haut, er nickte mit dem Kopf und dann sagte er:

“Herzlich willkommen im Schimmerwald!“

9. Ein neuer Freund

„Danke“ antwortete Professor Klecks. „Wir freuen uns, hier zu sein.“

Flori zupfte den Professor am Ärmel. Professor Klecks achtete aber nicht auf ihn, sondern fragte den Frosch: „Können Sie uns wohl weiterhelfen?“ Wir suchen… “

Flori zupfte stärker. „Was ist denn, Flori?“, fragte Professor Klecks.

„Professor“, wisperte Flori. „Sie reden mit einem Frosch!“

„Ja, er ist sehr höflich.“

„Herr Professor! Der Frosch redet!“

„Ja, sicher, sonst könnte ich ihn ja nicht verstehen.“

Tante Klara setzte sich auf Floris Schulter. „Quak, quak, quak, ping!“, rief sie.

“Ach so, jetzt weiß ich, was du meinst, Flori. Aber wir stehen vor dem Schimmerwald.“

Flori staunte ungläubig. „Heißt das, die Tiere können hier sprechen?“

„Aber Flori, die Tiere können immer sprechen, aber hier können wir auch verstehen, was sie sagen.“

Erst wollte Flori es nicht glauben, doch dann sagte er zu dem Frosch: „Hallo, ich bin Flori. Guten Tag.“

„Willkommen, Flori. Ich bin Roland vom Tümpel und habe nach euch gesucht.“

„Warum warst du im Wohnmobil?“, wollte Flori wissen.

„Das war ein Versehen. Ich dachte, ihr kommt erst morgen und habe meinen Onkel Leopold am Schattensee besucht. Als ich euch dann dort sah, bin ich schnell ins Wohnmobil gesprungen und habe mich darin versteckt.“

„Warum das denn?“, frage Professor Klecks.

„Weil ich mit euch zurückfahren wollte. Ich wäre doch sonst zu spät angekommen.“

„Nein, nein.“ Professor Klecks schüttelte den Kopf. „Ich meine doch, warum hast du dich versteckt?“

„Ich dachte, ihr nehmt mich sonst nicht mit. Ihr hättet vielleicht gedacht, ich wohne dort und bin aus Versehen eingestiegen. Dann hättet ihr mich wieder rausgesetzt.“

„Aber du brauchtest doch bloß zu sagen, was du willst.“

Flori schüttelte den Kopf. „Nein, Professor, das ging doch nicht!“, rief er.

„Aber Flori, wir sind doch keine Unmenschen. Wieso ging das nicht?“

10. Im Schimmerwald

„Quak, quak! Ping!“, krächzte Tante Klara, der Papagei.

„Ach ja, natürlich ging das nicht. Wir verstehen ja nur im Schimmerwald, was der Frosch sagt.“ Professor Klecks besah sich die Straße. „Kann ich hier reinfahren, Roland?“

Der Frosch nickte. „Wenn Sie auf dem Schimmerweg bleiben, ja. Der ist breit genug. Und Sie kommen direkt bis in die Mitte zu Alwana.“

„Ist Alwana eine Giraffe?“, fragte Flori.

„Ja, genau“, quakte Leopold.

„Na, dann los.“ Professor Klecks scheuchte alle ins Wohnmobil und fuhr weiter den Schimmerweg entlang in den Schimmerwald hinein.

Nach kurzer Zeit erreichten sie eine Lichtung, auf der ein einzelner dicker Baum stand. Seine Äste streckten sich zu allen Seiten. In der Baumkrone sah Flori eine kleine Hütte.

„Professor, da winkt jemand!“, rief Flori und zeigte auf die Hütte. „Und jetzt ruft er!“

„Hallo! Hier herauf!“, hörten sie deutlich. Dazu winkte es heftig.

„Ich glaube, Professor, wir sind angekommen!“

Flori schickte Tante Klara voraus und wollte losklettern. Professor Klecks hielt ihn auf.

„Augenblick, Flori. Bevor du auf einen Baum steigst, musst du gucken, wie du wieder herunter kommst. Schau dir also erst alles genau an, denn runter ist immer schwerer als rauf.“

Flori ging einmal um den Baum herum.

„Hier ist ein guter Auf- und Abstieg“, rief er. Professor Klecks nickte und dann stiegen beide hinauf in den Baum. Es ging ganz leicht, weil die Äste gut zu erklettern waren, und es dauerte nicht lange, bis sie die Hütte erreichten.

Für ein Baumhaus war die Hütte recht geräumig. Es gab einen Tisch, eine kleine Bank und ein Regal. Aber es war niemand da.

„Hier ist keiner“, rief Flori. „Wer hat gewinkt?“ Er schaute aus dem Fenster und sah eine dünne Hängebrücke, die bis zu den Bäumen am Rande der Lichtung reichte.

„Niemand ist runtergestiegen“, überlegte Professor Klecks. Also muss entweder jemand hier sein oder ist weggeflogen.“

„Jemand ist weggelaufen“, rief Flori. „Hier hinaus und dann in den Wald.“

„Warum das denn?“, fragte Professor Klecks. „Erst ruft er uns hier rauf und dann läuft er weg, noch ehe wir da sind?“

„Und wer war das eigentlich“, fragte Flori. „Wer sitzt in einem Baumhaus, hat lange haarige Arme, kann winken und auf einer dünnen Hängebrücke davonlaufen?“

Professor Klecks lachte. „Eine Giraffe mal sicher nicht!“

Auch Flori lachte. „Aber wer war es dann?“

11. Alwana

„Kuckuck, kuckuck! Ping!“, krächzte Tante Klara. Sie saß auf Floris Schulter und schaute, genau wie Flori und Professor Klecks, aus dem Fenster des Baumhauses zum Wald hinüber.

„Ob wir ihm folgen sollen?“, überlegte Flori.

„Ganz bestimmt nicht“, rief Professor Klecks. „Ich bin auf jeden Fall zu schwer für diese dünne Brücke und du wahrscheinlich auch. Wir warten erstmal hier.“

„Das ist nett von euch.“

Flori sah Professor Klecks erstaunt an. Dann drehten beide sich schnell um. Auf dem kleinen Tisch saß ein Affe.

„Wie bist du denn wieder rein gekommen?“, fragte Flori.

Plötzlich erschien ein dunkler Schatten vor dem zweiten Fenster. Und dann schob sich ein großer gelber Kopf mit dunklen Flecken durch die Öffnung.

„Er kam mit mir. Guten Tag, Professor Klecks. Hallo Flori. Ich bin Alwana. Ich habe euch geschrieben.”

Tante Klara war vor Schreck aus dem Fenster geflogen und auf der Hängebrücke gelandet. Professor Klecks aber ging auf den Giraffenkopf zu, griff in seinen Mantel mit den vielen Taschen und holte einen kleinen Blumenstrauß hervor. „Bitte schön,“ sagte er. „Die habe ich am Schattensee für dich gepflückt.“

„Danke!“, sagte Alwana. Und während Flori noch überlegte, wie eine Giraffe wohl Blumen aufstellt, fraß Alwana die Blumen auf.

„Wie praktisch,“ murmelte Flori. „Keine Vase nötig.“ Laut fragte er dann: „Wie kannst du uns schreiben? Wie hast du das gemacht?“

„Pongo hat mir geholfen.“

Der kleine Affe sprang auf den Tisch. „Ich helfe gern!“, rief er . „Ich schreibe, ich winke, ich hole Alwana, ich bin Pongo, ich helfe gern.“

Tante Klara landete neben Pongo auf dem Tisch. „Und ich bin Tante Klara. Ping! Ich helfe auch gern. Was können wir also für euch tun?“

Professor Klecks nickte eifrig. „Recht hast du, Tante Klara. Also, Alwana. Willst du uns erzählen, was dir Sorgen macht?“

Flori beugte sich hinunter zu Tante Klara und sagte leise: „Jetzt, wo ich dich verstehen kann, musst du mir erzählen, warum du immer …“.

„Pst!“ machte Tante Klara und zupfte Flori am Ohr. „Zuhören!“

Alwana hatte schon angefangen. „ … unheimlich, und keiner weiß, warum.“, hörte Flori und fragte: „Was ist denn unheimlich? Oder wie sieht es aus? “

Alwana nickte. „Gut gefragt, Flori! Aber diese Antwort sollt ihr ja für uns finden. Deshalb muss ich jetzt erst einmal euch fragen: Warum heißt der Schimmerwald Schimmerwald? Und: Was ist das Besondere am Schimmerwald?“

12. Etwas ist nicht in Ordnung

„Das weiß ich“, rief Flori. „Die Bäume machen ein Schimmerlicht und hier kann ich die Tiere verstehen.“

„Stimmt.“ Alwana wollte mit dem Kopf nicken, aber das ging nicht, weil der in der Fensteröffnung steckte. „Am besten zeige ich euch, was ich meine. Kommt alle mit.“

Sie zog den Kopf zurück und Pongo sprang zum Fenster hinaus. Er rutschte am Hals der Giraffe hinunter bis zum Rücken, hielt sich dort fest und rief: „Na los, kommt schon.“

Professor Klecks steckte seinen Kopf durch das Fenster – Flori bekam einen Riesenschreck – aber der Professor rief nur: „Wir sind gleich unten. Wartet auf uns!“ Dann drehte er sich um und beide stiegen eilig vom Baum.

Als sie unten ankamen, saß Tante Klara schon neben Pongo und Roland vom Tümpel wartete im Gras.

„Hier geht’s lang“, rief Alwana und Pongo zeigte in Richtung des Waldrandes. Flori holte seinen Rucksack und die Reisetasche des Professors aus dem Wohnmobil. Der Frosch sprang auf die Tasche und dann gingen sie alle zusammen los.

Unter den ersten Bäumen trafen sie andere Tiere. Ein Reh grüßte freundlich und ein Biber rief seine Familie herbei, um ihnen den Besuch zu zeigen. Flori sah einen Kakadu, der auf einem Ast hockte und ein Gedicht aufsagte. Ein paar Bäume weiter trugen drei Eichhörnchen Nüsse in ihr Nest im Baumloch und sangen dabei ein Lied.

„Das kann ich auch“, krächzte Tante Klara und plusterte sich auf. Sie streckte sich, reckte den Hals und öffnete den Schnabel weit.

„Stop!“, rief Alwana. „Wir sind gleich da.”

“Wo ‚da‘?”, fragte Flori und sah sich um. „Ich sehe nur Bäume.“

Professor Kleck stellte seine Tasche ab und fragte: „Was ist denn da vor uns? Ich sehe nichts.“

„Sie müssen genau hinsehen“, sagte Alwana.

Professor Klecks zog aus seiner Reisetasche seine Forscherbrille, die er immer aufsetzte, wenn er ganz genau gucken wollte. „Hm – nichts Besonderes zu sehen“, murmelte. „Vielleicht ein bisschen dunkler als hier.“

„Ja! “ , rief Flori. „Vor uns ist kein Schimmer an den Bäumen. Warum nicht?“

„Kein Schimmer! Genau!“, rief Pongo und sprang auf und ab. Tante Klara erschrak und flatterte zu Flori. Auf dessen Schulter fühlte sie sich sicherer.

In diesem Moment liefen zwei Stachelschweine am Rand des dunklen Waldstücks entlang. Sie schnüffelten, fiepten und quiekten leise. Als sie die kleine Gesellschaft sahen, blieben sie erschrocken stehen.

„Nein, kommt weiter Freunde“, rief Alwana. Doch die Stachelschweine rührten sich nicht. Sie schauten einen nach dem anderen an, fiepten und schüttelten raschelnd ihre Stacheln.

„Hallo, ich bin Flori“, sagte Flori und machte einen Schritt auf die beiden zu. Er rechnete mit einer freundlichen Antwort, doch stattdessen drehten beide Stachelschweine um und rannten davon.

„Was war das denn?“, fragte Professor Klecks. „Warum laufen sie vor uns weg?“

13. Das Rätsel im Wald

„Die Stachelschweine sind weggelaufen, weil sie mich nicht verstanden haben“, rief Flori.

Alwana, die Giraffe, nickte. „Genau. Weil sie dich nicht verstehen, sind sie vorsichtig.“

Roland vom Tümpel sprang vor. „Wir müssen ihnen sagen, dass wir ihnen nichts tun.“ Er sprang weiter. „Hallo, wir quak quak quak quaaaak …“

„Roland, komm zurück!“, rief Pongo.

Der Frosch hielt an und sah sich um. „Quak?“

Flori und Pongo winkte ihm und machten Zeichen. Professor Klecks sagte: „Moment!“, ging zu Roland, hob ihn auf und brachte ihn zurück zu Alwana.

Die Giraffe beugte sich etwas hinunter. „Bleib hier, Roland. Professor Klecks wird helfen.“

„Und Flori und Tante Klara. Ping!“, krächzte Tante Klara. „Wie helfen wir denn?“ Sie plusterte die Federn, schüttelte sich, als hätte sie Gurkensalat gesehen und schaute dann Professor Klecks erwartungsvoll an. „Was sollen wir tun?“

Professor Klecks sah seine Begleiter an. Er hatte keine Ahnung, wie er helfen sollte und überlegte angestrengt.

„Soll ich Ihnen ihr Notizbuch bringen?“, fragte Flori. „Vielleicht steht da was drin, das uns hilft.“

Professor Klecks nickte. „Gute Idee, Flori. Da steht zwar nichts drin, aber wir können etwas hineinschreiben. Lass uns das Problem erforschen.“

Er zog einen Bleistift aus dem Mantel mit den vielen Taschen und nahm von Flori das Notizbuch entgegen. „Also, Freunde“, rief er, „wer weiß etwas über diese Sache?“

Einer nach dem anderen sagte, was ihm dazu einfiel und Professor Klecks schrieb es auf. Dann las er vor.

„Ein Teil des Waldes schimmert nicht. – Das ist schon ein paar Wochen so. – Keiner versteht den anderen. – Dort drin ist man sehr vorsichtig. – Keck, keck, piep, fieps.“

„Nanu, wer hat das denn gesagt?“, fragte er erstaunt.

„Ich nicht,“ rief Pongo und Tante Klara krächzte aus alter Gewohnheit: „Kuckuck, kuckuck!“

Aber dann hörten sie deutlich: “Keck, fiep.“ Auf dem untersten Ast des ersten dunklen Baumes saß ein Eichhörnchen und sah sie an.

Flori dachte daran, dass er den Stachelschweinen aus Versehen Angst gemacht hatte und ging einen Schritt zurück. Die anderen machten es nach und das Eichhörnchen sprang vom Baum und kam näher. Vorsichtig ging es weiter, bis es den Schimmer erreichte. Dort reckte es sich und sagte: „Ich bin Samuel.“

„Hallo, ich bin Flori,“ sagte Flori. „Wir tun dir nichts.“

„Ich weiß, meine Freunde haben euch kommen sehen und mir Bescheid gesagt.“

„Die gesungen haben?“, fragte Professor Klecks. „Also versteht man sich da drin doch?“

„Natürlich weiß ich, was meine Freunde sagten“, antwortete Samuel und Professor Klecks schrieb in sein Notizbuch: „Gleiche Tiere können mit einander reden.“ Dann steckte er Buch und Stift ein und sagte: „Flori und ich gehen allein weiter, weil wir auch dort drin mit einander reden können. Ihr anderen wartet auf uns.“

„Gut“, sagte Alwana. „Wir gehen zurück zum Baumhaus, kommt, Pongo, Roland, Tante Klara.“

„Und ich gehe mit euch“, sagte Samuel zu Flori, „denn ich muss euch etwas zeigen.“

14. Eine Entdeckung

Professor Klecks und Flori verabschiedeten sich von den anderen und gingen weiter zwischen den dunklen Bäumen. Samuel, das Eichhörnchen, sprang voraus und fiepte immer wieder. Er erzählte wohl etwas, aber die beiden konnten ihn nicht verstehen.

Flori fragte: „Professor, sind die Bäume hier krank?“ Doch der Professor hörte gerade nicht zu. Er war stehen geblieben und betastete einen Baumstamm. „Flori!“, rief er, „was siehst du?“

„Einen Baum!“

„Und was noch?“

„Einen Professor, der einen Baum befühlt.“

Professor Klecks lachte. „Richtig. Und warum, glaubst du, tut der Professor das?“

„Weil … dieser Baum schimmert?“ Flori sah sich im Kreis um. „Und der da schimmert nicht. Der da drüben auch nicht, aber da hinten steht wieder einer, der leuchtet.“

Samuel war auf den Baum gesprungen, an dem Professor Klecks stand. „Ja!“, rief er, das sage ich doch die ganze Zeit. Es sind nicht alle Bäume dunkel. Manche ja, manche nein. Und dann wieder keiner.“

„Und wie weit geht das so?“, fragte Flori.

Samuel reckte sich und zeigte zwischen die Bäume. „Bis dort. Ich kann dir keck keck piep fiep keck …“

Er war losgelaufen. Flori rief: „Bin gleich zurück, Professor!“, und rannte ihm nach. Und wirklich war es nicht mehr weit. Samuel saß unter einer Birke und Flori sah sich um. Alle Bäume vor ihm schimmerten. „Nur hinter mir sind manche dunkel,“ rief er. „Wie kommt das?“

„Das weiß ich nicht“, sagte Samuel, „aber das war es, was ich zeigen wollte.“

Flori sah ein paar schimmernde Tannenzapfen am Boden und steckte ihn in die Tasche. „Nanu, willst du davon was essen?“, fragte Samuel. „Da sind doch gar keine Samen mehr drin!“

„Nein, ich bin doch kein Eichhörnchen. Ich will zu Hause damit basteln. Komm, wir gehen zurück.“

Samuel setzte sich auf Floris Rucksack und ließ sich tragen. Der Rückweg war nicht weit und schon bald sahen sie Professor Klecks. Er stand vor einem Baum, weit vorgebeugt, den Kopf ganz nah am Stamm.

„Keck keck piep fiep“ hörte Flori von Samuel. Er dachte sich, dass das Eichhörnchen wissen wollte, was der Professor da macht. Deshalb sagte er: „Keine Ahnung!“, ohne daran zu denken, das Samuel ihn hier ja auch nicht verstehen konnte.

„Professor, wir sind zurück!“, rief Flori.

„Pssst!“, macht Professor Klecks. Jetzt sah Flori, dass der Professor horchte. Er hatte sein Forscher-Hörrohr ausgepackt und hielt das große breite Ende an den Baumstamm, während das kleine dünne Ende in seinem Ohr steckte.

„Sagt der Baum etwas?“, wisperte Flori ganz leise.

„Nein, der Baum nicht. Aber ich höre trotzdem etwas. Hier nur ganz leise, aber da drüben ist es etwas lauter.“

„Was ist es denn?“, fragte Flori. „Ich höre nichts.“

„Du musst das Forscher-Hörrohr nehmen. Hier.“

Flori nahm das Hörrohr und überlegte, wen oder was man wohl alles in einem Baum hören konnte.

15. Die Suche

Flori schloss die Augen, stand ganz still und lauschte mit dem Hörrohr. Auch das Eichhörnchen Samuel legte sein Ohr an den Baumstamm. Das erste, was Flori hörte, war ein leises Kratzen. Es schien von unten nach oben zu wandern. Flori öffnete erst ein Auge und dann beide. Direkt vor seiner Nase spazierte ein großer Käfer den Baumstamm hinauf.

Flori sah Professor Klecks fragend an, aber der schüttelte den Kopf. Den Käfer hatte er also wohl nicht gemeint.

Flori horchte weiter. Oben im Baum rauschten die Blätter leise im Wind, Äste bewegten sich knarrend. Flori hielt sich das freie Ohr zu, um nicht abgelenkt zu werden und konzentrierte sich ganz auf das Hörrohr. Und dann, ganz leise von unten, hörte er plötzlich etwas wie Stimmen, Lachen, Rufen.

„Professor, da unten ist jemand“, rief er. Samuel sprang um den Baumstamm und horchte immer an verschiedenen Stellen. „Hier hört man es“, rief er. „Und hier, und keck auch und fiep immer noch. Aber pieps fiep und keck.“ Er kam zurück zu Flori. „Wie fiep keck möglich?“

„Was ist?“, fragte Professor Klecks. „Ich habe dich nicht verstanden.“

Samuel sah zwischen den beiden hin und her. Aber Flori achtete nicht auf ihn.

„Professor“, flüsterte er. „Der Baum wird dunkler.“ Tatsächlich verlor der Baum ganz allmählich seinen Schimmer. „Wir müssen ihm helfen“, rief Flori. „Was passiert denn da? Der Baum soll doch leuchten.“

Professor Klecks nickte und dachte nach. Dann sagte er: „Ich glaube, wir müssen da runter. Kommt mit!“

„Wohin gehen wir denn?“, fragte Flori.

„Wir suchen einen Eingang. Wenn jemand da unten ist, muss er ja irgendwie da hingekommen sein.“

Samuel sprang um beide herum. „Hast du verstanden?“, fragte Flori. „Ja, ja, ich fiep“, rief Samuel. Dann sprang er den Baum hinauf und verschwand in einem Loch im Stamm.

„Was macht er“, fragte Flori. Aber noch ehe Professor Klecks antworten konnte, war Samuel wieder da. Er sprang zum nächsten Baum und kroch wieder in ein Loch. „Ich glaube, er sucht etwas“, sagte Professor Klecks und schon war Samuel wieder zu sehen. Er lief einen Ast entlang, hinüber zum nächsten Baum und war im nächsten Loch verschwunden.

Professor Klecks und Flori warteten, doch dieses Mal kam Samuel nicht wieder heraus.

„Hat er sich verlaufen oder verirrt?“, fragt Flori. „In einem Baum? Das ist wohl nicht möglich“, sagte Professor Klecks. „Vielleicht hat er sich verletzt.“ Er hob Flori hoch und der schaute in das Astloch. „Alles dunkel, Professor, keiner drin.“

„Oder er hat keine Lust mehr“, überlegte Professor Klecks und setzte Flori wieder ab. „Das glaube ich nicht“, rief Flori. „Aber wir müssen irgendwie nach unten kommen. Ein Baumloch ist für uns ja auf keinen Fall groß genug.“

Professor Klecks nickte. „Du hast Recht. Suchen wir. Es muss ja hier irgendwo sein.“

Sie gingen zwischen den Bäumen hin und her, schauten hinter jeden Stein und unter jeden umgefallenen Baum. Sie untersuchten jeden Busch und kamen bis zu einem kleinen Bach. Flori sprang hinüber, doch Professor Klecks blieb stehen.

„Wir müssen zurück“, sage er. „Wenn hier ein Loch drunter wäre, würde der Bach hineinfließen. Wir sind also schon zu weit gegangen.“

Flori drehte sich um und sprang zurück. „Da hinten, Professor“, rief er, „sehen sie mal. Ist es das?“

16. Der Eingang

Flori zeigte an Professor Klecks vorbei auf einen dunklen Fleck in einiger Entfernung. „Haben wir das gesucht?“

„Lass uns nachsehen“, rief Professor Klecks und kurz darauf standen sie vor einer kleinen Steinwand. Mitten drin war ein Loch. „Es scheint ein Höhleneingang zu sein“, überlegte Flori. „Soll ich mal reingehen?“

„Erst horchen wir und versuchen, etwas zu sehen“, sagte Professor Klecks. Er hatte den Kopf in den Eingang gesteckt und Flori musste lachen. „Professor, Ihre Stimme hört sich an, als steckten Sie in einem Marmeladenglas.“

„Du weißt, wie ich in einem Marmeladenglas klinge? Ich weiß das nicht“, überlegte Professor Klecks. „Das muss ich erforschen. Gib mir mein Notizbuch, Flori.“

„Sie haben es in Ihrem Mantel“, rief Flori.

„Stimmt ja!“ Professor Klecks zog einen Stift und das Notizbuch hervor und schrieb hinein. „Stimme … Glas … anhört“, murmelte er dabei, steckte dann beides wieder ein und kratzte sich nachdenklich am Kinn.

Flori fragte: „Also was tun wir jetzt hier?“

„Hier? Ach so, ja.“ Professor Klecks beugte sich vor. „Wir sollten – huch?“

Aus dem Loch war ein Eichhörnchen gesprungen. „Samuel!“, rief Flori. „Da bist du ja wieder? Ist das der Eingang?“

Samuel nickte und lief wieder zu dem Loch.

„Wir müssen da rein, Professor. Kommen Sie!“, rief Flori und wollte losgehen.

„Halt!“, rief Professor Klecks. „Flori, man geht nicht in eine Höhle ohne dass einer weiß, wo man ist. Wir müssen den anderen erst Bescheid sagen.“

„Nochmal zurück gehen?“, fragte Flori.

„Das mache ich“, rief Samuel. „Ich komme dann nach.“ Und schon war er zwischen den Bäumen verschwunden.

„Gut. Also, was brauchen wir?“, überlegte Professor Klecks. Ein Seil? Einen Haken? Eine Leiter? Streichhölzer? Eine Lampe? Ein Taschentuch? Bindfaden?“

Flori staunte. „Haben wir das alles dabei, Professor?“

„Na ja, nicht alles. Aber ich glaube, wir gehen erst Mal vorsichtig rein und dann sehen wir weiter.“

„Gut“, rief Flori. Er rückte seinen Rucksack zurecht und ging los in das Loch hinein. Professor Klecks bückte sich etwas und folgte ihm.

Am Anfang konnten sie noch gut sehen, aber nach einigen Schritten wurde es dunkler. Sie gingen vorsichtig, um nicht anzustoßen und Flori meinte: „Jetzt könnten wir doch eine Taschenlampe anmachen, oder?“

„Nein, warten wir noch damit“, flüsterte Professor Klecks. „Ich möchte nicht, dass man uns von Weitem kommen sieht.“

„Aber wir sehen auch nichts“, flüsterte Flori zurück.

„Das wird gleich besser. Es ist ja nicht ganz dunkel, die Augen gewöhnen sich daran und dann sehen wir wieder etwas. Ich muss zu Hause mal erforschen, wie lange so was dauert. Erinnere mich daran, dass ich mir das aufschreibe, Flori. Hier sehe ich nicht genug dafür.“

Flori merkte sich ‚Im Dunkeln sehen erforschen‘ und ging langsam weiter. Angestrengt lauschte er, ob vor ihm etwas zu hören wäre. Plötzlich fühlte er eine Berührung an der Schulter. Erschrocken sprang er in die Luft.

17. Ein dunkler Weg

Fast hätte Flori vor Schreck um Hilfe geschrien, doch dann hörte er den Professor hinter sich sagen: „Warte, Flori, mein Schuh ist aufgegangen. Ich muss ihn zubinden.“

Flori blieb stehen und schaute zurück. Vom Eingang war nichts mehr zu sehen, also hatte der Weg eine Biegung gemacht. Und Flori war sich sicher, dass er auch abwärts führte. Langsam gingen sie weiter.

„Vorsicht, Professor, hier sind Stufen!“, rief Flori.

„Psst!“, machte Professor Klecks. „Wir wissen doch nicht, wer oder was hier noch ist.“

Flori streckte die Hand nach der Wand aus und stieg langsam die Stufen hinunter. Professor Klecks blieb stehen und fragte: „Wieviele Stufen siehst du, Flori?“

Flori zählte nach. „Fünf. Aber ich glaube, da sind noch mehr.“

„Gut, geh leise, ja?“

Flori nickte, aber das sah Professor Klecks nicht, denn er musste ja auf die Stufen achten. Er ging vorsichtig und sah erst wieder hoch, als nach der achten Stufe die Treppe in einen Gang mündete.

„Flori, wir müssen … Flori? Flori!? Wo bist du denn?“

Professor Klecks lief los und stieß gegen eine Wand.

„Flori?“

Erschrocken stellte er die Reisetasche ab und griff um sich. Vorne, rechts und links war Wand.

„Flori!“

Hinter sich wusste er den Gang, aus dem sie gekommen waren.

„Wo bist du, Flori?“

„Hier, Professor!“ Professor Klecks sprang zurück. Die Stimme schien aus seiner Reisetasche zu kommen. „Flori?“

Die Tasche bewegte sich und dahinter erschien Floris Kopf. „Hier geht es weiter, Professor. Sie müssen sich kurz mal bücken.“

„Ich muss mich kurz mal erholen! Wie kannst du mich so erschrecken und einfach allein lassen?“

„Ich war nicht weg, nur hier unten. Hier ist der nächste Gang.“

Professor Klecks zog sein Taschentuch hervor und wischte sich die Stirn ab. Dann stieg er zu Flori in den tieferen Gang und sie liefen weiter.

„Professor“, wisperte Flori. „Hier geht es wieder aufwärts. Aber wir sind doch unter der Erde. Warum können wir hier immer noch etwas sehen?“

„Ja, das ist eine gute Frage“, murmelte Professor Klecks. „Eigentlich müsste es stockdunkel sein.“

„Und da hinten, wo der der Gang breiter wird, ist es sogar noch heller“, flüsterte Flori.

„Stimmt. Ich glaube, wir sind bald am Ziel. Ich höre auch Geräusche. Da muss jemand sein. Geh ganz leise jetzt, Flori. Wir wollen niemanden erschrecken.“

„Uns soll auch keiner erschrecken,“ murmelte Flori, aber das tat er besonders leise, denn er wollte nicht, dass der Professor dache, er hätte Angst. Plötzlich fühlte Flori einen kleinen Stoß an seinem Rucksack. Etwas Haariges streifte seine Wange, ein Pfötchen griff nach seinem Ohr – und er hörte:

„Habt ihr keck, da ist fiep, und weiter piep ein keck aber …“

18. Wer wohnt denn da?

„Samuel!“, rief Flori, hielt sich aber gleich die Hand vor den Mund.

„Die anderen keck oben“, wisperte das Eichhörnchen. „Alle wollten mitpiepen.“

Professor Klecks nickte. „Mitkommen? Gut, dann sehen wir mal, was da vor uns ist.“

Sie gingen weiter und Flori merkte, dass er mit jedem Schritt besser sehen konnte. „Professor“, flüsterte er, „da vorne ist Licht. Und ich glaube, ich sehe jemanden.“

Beide duckten sich hinter einen Stapel Holz. Oben drauf lagen zwei Steine und Professor Klecks schob einen davon etwas zur Seite, um besser sehen zu können.

„Professor, sollen wir hingehen?“, fragte Flori. „Wir könnten …“

BUMM!

Was Flori sagen wollte, ging in einem lauten Knall und Poltern unter. Der Stein war ins Rutschen gekommen und heruntergefallen. Professor Klecks sprang vor Schreck auf, hielt sich am Holz fest, der Stapel kippte und polterte auseinander. Flori fiel rückwärts zu Boden und Samuel flitzte erschrocken davon.

Die ganze Höhle hallte wider von dem Getöse. Es staubte furchtbar und Professor Klecks musste husten. Flori stand auf und versuchte, etwas zu sehen.

„Keiner mehr da!“, rief er, „wir haben sie verscheucht!“

Professor Klecks nickte. „Aber die kommen wieder. Gehen wir mal rüber ins Helle, damit sie sehen, dass wir harmlos sind.“ Er klopfte sich den Staub vom Mantel und ging bis in die Mitte des Raumes.

Flori folgte ihm und sah sich neugierig um. „Wer war denn hier?“, fragte er.

„Was hast du denn gesehen?“, fragte Professor Klecks zurück.

Flori überlegte: „Es waren viele, fast so groß wie Hunde, dick wie Biber, pelzig wie Bären, grau wie die Katze von Frau Hasemantel.“

„Noch etwas?“

„Sie liefen auf vier Pfoten und trugen schwarze Masken um die Augen wie Räuber. Und außerdem gucken sie uns jetzt gerade aus allen Ecken an. Ich sehe ihre Augen leuchten.“

Flori fühlte sich unheimlich, aber Professor Klecks schien ganz ruhig zu sein. „Ich glaube, es sind Waschbären, Flori.“ Er stellte seine Reisetasche ab. „Ich werde mit ihnen reden.“

„Waschbären? Verstehen die Sie denn?“, fragte Flori.

„Ganz bestimmt, guck mal nach oben. Siehst du da drüben die hellen Wurzeln? Das Licht kommt sicher von den Schimmerbäumen. Ich versuche es.“

Er stellte sich unter eine der Wurzeln und sagte: „Hallo, ich bin Professor Klecks und das da ist Flori, mein Helfer. Wir wollen gern mit euch sprechen.“

Nichts geschah. „Sie haben Angst“, wisperte Flori.

„Ja natürlich“, sagte Professor Klecks. „Die hätte ich auch, wenn jemand mit solch einem Getöse in mein Haus stolpern würde. Aber sprich laut, damit sie hören, was wir sagen.“

Er setzte sich auf einen Holzklotz neben seine Reisetasche und begann, vom Wetter zu reden. Nach einer Weile sah Flori Bewegungen. Unter den leuchtenden Augen erschienen Nasenspitzen, dann Pfoten und er konnte Ohren erkennen.

„Professor“, wisperte er, „sie kommen!“

19. Eine fremde Familie

„Ja, ist weiß, aber du musst nicht flüstern.“

An der Wand vor Flori wurde jetzt ein Tier sichtbar. Es kam aus der dunklen Nische, in die es zuvor geflüchtet war und näherte sich den beiden Eindringlingen. Professor Klecks hatte Recht: Es war ein Waschbär, noch dazu ein ziemlich großer.

„Hallo!“, sagte Flori, hob grüßend die Hand und versuchte ein Lächeln.

Der Waschbär sah ihn an und ging vorbei. Er ging auch an Professor Klecks vorbei und dann langsam um beide herum.

Flori zupfte Professor Klecks am Ärmel. Der nickte nur. Er hatte auch gesehen, dass die anderen Waschbären aus ihren Verstecken kamen und ebenso langsam um sie herum gingen.

Flori dachte: Ob die uns fressen wollen? Aber es sagte es nicht laut. Er wollte die Waschbären nicht auf dumme Ideen bringen. Stattdessen stellte er sich noch näher zu Professor Klecks.

„Wer ist das, Chef?“, hörte Flori und „Was wollen die?“ “Was sollen wir machen, Chef?“ „Sind die gefährlich, Chef?“ „Haben die uns angegriffen?“ „Sollen wir sie verjagen?“

„Der große heißt ‚Chef‘“, sagte Flori zu Professor Klecks. „Na ja, er ist ihr Chef“, antwortete der Professor. Dann sagte er zu dem Waschbär: „Ich höre, du bist hier der Anführer.  Wir sind nicht gefährlich, wir wollten euch nicht angreifen, sondern mit euch sprechen. Ich bin Professor Klecks und das ist mein Helfer Flori. Wie heißt du?“

Die Waschbären blieben stehen und Flori merkte, dass sie sich verwundert ansahen. Der große machte einen Schritt auf Professor Klecks zu.

„Du hörst, was wir sagen? Du verstehst uns?“

Professor Klecks nickte. „Ja, sicher!“ Und Flori ergänzte: „Ihr versteht uns doch auch!“

Die Waschbären sahen sich wieder gegenseitig an. „Stimmt!“ „Wie kommt das?“ „Was ist hier los?“ Alle sprachen durcheinander. Der große Waschbär richtete sich jetzt auf und die anderen waren still.

„Ich heiße Ralf“, sagte er, und das sind Rico, Rudi, Reto, Rosa, Ria und Rana.“

„Wir sind eine Bande!“, rief ein anderer. Flori vermutete, dass es Ria war. „Eine große, gefährliche Bande!“, rief der kleinste, vermutlich Reto, aber es klang gar nicht groß und gefährlich.

„Na ja, eigentlich sind wir eine Familie“, sagte Ralf, und wir wohnen hier.“ „Und wir bleiben hier wohnen“, rief Rana und stellte sich neben Ralf auf. Auch die anderen kamen jetzt ganz nah heran.

Flori wäre gern ein paar Schritte zurück gegangen, aber Professor Klecks blieb stehen und so tat er es auch.

„Hallo, ihr alle“, sagte Professor Klecks. „Seit wann seid ihr denn hier?“ Er setzte sich wieder auf den Holzklotz und Flori setzte sich neben ihn.

Während der Professor sich mit den Waschbären unterhielt, schaute Flori umher und sah oben in den schimmernden Baumwurzeln Samuel, das Eichhörnchen, sitzen. Samuel winkte und Flori fühlte sich gleich etwas sicherer. Sie waren ja gar nicht allein hier unten.

„…und wir brauchen das Licht hier drin“, hörte Flori Ralf sagen. „Diese Höhle ist hell genug, aber da in den kleinen Gängen ist es dunkel.“

„Und ihr grabt da die Wurzeln frei?“

„Nur ein bisschen. Manchmal stürzt dann die Decke ein und die ganze Wurzel liegt frei. Dann leuchtet es schön.“

„Aber das dürft ihr nicht!“, rief Flori.

Ralf sah Flori direkt ins Gesicht und fauchte: „Und warum sollen wir das wohl nicht dürfen?“

20. Sind wir Feinde?

Flori zuckte zurück und die anderen Waschbären kamen drohend näher.

„Wir wohnen hier!“ „Geht weg!“ „Wir machen, was wir wollen!“ „Wir wollen es hell!“ Alle riefen durcheinander.

Professor Klecks stand auf und sagte: „Moment mal!“ Auch Flori war aufgesprungen.

„Du kannst uns das nicht verbieten!“, piepste der kleine Reto, versteckte sich aber gleichzeitig halb hinter Ralf.

„Was wollt ihr hier?“, frage Ralf. „Wir haben euch nicht gerufen.“

„Hier ist kein Platz für euch“, fauchte Rana.

„Stimmt“, sagte Professor Klecks. „Hier ist wirklich nicht viel Platz. Aber warum hockt ihr in der engen Höhle?“

„Wir wohnen hier“, sagte Ralf. „Und wir machen sie ja größer“, brummte Ria. „Und du kannst das nicht ändern“, rief Reto.

„Aber ich will das doch gar nicht ändern“, rief Professor Klecks. „Ihr könnt ja hier wohnen, wenn euch diese Höhle gefällt. Nur dürft ihr die Wurzeln nicht freigraben.“

„Willst du uns daran hindern?“ Ralf zog die Oberlippe etwas hoch und Flori sah seine Zähne blitzen. Auch die anderen Waschbären zeigten ihre Zähne. Manche knurrten, andere fauchten.

Flori spannte alle Muskeln an. Wenn der Professor weglaufen würde, wollte er ganz schnell hinterher, am besten noch vor ihm her, aus der Höhle rennen. Ralf erschien ihm jetzt noch größer als vorher und er kam immer näher.

„Kuckuck, kuckuck!“

Ralf stoppte. „Wer ruft da?“

„Tante Klara?“, fragte Flori. „Wo bist du?“

„Deine Tante ist hier?“, fragte Ralf.

„Ich bin nicht seine Tante, ich heiße Tante, nämlich Tante Klara. Ping!“ Aus einer dunklen Ecke sahen die Waschbären einen kleinen grünen Papagei kommen. „Lasst sie in Ruhe! Ping!“, krächzte Tante Klara.

„Ein Vogel!“, rief Ralf verwundert.

„Ja, aber nicht irgendeiner“, ertönte eine quakige Stimme aus einer anderen Ecke. „Sondern meine Freundin.“ Ein Frosch hüpfte hervor. „Darf ich mich vorstellen: Roland vom Tümpel, ein guter Freund von Flori und Professor Klecks.“

Die Waschbären sahen sich um. „Noch ein Eindringling?“, fragte Rosa.

„Kein Eindringling, sondern ein Besucher“, rief ein kleiner Affe von der Höhlenwand her. „Ich bin Pongo und der da drüben …“

„Der heißt Samuel“, fiepte Samuel, das Eichhörnchen.

Die Waschbären drehten sich etwas verwirrt im Kreis. „Und ihr alle wollt…“, begann Ralf, doch Professor Klecks fiel ihm ins Wort.

„Wir alle wollen euch kennen lernen.“

 „Das glaube ich nicht“, erwiderte Ralf und schon riefen, krächzten, quakten, schrien, piepsten und fauchten alle durcheinander.

„R U U U H E E E !!!“, ertönte plötzlich eine laute dumpfe Stimme. Sie schien direkt aus den leuchtenden Baumwurzeln zu kommen.

Erschrocken schwiegen alle.

„Was war denn das?“, fragte Ralf .

21. Ein offenes Versteck

„Der Baum spricht“, wisperte Reto, der kleinste Waschbär.

„Unsinn“, murmelte Ria, seine Schwester. „Bäume sprechen doch nicht.“

„Aber hier vielleicht doch. Der Kuckuck hat ja auch was gesagt.“

„Ich bin kein Kuckuck“, rief Tante Klara, „ich bin ein Papagei, und gesprochen hat Alwana.“

„Wer ist Alwana?“, fragte Ralf.

„Kommt mit raus“, rief Pongo, „dann könnt ihr sie sehen.“

„Ja, weil sie zu groß ist, um rein zu kommen“, erklärte Flori.

„Oder habt ihr Angst?“, fragte Samuel.

„Wir haben nie Angst!“, piepste Reto hinter Ralf hervor.

„Gut, dann machen wir euch mit einander bekannt“, schlug Professor Klecks vor.

Die Waschbären sahen sich an, und nach und nach nickten alle. Flori setzte den Rucksack auf. Er wollte zurück durch den dunklen Gang, den sie gekommen waren, aber nur Professor Klecks schloss sich ihm an.

„Wir gehen wieder durch den Baum“, erklärte Samuel. „Da sind wir sofort oben.“

„Du auch, Roland?“, fragte Flori ungläubig.

„Aber sicher“, quakte der Frosch. „Pongo hilft mir, und das geht am schnellsten.“

Rana schüttelte den Kopf. „Wie viele Wege gibt es denn in unser Versteck?“

„Viel mehr, als wir dachten“, überlegte Ralf. „Aber jetzt ist es kein Versteck mehr.“

„Dann können wir doch alle unseren Weg nehmen“, piepste Reto. Er drehte sich um und verschwand in einem der dunklen Gänge. Professor Klecks sah Ralf fragend an. „Ist das hoch genug für mich?“

Ralf überlegte kurz. „Ja, wenn Sie sich am Ausgang gut bücken, wird es gehen.“

Alle Waschbären liefen voraus und die Freundesschar folgte. Tante Klara saß auf Floris Schulter, Samuel hockte auf dem Rucksack. Pongo und Roland vom Tümpel ließen sich auf der Reisetasche von Professor Klecks tragen.

Der Gang war stockdunkel, aber nicht sehr lang. Er führte abwärts bis zu einem dichten Busch. Dahinter sahen sie Tageslicht. Die Waschbären liefen ins Freie und Flori drückte die Äste zur Seite, damit Professor Klecks besser rauskriechen konnte.

Draußen floss ein kleiner Bach vorbei.

„Badewasser!“, jubelte Roland vom Tümpel und sprang hinein, dass es spritzte.

Flori betrachtete den Boden, ging ein paar Schritte und überlegte. „Professor, hier ist der Boden weich. Alwana würde einsinken, wir müssen zu ihr gehen.“

„Wo ist das?“, fragte Ralf.

„Das zeige ich euch“, erklärte Samuel und sprang voraus.

„Moment noch!“, rief Pongo und fischte Roland aus dem Bach. „Der muss ja auch mit.“

Alle zusammen stiegen zwischen schimmernden Sträuchern den Hügel hoch. Oben bei den ersten Bäumen stand Alwana. Samuel hockte auf ihrem Rücken und winkte.

Flori und Professor Klecks gingen zu ihr und die Waschbären kamen vorsichtig näher. „Ist die grooooß“, wisperte Reto.

22. Eine Versammlung

„Hab keine Angst“, flüsterte Rana, „ich bin ja bei dir.“

„Ich hab keine Angst, sie sieht doch freundlich aus“, erwiderte Reto.

„Und das ist sie auch“, erklärte Flori. „Kommt her, dann können wir reden.“

„Versteht hier jeder, was der andere sagt?“, fragte Ralf. „Das habe ich noch nie erlebt.“

„Hier im Schimmerwald ist das so, und es macht alles viel einfacher“, sagte Alwana. „Erzählt doch mal, woher ihr kommt.“

Alle hockten sich hin und Ralf erzählte. Die Waschbärfamilie war weit gewandert, um ein neues Zuhause zu finden. Fast überall waren sie weggejagt worden, weil andere Tiere Angst vor ihnen hatten.

„Weil wir schwarzes Fell im Gesicht haben – wie Räubermasken“, erklärte Rana.

„Aber wir sahen schon so aus, als wir geboren wurden. Wir können nichts dafür“, warf Reto ein.

„Ja, ich weiß.“ Alwana nickte. „Alle Waschbären sehen so aus. Das ist ganz normal.“

„Aber ihr wollt trotzdem nicht, dass wir in der Höhle wohnen“, sagte Ralf düster.

„Das stimmt nicht“, warf Professor Klecks ein. „Niemand hat etwas dagegen, dass ihr in der Höhle wohnt. Aber ihr dürft die Baumwurzeln nicht freigraben.“

„Und warum nicht?“, fragte Ralf. „Wir wollen auch Licht, genau wie ihr. Aber wir wohnen nun mal gern in Höhlen.“

„Kommt mit“, sagte Alwana, „ich zeige euch etwas.“

Die Giraffe ging los und die Waschbären und alle anderen folgten ihr. Nach einer kurzen Strecke blieb sie stehen und erklärte: „Jetzt geht allein weiter bis zu dem großen Baum, unterhaltet euch dort und kommt dann zu mir zurück. Ich warte hier.“

Erst bewegte sich keiner, aber als Flori vorauslief, folgten die anderen. Am Baum angekommen, sah Flori sich um. Alle Tiere krächzten, quakten, piepten, brummten, tschilpten, fiepten durcheinander. Verdutzt sahen sie sich gegenseitig an und waren still. Sie zogen sich sogar voneinander zurück. Die Waschbären standen eng zusammen, Tante Klara setzte sich auf Floris Schulter, Pongo und Samuel sprangen auf einen Ast und Roland vom Tümpel hockte unten in der Baumwurzel.

„Was ist passiert?“, fragte Flori.

Professor Klecks kratzte sich am Kinn. „Ich denke, sie haben gemerkt, was hier anders ist. Lass uns zurück gehen.“

Flori rief: „Ihr habt es gehört, kommt mit!“, aber alle sahen ihn nur verständnislos an.

„Kuckuck, kuckuck! Ping!“, krächzte Tante Klara und flatterte los.

Flori lachte. Dann machte er Zeichen mit den Händen, ruderte mit den Armen und deutete in Richtung Alwana. Jetzt endlich kam Bewegung in die Schar. Zusammen gingen sie zurück.

„Habt ihr gesehen, was ich meine?“, fragte die Giraffe.

„Ich denke, ja“, antwortete Ralf. „An dem Baum versteht man sich nicht.“

„Weil er dunkel ist“, fiepte Samuel.

„Ja, er leuchtet nach unten“, erklärte Pongo. „Genau wie die anderen dunklen Bäume hier.“

„Stehen die über unserer Höhle?“, fragte Ria leise und Reto flüsterte: „Was kann man da machen?“

23. Eine Überraschung

„Ich weiß nicht, was man da machen kann“, überlegte Flori. „Hier gibt es keine Lichtschalter.“

Pongo sprang hoch. „Wir könnten vielleicht ein paar Glühwürmchen fangen!“, rief er. Doch Alwana schüttelte den Kopf. „Wenn sie freiwillig in der Höhle leuchten wollen, ist das in Ordnung. Aber wir sperren doch niemanden ein.“

„Das Wasser vom Bach glitzert hell“, fiepte Samuel, „aber leider auch nur, wenn die Sonne draufscheint.“

„Oder der Mond“, seufzte Roland vom Tümpel träumerisch. „Dann blinken die kleinen Wellchen und das Wasser gurgelt leise um meine Beine, und manchmal, wenn es richtig schön warm ist…“

„Roland! Nicht träumen. Wir brauchen eine Lösung für unsere Freunde“, rief Pongo.

„Meint er uns?“, fragte Reto. „Sagt er, wir sind Freunde?“

Alwana und Rana nickten gleichzeitig und dann sagte Ralf: „Wir möchten gern mit euch befreundet sein. Aber wir wollen nicht immer im Dunkeln sitzen.“

„Und das sollt ihr auch nicht“, sagte Professor Klecks. „Flori, gib mir mein Notizbuch. Wir schreiben jetzt alles auf, was uns zu dem Problem einfällt.“

„Sie haben es in der Manteltasche, Professor.“

„Stimmt. Aber wo ist mein Bleistift?“

„Auch in der Tasche?“, fragte Flori, doch der Professor schüttelte den Kopf. „Ich hatte ihn doch hier reingesteckt. Und jetzt ist er nicht mehr da.“

„Haben Sie ihn verloren?“, fragte Ralf.

„Vielleicht beim Kriechen in dem dunklen Gang?“, überlegte Rana.

„Bestimmt!“, rief Flori. „Ich gehe ihn suchen.“

„Ich komme mit“, riefen Samuel, Reto und Ria gleichzeitig. Zusammen liefen sie zurück zum Bach und krochen in den dunklen Eingang. Kaum hatten sie ein paar Schritte gemacht, konnten sie auch schon nichts mehr sehen.

„Das war dumm“, murmelte Flori. „Ich hätte eine Taschenlampe mitnehmen sollen. Oder habe ich die vielleicht dabei?“

Er kramte in seinen Hosen- und Jackentaschen, zog ein Stück Holz, einen alten Nagel, ein Stückchen Bindfaden und ein paar Tannenzapfen hervor – und plötzlich starrten alle vier wie gebannt auf die Sachen in seinen Händen.

„Licht!“, flüsterte Ria und Reto piepste: „Er hat Licht in der Tasche!“

Samuel sprang näher und fiepte: „Bist du ein Zauberer, Flori?“

Flori war selbst so erstaunt, dass er erstmal gar nichts sagen konnte. Doch dann begriff er: Die Tannenzapfen, die er im Wald aufgesammelt hatte, weil er zu Hause damit basteln wollte, schimmerten genau wie die Bäume und machten kleine Lichtinseln in dem dunklen Gang.

Jetzt war das Sehen nicht mehr schwierig und Flori fand den Bleistift tatsächlich.

„Das müssen wir sofort den anderen erzählen!“, fiepte Samuel und griff nach dem Stift. „Den trage ich!“ Er sprang auf Retos Rücken. „Los, los, die werden staunen!“

Reto war zusammengezuckt, doch jetzt piepste er begeistert, rief: „Hurra! Wir kommen!“, und sauste los. Ria sprang hinterdrein und Flori konnte kaum schnell genug laufen, um nicht zurück zu bleiben. Am Ausgang warteten die drei auf ihn und gemeinsam rannten sie den Hügel hinauf zu den anderen.

„Was ist passiert?“, fragte Professor Klecks. „Warum schreit ihr denn so?“

24. Endlich Licht

Flori, Ria und Samuel auf Reto erreichten die wartende Gruppe. Sie waren völlig außer Atem und keuchten vor Aufregung.

„Kuckuck, kuckuck! Ping!“ Tante Klara flatterte auf Floris Schulter und fächelte ihm mit ihrem Flügel Luft zu.

„Habt ihr den Stift?“, fragte Professor Klecks.

„Ja, hier!“, fiepte Samuel, “aber wir brauchen ihn nicht mehr.“

„Was? Meinen Stift brauche ich immer!“, rief Professor Klecks.

„Ja, sicher“, japste Flori, der nur langsam wieder zu Atem kam.

„Wir meinen doch“, erklärte Ria, „dass Sie nichts mehr aufschreiben müssen.“

„Wir wissen die Lösung“, rief Reto und machte einen solchen Satz, dass Samuel von seinem Rücken fiel. Er kugelte bis vor Alwanas Füße. Die beugte sich ganz tief nach unten und fragte: „Was hat das zu bedeuten?“

„Los, Flori!“, rief Ria. „Zeig es ihnen doch!“

„Was denn?“, fragte Professor Klecks.

Flori antwortete: „Das hier!“ und zog die Tannenzapfen hervor.

„Das sind Tannenzapfen“, brummte Ralf verwundert.

„Ja, zum Basteln“, piepste Reto und nahm einen in seine Pfote.

„Was willst du denn damit basteln?“, fragte Pongo. „Eine Lampe?“

„Nein, das ist doch die Lampe“, rief Ria.

„Ich verstehe kein Wort“, quakte Roland vom Tümpel. „Willst du nun basteln oder nicht?“

Endlich hatte Flori wieder genug Luft zum Sprechen. „Die Zapfen leuchten, Professor. Ich habe sie hier im Wald gefunden. Man sieht es jetzt nicht, aber sie schimmern genau wie die Bäume.“

„Sie machen Licht!“, rief Reto. „Auch in der Höhle im Dunkeln.“

Professor Klecks hatte einen der Zapfen in die Hand genommen. Er besah ihn von allen Seiten und überlegte. „Wenn das so ist, sollten mehr davon sammeln.“

„Ja, gehen wir Tannen suchen“, fiepte Samuel und sprang los.

„Halt, warte!“, rief Alwana, „ich kann euch doch sagen, wo ihr welche findet.“

Die Giraffe richtete sich hoch auf, sah umher und konnte gleich darauf die richtige Richtung angeben.

Gemeinsam zogen die Freunde los. Es dauerte nicht lange und sie hatten eine große Menge Tannenzapfen zusammengetragen.

„So, jetzt gehen wir in die Höhle und verteilen sie dort“, sagte Flori zu Ralf und Rana. „Das heißt, wenn es euch Recht ist. Es ist ja euer Zuhause.“

„Klar ist uns das Recht“, piepste Reto dazwischen.

„Sicher, kommt alle mit“, sagte Ralf. Dann sah er Alwana an und sagte: „Äh … leider …“

„Ich weiß, ich bin zu groß.“ Alwana lachte. „Das macht aber nichts. Ich warte hier auf euch.“

„Dann los, wir sind bald zurück“, rief Professor Klecks.

Alwana nickte. „Und dann feiern wir!“

25. Geschafft!

Jeder griff sich so viele Tannenzapfen, wie er konnte und Flori stopfte seinen Rucksack voll. Die Waschbären liefen voraus und zeigten den anderen, wo sie gerne Licht haben wollten.

Roland vom Tümpel sprang hin und her und rückte jeden ausgelegten Zapfen noch einmal gerade, bis er zufrieden war. Tante Klara hängte sogar ein paar in die Baumwurzel an der Höhlendecke.

Bald schimmerte es in den großen und  kleinen Gängen hell und gemütlich. Nur die Schlafhöhle sollte dunkel bleiben.

„So kann man wunderschön träumen“, erklärte Ria.

„Und wenn es mir mal unheimlich ist?“, piepste Reto.

„Dann holen wir einfach einen Zapfen hierher“, sagte Rana. „Wir haben ja jetzt genug.“

„Und oben gibt es noch viel mehr“, rief Pongo.

„Und außerdem eine Giraffe, die auf euch wartet“, ertönte Alwanas Stimme durch den Baum über ihnen.

„Stimmt!“ „Wir kommen jetzt!“ „Wir sind gleich bei dir!“ „Alles fertig hier!“

Pongo und Samuel nahmen den Weg durch den Baum. Flori und die anderen liefen durch den Gang zum Bach. Dieses Mal durfte Roland auf Reto reiten.

Kurz darauf standen alle um Alwana herum. Die Waschbären versprachen, keine Baumwurzeln mehr freizugraben.

„Wenn wir noch Platz brauchen, gehen wir einfach schräg nach unten weiter. Auf diese Weise passiert nichts“, erklärte Ralf.

„Dann ist ja jetzt alles in Ordnung“, stellte Professor Klecks fest.

Sie standen im Kreis, schwiegen und sahen sich an – doch plötzlich hörte man:

„Halt!“, rief Alana. „Doch nicht alle gleichzeitig. Versucht es nach einander.“

Ralf begann. „Wollt ihr uns nicht bald mal besuchen kommen?“

„Kommt doch auch mal bei uns vorbei!“, rief Pongo.

„Wir könnten uns so viel erzählen!“, piepste Reto.

„Wir können zusammen spielen“, fiepte Samuel.

„So viele neue Freunde!“, quakte Roland vom Tümpel.

„Ping! Ping! Ping!“, krächzte Tante Klara begeistert.

Alle lachten, spielten und redeten noch eine ganze Weile, aber schließlich wurden sie doch zu müde. Reto schlief schon halb, als Pongo sagte: „Morgen zeigen wir anderen euch, wo wir leben. Wir holen euch ab.“

„Gut.“ Ralf nickte. „Und ihr alle seid hier jederzeit willkommen.“

„Danke“, sagte Professor Klecks. „Wir besuchen euch gern wieder.“

Sie verabschiedeten sich voneinander. Die Waschbären verschwanden in ihrer Höhle und alle anderen gingen zurück Richtung Baumhaus. Dort sagten Flori und Professor Klecks den übrigen gute Nacht und stiegen ins Wohnmobil.

„Eigentlich schade, dass wir nach Hause fahren“, sagte Flori und gähnte. „Hier kann man so viel erleben.“

„Stimmt. Aber nicht mehr heute Abend“, antwortete Professor Klecks. „Morgen ist auch noch ein Tag. Wir könnten zum Beispiel…“, aber da war Flori schon eingeschlafen.

***

Flori erwachte morgens, weil Tante Klara ihn am Ohr zupfte. Kurz musste er überlegen, wo er war. Ach ja, im Bett im Wohnmobil und das stand im Schimmerwald. Richtig! Ihm fiel alles wieder ein und er sprang auf.

„Hallo Tante Klara. Wo sind die anderen?“

Doch der Papagei war schon hinausgeflogen. Flori folgte. Draußen stand Professor Klecks bei Alwana, Pongo, Roland vom Tümpel und Samuel.

„Hallo!“ „Guten Morgen!“ „Gut geschlafen?“ „Schön geträumt?“, begrüßten sie ihn.

„Ja, danke, hab ich.“, erwiderte Flori. „Professor, müssen wir wirklich schon fahren?“

„Ja.“ Professor Klecks nickte.

„Ich komme mit!“, quakte Roland vom Tümpel. „Ihr setzt mich am Schattensee ab. Dann kann ich meinem Onkel Leopold dort alles erzählen. Der wird staunen.“

Und so geschah es. Pongo und Samuel saßen auf Alwanas Rücken und winkten dem Wohnmobil nach, bis es hinter den Bäumen verschwand. Professor Klecks hielt am Schattensee und Flori setzte Roland vom Tümpel ins Gras.

„Grüß deinen Onkel!“, rief er ihm nach, dann fuhren sie weiter nach Hause.

-> Ende des ersten Abenteuers <-

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