Ein unerwartetes Abenteuer

Folge 15: Der Mann mit dem Schlapphut

„Wo müsst ihr hin und wen kenne ich?“, fragte Dr. Jup. Sie kam zusammen mit Igor aus dem Wald.

„Zur Ruine“, antwortete Flori. „Tante Klara ist dort, aber wir können nicht rein.“

„Was? Wieso?“, fragte Dr. Jup erstaunt.

„Da wohnt einer drin!“, rief Flori. „Und der will nicht, dass wir reingehen. Aber wir müssen rein!“

„Wieso wohnt da einer? Was meint ihr damit?“

Professor Klecks räusperte sich energisch und fragte: „Kennst du einen kleinen Mann mit einem dunklen Mantel und Schlapphut?“ Er erzählte die Begegnung und Flori ergänzte aufgeregt: „Er darf sie nicht behalten. Wir müssen sie zurückholen.“

Dr. Jupp schüttelte den Kopf. „Das verstehe ich nicht. Da wohnt doch keiner. Da hat noch nie einer gewohnt, seit ich hier bin.“

„Jetzt ist aber einer da“, rief Flori.

„Am besten ist es wohl, wir gehen noch mal hin und sehen nach“, erklärte Dr. Jup. „Kommt mit. Du auch, Igor. Und bleib schön bei mir.“

Taube flatterte voraus und saß bald wieder auf einer der Mauern.

Die Wiese war schnell überquert. Dieses Mal hielten sie sich nicht auf, sondern kletterten sofort zwischen den Mauerresten hindurch in den Innenhof.

„Hallo!“, rief Dr. Jup laut.

„Wuff! Wuff!“

„Ruhig, Igor. Wir wollen doch niemanden erschrecken!“

„Hallo!“, rief jetzt auch Flori. Sie lauschten.

„Wo sind Sie? Ich bin Professor Klecks! Wir wollen mit Ihnen reden!“

Plötzlich wandte Igor den Kopf und starrte auf eine Lücke in der Mauer.

„Er hat etwas gehört – oder gerochen“, murmelte Dr. Jup. Alle drei blickten gespannt in dieselbe Richtung wie Igor. Dann knirschte ein Steinchen und eine Stimme rief: „Haltet den Hund fest!“

Dr. Jup nahm Igor an die Leine. „Kommen Sie doch heraus. Wer sind Sie?“

Um die Mauerecke herum erschien der kleine Mann mit dem Schlapphut. „Was wollt ihr? Geht weg!“

„Wir wollen unseren Papagei!“, rief Flori. „Sie haben doch Vögel. Wir haben das Vogelfutter gesehen!“

„Das geht euch gar nichts an! Aber meinetwegen. Ich habe einen Vogel hier. Einen … Wellensittich.“

„Wohnen Sie tatsächlich hier in diesen alten Mauern?“, fragte Dr. Jup. „Wie ist das möglich?“

„Ja, tatsächlich. Ich habe diese Ruine geerbt und mir eine Hütte hineingebaut.“

„Und einen Vogel gefangen“, ergänzte Flori erbost.

„Dürfen wir ihn mal sehen?“, fragte Professor Klecks. „Wir lieben Vögel!“

Der kleine Mann sah von einem zum andern, dann brummte er: „Meinetwegen! Aber der Hund bleibt draußen!“ Er drehte sich um und ging voraus. Sie folgten ihm bis zu einer niedrigen Hütte. Der Mann stieß die Tür auf, zögerte kurz und zeigte dann auf einen Vogelkäfig an der hinteren Wand.

Im Käfig saß tatsächlich ein Vogel und es war nicht Tante Klara.

„Nun seid ihr ja wohl zufrieden“, brummte der Mann und wollte die Tür wieder zudrücken. Doch Flori zupfte Professor Klecks am Ärmel und flüsterte eindringlich: „Professor! Sehen Sie doch! Hier stimmt was nicht!“

… Fortsetzung folgt …

Folge 14: Ein unheimlicher Fremder

Professor Klecks und Flori blieben stehen und lauschten.

„Hallo?“ sagte Flori jetzt etwas lauter, doch niemand antwortete. Taube kam herbeigeflattert und landete auf einem niedrigen Mauerrest direkt vor Flori.

„Gurruhuu! Gurruhuuu! Gu! Gu! Ruhuu!“ Sie trippelte hin und her, nickte und gurrte immer wieder.

„Sie hat etwas gesehen“, vermutete Professor Klecks. „Gehen wir weiter.“

„Ich gucke mal von oben“, schlug Flori vor. „Wenn Taube da was sieht, kann ich das auch.“

Er stellte den Rucksack ab, stieg auf ein paar Steine und kletterte bis zum Rand der Mauer.

„Und, siehst du etwas?“, fragte Professor Klecks gespannt.

„Noch mehr Mauern“, antwortete Flori. „Vielleicht kann ich …“

Plötzlich ertönte eine strenge Stimme. „Was macht ihr da?“

Flori wäre vor Schreck beinahe von der Mauer gefallen. Jetzt stieg er schnell runter und nahm seinen Rucksack. Professor Klecks hatte sich umgedreht. Vor ihm stand ein Mann, kleiner als er, in einem dunklen Mantel gehüllt, mit einem Schlapphut auf dem Kopf und ärgerlich funkelnden Augen.

„Also?! Was macht ihr hier?“, fragte er nochmal.

„Wir haben unseren Papagei verloren.“ „Und wir glauben, dass er vielleicht hier irgendwo ist.“ „Wir haben uns nur mal umgesehen.“ Flori und Professor Klecks sprachen abwechselnd. „Haben Sie ihn eventuell gesehen?“ „Er ist klein und grün.“

„Nein, habe ich nicht!“ erwiderte der Mann unfreundlich. „Hier gibt es überhaupt keine Vögel.“

„Gurruhuuu! Gurruhuuu!“, machte Taube und  schaukelte hin und her. Der Dunkle sah Taube an und schwieg einen Moment. Dann brummte er: „Keine anderen Vögel. Ihr geht jetzt besser.“

„Wir wollten uns nur ein wenig umsehen“, warf Professor Klecks ein. „Vielleicht ist unser…“

„Nein! Hier gibt es nichts zu sehen. Geht weg!“, rief der Fremde drohend.

„Komm, Flori“, sagte Professor Klecks. „Es ist besser, wir gehen.“

„Komm Taube!“, rief Flori.

Sie verließen die Ruine und gingen über die Bergwiese zurück bis zum Wald. Doch unter den ersten Bäumen blieben sie stehen.

„Und wenn Tante Klara doch dort ist?“, überlegte Flori.

„Der Mann hat gesagt, es gibt dort keine Vögel“, erwiderte Professor Klecks.

„Aber Professor! Ich habe gesehen, dass er Vogelfutter auf dem Mantel hatte. Und eine kleine Feder war auch dran.“

„Du meinst, er hat uns belogen?“

Flori nickte eifrig. „Wir müssen nochmal dort nachsehen.“

„Wenn er da wohnt und uns nicht dort haben will, können wir nicht einfach reinplatzen.“

„Aber das Vogelfutter…?“

„Falls Tante Klara bei ihm ist und er sie füttert, ist sie nicht in Gefahr.“

„Aber er darf sie nicht behalten!“, rief Flori aufgeregt. „Sie ist unser Papagei! Sie wäre bestimmt schon zu uns gekommen, wenn sie könnte. Glauben Sie dass sie krank ist?“

Professor Klecks schüttelte den Kopf. „Vielleicht ist es auch gar nicht Tante Klara.“

„Oder sie ist es und sitzt sie in einem Käfig. Wir müssen da wieder hin.“

„Erst müssen wir mehr über diesen Mann erfahren. Vielleicht kennt Dr. Jup ihn.“

Plötzlich hörten sie Schritte hinter sich.

… Fortsetzung folgt …

Folge 13: Ist da jemand?

Professor Klecks blieb stehen und sah sich um. „Was? Wo denn? Ich sehe nichts.“

„Bist du ganz sicher, Flori?“, fragte Dr. Jup.

„Ja, ganz sicher!“ Aber auch Flori konnte jetzt kein Licht mehr sehen. „Es war auf der rechten Seite am Rand von der Mauer.“

„Gut, das merken wir uns“, erklärte Professor Klecks. „Und morgen kommen wir ganz früh wieder her und sehen nach.“

Am nächsten Morgen standen alle schon früh auf. Dr. Jup konnte jedoch nicht sofort losgehen. Sie musste zuerst ihre Tiere versorgen und nach dem neuen Eselchen sehen. Flori wäre gern dabei gewesen, doch solange Tante Klara irgendwo allein wartete, hatte er keine Ruhe dazu.

„Geht ihr schon voraus“, schlug Dr. Jup vor. „Ich komme nach, sobald ich hier fertig bin. Bei den Tieren kannst du mir auch morgen helfen, Flori.“

Also schulterte Flori seinen Rucksack und er und Professor Klecks machten sich zunächst allein auf den Weg zur Ruine. Doch kaum waren sie unter den ersten Bäumen verschwunden, hörten sie „Gurruhuuu! Gurruhuuu!“ Taube war ihnen gefolgt und landete nun auf Floris Rucksack.

„Willst du suchen helfen?“, fragte Professor Klecks lächelnd.

„Klar will sie“, rief Flori. „Tante Klara ist doch ihre Reisegefährtin. Und Taube ist doch eine Reisetaube.“

„Eine Brieftaube“, erwiderte Professor Klecks.

„Ja, aber die reisen doch. Wie sollen sie sonst von hier nach da kommen?“

„Stimmt, Flori. Und wenn sie mit uns gehen will, dann soll sie das tun.“

„Gurruhuuu! Gurruhuuu!“, machte Taube und nickte eifrig.

Zusammen überquerten sie die Bergwiese und näherten sich langsam der Ruine. Die schien vollkommen verlassen.

„Rechts war das Licht“, murmelte Flori und beobachtete beim Laufen besonders die Mauer auf der rechten Seite.

Professor Klecks zog aus dem Mantel mit den vielen Taschen seine Forscherbrille hervor. „Vielleicht sehe ich damit etwas“, brummte er und setzte sie auf.

„Und?“, fragte Flori gespannt. „Können Sie…“

BAUTZ!

„Oh, Professor!“, rief Flori und bückte sich, um Professor Klecks aufzuhelfen. „Was ist passiert?“

„Ach du grüne Neue! So was aber auch!“, schimpfte der und stand auf. „Ich bin über diesen sch… schönen Maulwurfshügel gestolpert.“

„Dabei hat dem Maulwurf niemand erlaubt, hier zu hügeln – äh – zu bauen“, stellte Flori fest, während er Gras und Lehm von dem Mantel mit den vielen Taschen abklopfte.

Taube war erschrocken hochgeflattert und landete nun wieder auf Floris Rucksack.

Professor Klecks nahm die Forscherbrille ab und steckte sie ein. „Komm, Flori. Wir beeilen uns jetzt. Falls sich wirklich jemand dort versteckt, hat er uns vielleicht noch nicht bemerkt.“

Flori nickte und beide liefen los. Taube flog voraus, denn der Rucksack schaukelte ihr doch zu sehr. Auf dem ersten Mauerrest landete sie und wartete.

Professor Klecks und Flori erreichten kurz darauf keuchend die Mauer. Einen Moment blieben sie stehen, um zu verschnaufen. Dann wandten sie sich nach rechts und gingen langsam an den Steinen entlang bis zu einer Lücke.

Vorsichtig lugten sie um die Ecke, doch nichts als Gras und Steine und ein paar Büsche waren zu sehen.

„Niemand hier“, wisperte Flori, „aber das Licht kam von noch weiter rechts.“

Sie schlichen durch die Maueröffnung und erschraken furchtbar, als Flori – KNACKS! – auf einen Stock trat. Etwas raschelte und dann knirschten ein paar Steinchen.

„Da geht doch jemand“, flüsterte Professor Klecks. „Hallo?“

Und Flori fragte leise: „Ist da jemand?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 12: Endlich eine Spur

Professor Klecks bückte sich und hob die Feder auf. „Tatsächlich“, murmelte er. „Die hat Tante Klara verloren.“

„Stimmt“, nickte Dr. Jup. „In diesem Wald gibt es sonst keine grünen Vögel.“

„Ob ihr was passiert ist?“, fragte Flori besorgt. „Hat vielleicht ein Fuchs…?“ Er wagte nicht, weiterzusprechen.

„Nein, Flori! Bestimmt nicht!“, beruhigte ihn Dr. Jup. „So eine einzelne kleine Feder verliert ein Vogel einfach beim Flattern.“

„Sie lag auf der Spur, die Igor gefunden hat. Vielleicht sollten wir ihr nachgehen?“, überlegte Professor Klecks.

„Das machen wir!“ Dr. Jup zeigte auf die Stelle am Boden und rief: „Igor, such!“

„Wuff, wuff!“ Igor schnupperte noch einmal ausgiebig, dann lief er los, die Nase dicht am Boden.

Es ging über Stock und Stein, zwischen Büschen und Bäumen hindurch, immer ohne Weg bergauf.

„Wo will er denn hin?“, keuchte Dr. Jup.

„Vielleicht zu dir?“, überlegte Professor Klecks und blieb stehen. „Wartet, ich muss einen Augenblick verschnaufen.“

Dr. Jup hielt ebenfalls an und sah sich um. „Zu mir will er nicht. An meinem Haus sind wir schon vorbei.“ Mit einem Taschentuch wischte sie sich den Schweiß von der Stirn.

Flori rief: „Halt, Igor! Warte auf uns!“ Dann fragte er: „Dr. Jup, wer wohnt denn noch hier oben?“

„Niemand“, überlegte Dr. Jup. „Ich kenne jedenfalls keinen. Höchstens … hm … aber das kann nicht sein.“

„Was denn?“, frage Flori und streichelte Igor, der ihn immer wieder anstupste und weiterlaufen wollte. Dr. Jup zog eine Hundeleine aus der Tasche und hakte sie an Igors Halsband fest.

„Besser, er läuft nicht so weit vor“, erklärte sie.

„Ja“, nickte Professor Klecks. „Aber was meintest du eben?“

„Fast ganz oben auf dem Berg gibt es eine Ruine. Da war mal eine Burg, ist aber schon lange her.“

„Und da drin wohnt einer?“, fragte Flori ungläubig. „Ruinen haben doch kein Dach. Was macht er, wenn es regnet?“

„Ich sagte ja, das kann nicht sein“, antwortete Dr. Jup.

„Trotzdem sollten wir vielleicht mal nachsehen.“ Professor Klecks hob einen Stock vom Boden auf, um sich darauf zu stützen. „So. Mit Wanderstab geht es leichter. Wollen wir weiter?“

Auch Flori suchte sich einen Stock, doch nicht, um sich darauf zu stützen. „Wer weiß, was wir da finden“, murmelte er. „Wenn einer Tante Klara was tut, kann er was erleben.“

Igor lief wieder voran und alle drei folgen ihm, so schnell es ging. Nach einer Weile endete der Wald an einer Bergwiese. Unter den letzten Bäumen blieben sie stehen und sahen sich um. Ein kleiner Bach floss im Gras. Die Spur führte daran entlang und hier war deutlich zu sehen, wo jemand gelaufen war. Igor wollte weiter, doch Dr. Jup hielt ihn fest.

„Seht ihr“, flüsterte sie, obwohl das gar nicht nötig war. „Da hinten stehen Reste von Steinmauern. Das ist die Ruine.“

„Sieht verlassen aus“, murmelte Professor Klecks.

„Wir müssen hinschleichen“, erklärte Flori. „Vielleicht ist doch einer drin.“

Dr. Jup sah zum Himmel. „Es wird bald dunkel, Flori. Wir müssen das verschieben. Es hilft uns nicht, ohne Licht da reinzustolpern. Besser, wir kommen morgen wieder.“

„Aber Tante Klara braucht vielleicht…“

„Julia hat Recht“, entschied Professor Klecks. „Gleich morgen früh kommen wir zurück.“

Zögernd stimmte Flori zu. Zu gerne wäre er sofort zur Ruine gelaufen, aber er sah ein, dass das nicht ging. Sie machten sich auf den Rückweg. Zwischen den ersten Bäumen sah Flori sich noch einmal um und erschrak.

„Da, Professor, da!“, wisperte er. „Zwischen den alten Steinen brennt ein Licht!“

… Fortsetzung folgt …

Folge 11: Wo ist Tante Klara?

Die drei sahen sich an und überlegten gemeinsam. „Ob sie sich verirrt hat?“, fragte Flori besorgt.

Professor Klecks kratzte sich am Kinn. „Vielleicht sucht sie nach uns.“

„Aber hier drin kann sie euch nicht finden“, stellte Dr. Jup fest. „Wir müssen hinausgehen.“

Sie stand auf und zusammen gingen sie vor die Tür.

„Tante Klara!“, rief Flori. „Hier sind wir!“

„Wo ist sie denn weggeflogen?“, fragte Dr. Jup.

„Gar nicht so weit von hier. Am Weg gibt es Fliegenpilze. Und da rief auch der Kuckuck.“ Flori spähte zwischen die Bäume. „Vielleicht sollten wir nochmals da hingehen?“

Dr. Jup nickte. „Das machen wir. Komm mit, Igor. Wir gehen in den Wald.“

Der Hund kam herbei und schloss sich der kleinen Gruppe an. Zusammen marschierten sie über die Wiese zurück in den Wald. Immer wieder rief mal der eine, mal der andere, nach Tante Klara. Doch der Papagei blieb verschwunden.

Schließlich erreichten sie die Fliegenpilze.

„Genau hier war es, Dr. J… äh … Frau Dr. Prantz“, erklärte Flori und zeigte auf die Pilze.

„Gut. Aber Flori, bitte nenn mich einfach Dr. Jup. Das tun alle und es ist viel einfacher.“

Flori nickte erfreut. Dann zeigte er auf eine dicke Buche. „Dahin ist sie geflogen und dann war sie weg.“

Professor Klecks stieg vorsichtig über die Pilze. „Sehen wir mal nach. Vielleicht finden wir sie ja.“

Flori, Dr. Jup und Igor folgten ihm. Sie bahnten sich ihren Weg durch Unterholz, über Moos und Äste, Steine und umgestürzte Baumstämme. Manchmal raschelte es im Gebüsch. Dann bellte Igor und alle blieben stehen. Doch sie fanden nur entweder einen Vogel, einen Frosch oder eine Maus zwischen den Blättern.

„Hoffentlich ist ihr nichts passiert!“, überlegte Flori besorgt.

„Hallo! Tante Klara!“, rief Professor Klecks.

Dr. Jup zwitscherte wie ein Vogel und rief zwischendurch „Kuckuck, kuckuck!“, doch ohne Erfolg.

„Da!“, rief Flori einmal, doch es war nur ein Eichelhäher, der durch den Wald flog.

Neben einer Birke blieb Igor stehen. Er senkte den Kopf und schnupperte am Boden. Professor Klecks, Flori und Dr. Jup waren weiter gegangen. Doch als Igor abwechselnd leise knurrte und jaulte, wurden sie aufmerksam.

„Igor!“, rief Flori, „Hast du eine Spur gefunden?“

Professor Klecks schüttelte den Kopf. „Das kann nicht sein, Flori. Tante Klara läuft nicht am Boden und Igor weiß auch gar nicht, wie sie riecht.“

„Das stimmt.“ Dr. Jup. nickte. „Ein Hund kann nur eine Spur finden, wenn er weiß, wie das riecht, was er suchen soll.“

„Aber er läuft hin und her und will uns was zeigen!“ Flori bückte sich neben Igor und besah sich den Boden. „Sehen Sie, Professor! Hier war jemand. Er ist ausgerutscht.“

Tatsächlich sahen sie neben einer Baumwurzel abgetretenes Moos. Igor sprang aufgeregt im Kreis und bellte.

„Seltsam“, überlegte Dr. Jup. „Hier ist doch niemand außer uns und den Tieren. Wer ist denn hier gegangen?“

Plötzlich zeigte Flori auf den Boden. „Da, Professor“, wisperte er. „Da, eine grüner Feder…!“

… Fortsetzung folgt …

Folge 10: Bei Dr. Jup

Professor Klecks schaute noch immer durch das Schuppenfenster. Flori drehte sich um und suchte nach etwas, auf das er steigen konnte, um auch etwas zu sehen.

Da ertönte wieder der rätselhafte Schrei, dieses Mal ganz nah. Er kam eindeutig aus dem Schuppen. Flori hörte eine leise Stimme. Etwas raschelte und schnaubte. Professor Klecks sagte „Oh!“. Dann bückte er sich und hob Flori hoch bis an das Fenster.

Im Schuppen war es dämmerig. Etwas großes Graues stand in einem Strohhaufen, am Boden lag etwas Dunkles und daneben hockte jemand und sprach leise. Noch ehe Flori weiter nachdenken konnte, riss das Große sein Maul auf und schrie.

„Ihhhaaaahhh! Iiiiiiihhhhaaahhh!“

„Ein Esel!“, wisperte Flori und Professor Klecks nickte. Die Gestalt am Boden stand auf und jetzt versuchte auch das kleine Dunkle aufzustehen. Es stakste mit den Beinen umher, suchte das Gleichgewicht und stand schließlich sicher im Stroh.

„Alles gut, siehst du“, murmelte die Gestalt und ging langsam rückwärts bis zur Tür.

Als die Schuppentür aufging, stellte Professor Klecks Flori wieder auf den Boden. Die Gestalt kam heraus, winkte und rief: „Alles in Ordnung. Es ist gesund und munter. Und Brana geht es auch gut.“

Die Tiere im Hof schienen darauf gewartet zu haben, denn nun bewegten sie sich wieder. Einige liefen umher, andere kamen zu ihr, der Hund schnupperte an Flori und Taube flatterte auf das Schuppendach.

Professor Klecks stellte seine Reisetasche ab und streckte der Gestalt die Hand entgegen. „Hallo, Julia, wie geht es dir?“

„Oh, Klecks, da bist du ja“, rief die Frau. Professor Klecks räusperte sich und sie lächelte. „Ja, ich weiß, du magst es nicht, so genannt zu werden, entschuldige, Josef.“ Sie drückte ihm die Hand und schaute Flori an. „Hallo! Und wer bist du?“

„Ich bin Flori“, sagte Flori. Dabei reichte er ihr die rechte Hand, während er mit der linken den Hund hinter dem Ohr kraulte. Dann fragte er: „Hat der Esel geschrien? Tut ihm was weh?“

„Ja – ähm – nein – ich meine“, Dr. Jup lachte. „Brana ist eine Eselin, das war ihre normale Stimme und sie war erleichtert und froh, denn sie hat vor“, Dr. Jup sah auf ihre Armbanduhr, „etwa einer halben Stunde ein Fohlen bekommen. Wir sind alle sehr glücklich.“

„Es ist gerade erst geboren?“, fragte Flori aufgeregt. Am liebsten wäre er in den Schuppen gelaufen, doch wahrscheinlich wäre das Dr. Jup und dem Esel nicht recht. Also ließ er es sein.

„Ja, deshalb habe ich euch doch eingeladen. Und ihr seid rechtzeitig gekommen. Nun können wir gemeinsam die Geburt feiern. Das habe ich doch geschrieben.“

Professor Klecks und Flori sahen sich verdutzt an. „Geburt“, murmelten beide, „nicht Geburtstag!“

„Was ist?“, fragte Dr. Jup, aber dann winkte sie ab. „Kommt erst mal rein und dann erzählt ihr mir alles bei einer Tasse Kaffee – und einem Glas Saft.“

Dr. Jups Küche war klein, aber sehr gemütlich. Professor Klecks hatte sein Paket hervorgeholt und erklärte: „Wir dachten, du hättest deinen Geburtstag gemeint. Wir haben dir ein Geschenk mitgebracht. Hier.“ Er überreichte ihr den warmen Schal. „Damit du im Winter draußen nicht frierst.“

„Danke, das ist lieb von dir, Josef.“

Professor Klecks schmunzelte. „Du kannst ihn natürlich auch Brana umbinden.“

„Und ich habe Ihnen ein Bild gemalt“, rief Flori, während er Dr. Jup das Blatt übergab.

„Oh“, rief sie. „Du wusstest, dass ich einen Esel habe? Hier ist er, ganz grau und wunderschön.“

„Das war Zufall“, gestand Flori. „Ich hatte kein richtiges ‚Schwarz‘ mehr.

„Aber das passt doch wunderbar“, freute sich Dr. Jup. „Und was ist das kleine Grüne hier auf der Seite?“

„Das ist Tante Klara“, erklärte Flori und als Dr. Jup ihn verständnislos ansah, ergänzte Professor Klecks: „Tante Klara ist unser Papagei. Leider ist er auf dem Weg hierher in den Wald geflogen und noch nicht zurück.“

 „Sie wollte nur einen Kuckuck erforschen und war neugierig“, fuhr Flori fort.

Dr. Jup war verwundert. „Aber hier gibt es keinen Kuckuck. Ich habe noch nie einen gesehen.“

Flori sah Professor Klecks erschrocken an. „Wir haben ihn aber doch gehört, Professor. Ganz deutlich sogar. Wie ist das möglich? Und wo ist Tante Klara jetzt?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 9: Am Ziel, oder?

Auch Professor Klecks war erschrocken, als er den Schrei hörte. Doch nun musste er lachen. „Ein großes altes Sturmgespenst? Wie klingt das denn?“

„Na, so, wie das, was wir eben gehört haben. Es war ganz grauenvoll!“ Flori stellte sich näher neben Professor Klecks. Dann fragte er: „Können Sie etwas erkennen, Professor?“

„Nein. Aber komm, wir sehen nach. Vielleicht braucht jemand Hilfe.“

Er fasste seine Reisetasche fester und ging in Richtung Haus weiter. Flori folgte ihm, nahm jedoch am Waldrand einen Stock mit. Nur so zur Sicherheit.

Es war ein kleines Häuschen, mit Fensterläden und Rosenbüschen. Es wirkte gemütlich und Flori stellte sich eine kleine rundliche Frau mit Gummistiefeln als Bewohnerin vor. Doch dann fiel ihm das gruselige Kreischen wieder ein und er fasste seinen Stock fester.

Der Weg bis zum Haus war nicht weit. Sie gingen über die Wiese, an einem schmalen Blumenbeet entlang und standen gleich danach vor der Haustür. Als Professor Klecks klopfte, wich Flori einen Schritt zurück. Aber nichts geschah.

„Keiner da, Professor.“

„Hm“, brummte Professor Klecks und klopfte noch einmal, dieses Mal etwas lauter. „Alles still hier. Woher kam dann vorhin dieses entsetzliche Geräusch?“

Flori sah sich genauer um und entdeckte Taube auf dem Dach.

„Da, Professor. Zumindest Taube ist hier.“

In diesem Moment ertönte wieder der schreckliche Schrei. Professor Klecks ließ seine Reisetasche fallen und Flori umklammerte seinen Stock.

„Gurruhuu! Gurruhuu!“, rief Taube, nickte eifrig und trippelte hin und her. Dann flog sie los, genau dahin, woher es geschrien hatte.

Professor Klecks und Flori sahen sich verwundert an. „Sie scheint keine Angst zu haben“, meinte Flori.

„Wir ja auch nicht, oder?“ Professor Klecks nahm seine Tasche wieder auf und folgte Taube langsam um das Haus herum.

„Natürlich nicht“, flüsterte Flori und schlich leise hinter ihm her.

Hinter dem Haus lag ein Hof, es gab einen Zaun, einen Apfelbaum und weiter hinten einen kleinen Garten. Auf der rechten Seite verdeckte ein alter Holzschuppen den Blick. An ihm gingen Professor Klecks und Flori entlang, dann schauten sie vorsichtig um die Ecke – und trauten ihren Augen nicht.

Da standen Gänse, Enten, Hühner, ein Pferd, eine Kuh, ein Hund, zwei Katzen, ein Schwein und eine Ziege. Alle waren ganz still und schauten in dieselbe Richtung – nämlich auf die Tür des Schuppens, um den Professor Klecks und Flori gerade geschlichen kamen.

„Was ist denn hier los?“, flüsterte Professor Klecks. Und Flori wisperte: „Sind sie alle verzaubert worden?“

Eine der Katzen wandte ihren Kopf, schaute Flori an und sah wieder zur Schuppentür. Dann entdeckte Flori Taube. Sie saß im Apfelbaum und nickte mit dem Kopf.

„Ich glaube, sie kann von da aus durch das Fenster gucken“, überlegte Flori.

„Das sollten wir auch tun“, raunte Professor Klecks. „Wenn einer Hilfe braucht, dann da drin.“

Er schlich vorwärts bis zum Schuppenfenster und spähte hindurch. Für Flori war das Fenster zu hoch.

„Sehen Sie was?“, flüsterte er aufgeregt. Er hatte das Gefühl, dass alle Tiere statt zur Tür nun zu ihm blickten und ihn anstarrten. „Was ist denn da drin?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 8: Auf dem Waldweg

Professor Klecks schaute zwischen den Bäumen hindurch, wohin Tante Klara verschwunden war.

„Ganz bestimmt kommt sie zurück. Sie ist nur neugierig. Genau wie du.“

„Sie meinen, sie will erforschen, was ein Kuckuck ist?“

„Das kann doch sein? Vielleicht dachte sie bisher immer, das ist eine Uhr. Und nun findet sie einen im Wald. Da muss man doch nachschauen, oder?“

Flori nickte. „Das würde ich auch tun. Also ist Tante Klara ein Forscherpapagei.“

„Ja, tatsächlich, das ist sie.“ Professor Klecks lachte. „Also lass uns weiter gehen. Sie findet uns schon.“

Sie gingen weiter bergauf. Flori drehte sich immer wieder um und spähte zwischen die Bäume. Doch Tante Klara sah er nicht. Dafür aber entdeckte er ein Reh. Es stand zwischen zwei Eichen und schaute ihn an. Flori zupfte Professor Klecks am Ärmel und zeigte in die Richtung. Professor Klecks nickte. Auch er hatte das Reh gesehen.

In diesem Moment drehte das Reh den Kopf, stellte die Ohren auf – und sprang ihnen entgegen. Flori blieb erschrocken stehen, doch das Tier kümmerte sich nicht um sie. Es machte lange Sätze an ihnen vorbei und verschwand auf der anderen Seite des Weges wieder im Wald.

„Es hat Angst vor uns“, rief Flori. Professor Klecks kratzte sich am Kinn.

„Etwas muss es aufgeschreckt haben. Aber wir waren das nicht, sonst wäre es nicht zuerst hierher gesprungen.“

„Ist da noch jemand im Wald?“, fragte Flori. „Ich sehe nichts.“ Dabei schaute er zwischen den Bäumen hin und her.

„Ich auch nicht. Aber lass uns weiter gehen. Wir sind bald da.“

Etwas weiter entfernt hinter einem dichten Busch stand eine dunkle Gestalt. Doch die sahen beide nicht. Der Mann mit dem Schlapphut hob etwas vom Boden auf und schlich weiter zwischen den Bäumen voran.

Flori hatte inzwischen einen Buntspecht entdeckt. Tock! Tock! Tock! Tock! Tock! Tock! Tock! So schallte es immer wieder durch den Wald.

„Baut er sich ein Nest?“, fragte Flori.

„Entweder das, oder er sucht unter der Rinde nach Futter“, überlegte Professor Klecks.

Flori staunte. „Kriegt er bei dem Geklopfe nicht Kopfschmerzen?“

„Nein, dem Specht macht das nichts aus.“

„Aber dem da vielleicht.“ Flori zeigte auf einen kleinen Vogel mit einem roten Federfleck zwischen Schnabel und Bauch. „Dem ist das bestimmt zu laut.“

„Das ist ein Rotkehlchen“, erklärte Professor Klecks.

„Weiß ich“, sagte Flori. „Wir haben eins bei uns im Garten und bei Frau Hasemantel hab ich auch schon eins gesehen.“

Professor Klecks nickte. „Die zwitschern schön. Hör mal.“

„Ja, aber immer, wenn der Specht hämmert, hört es auf. Wahrscheinlich ist es sauer auf ihn. Meinen Sie, dass es hier ein Nest hat?“

„Schon möglich. Vielleicht könnten wir… – oh, schau!“ Professor Klecks zeigte nach vorn auf den Weg. „Da ist der Waldweg zu Ende. Und auf der Lichtung dahinten steht das Haus von Dr. Jup, ich meine, von Frau Doktor Prantz.“

In diesem Augenblick ertönte ein sonderbarer lauter Schrei. Flori zuckte zusammen.

„Was war das?“ flüsterte er. „Es klang wie ein großes altes Sturmgespenst!“

… Fortsetzung folgt …

Folge 7: Was wächst denn da?

Zurück beim Wohnmobil hielten sie Ausschau nach Tante Klara.

„Hoffentlich ist sie nicht zu weit weggeflogen“, überlegte Professor Klecks und spähte angestrengt den Bach entlang.

„Nein, jetzt sehe ich sie. Da drüben auf dem Ast!“, rief Flori. Er zeigte auf einen etwas entfernten Baum auf der anderen Seite des Baches. Professor Klecks versuchte, etwas zu erkennen.

„Ob sie das überhaupt ist? Bist du sicher?“ Er griff in den Mantel mit den vielen Taschen und setzte seine Forscherbrille auf. „Du hast Recht, Flori. Und ich glaube, sie will uns etwas zeigen. Gehen wir mal hin.“

„Ob sie eine Brücke gefunden hat?“ Flori lief los und Professor Klecks folgte ihm.

An der Stelle, wo Tante Klara auf sie wartete, lag ein dicker Baumstamm quer über dem Bach.

„Kuckuck! Kuckuck! Ping!“, rief Tante Klara und wippte auf ihrem Ast.

„Sehr gut“, lobte Professor Klecks. „Du bist ein toller Vogel.“ Tante Klara nickte eifrig.

„Hier können wir rüber“, rief Flori und balancierte auf dem Stamm.

„Ja, aber dann müssen wir den Rest des Weges laufen“, überlegte Professor Klecks.

„Ist es denn noch weit?“

„Ein bisschen schon, aber das schaffen wir. Komm, wir müssen unser Gepäck holen.“

Flori nahm seinen Rucksack und hielt die Reisetasche, während Professor Klecks das Wohnmobil an den Rand der Waldstraße fuhr. Dann überquerten sie den Bach und gingen zu Fuß weiter.

Der Weg führte bergauf zwischen den Bäumen hindurch und wurde immer schmaler. Schließlich war er nur noch ein Pfad. Rechts und links im Wald wuchsen hohe Farnwedel und dazwischen stand hin und wieder ein  hübscher Pilz. Flori war etwas voraus gelaufen. Jetzt bückte er sich. Tante Klara auf seiner Schulter kam ins Schwanken und hielt sich mit dem Schnabel an seinem Kragen fest.

„Professor“, rief Flori, „kann man den hier essen?“

„Wie sieht er denn aus?“

„Er hat einen roten platten Kopf. Oben drauf sind weiße Punkte und der Stiel ist auch weiß. Hier drüben ist noch einer. Der ist aber etwas kleiner und runder.“

Professor Klecks hatte sich beeilt und schnaufte. „Das sind Fliegenpilze, Flori. Die sind giftig. Also nicht pflücken und schon gar nicht essen, Flori.“

„Warum heißen die so? Ich sehe da dran gar keine Fliegen.“

„Eine gute Frage, Flori. Ich mache eine Notiz, und wir lesen das zu Hause nach.“ Professor Klecks zog sein Notizbuch aus der Tasche und schrieb hinein. Flori beugte sich tief hinunter versuchte, unter den flachen Pilzhut zu schauen.

„Kuckuck! Kräk! Ping! Ping! Kuckuck!”, schrie Tante Klara und flatterte auf den nächsten Ast.

„Oh, ich hatte vergessen, dass du da sitzt“, rief Flori. „Tut mir Leid, Tante Klara.“

„Kuckuck! Kuckuck! Ping! Kuckuck!“, beschwerte sie sich.

„Ja, ich passe das nächste Mal besser auf. Versprochen. Jetzt komm zurück, ja?“ Flori streckte den Arm aus.

„Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck!“

Tante Klara blickte erstaunt hin und her. Flori sagte: „Aber ich wollte doch nicht, dass…“

„Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck!“

„Pst. Hört doch!“, flüsterte Professor Klecks. „Das ist ein echter Kuckuck.“

Tante Klara streckte sich. „Kuckuck! Kuckuck! Ping!“ Dann flog sie los in den Wald.

„Kuckuck! Kuckuck! Ping!“

„Halt! Bleib hier!“, rief Flori erschrocken, doch sie war schon nicht mehr zu sehen.

„Sie ist weggeflogen, Professor.“ Professor Klecks bückte sich und legte einen Arm um Floris Schulter. „Glauben Sie, dass sie zurückkommt?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 6: Was nun?

„Alles in Ordnung?“, fragte Professor Klecks.

„Kuckuck! Ping! Ping!“ „Gurr! Gurr! Gurruhuu! Tante Klara und Taube flatterten im Fußraum hinter den Sitzen. Flori saß auf seinem Platz, doch der Rucksack war zu Boden gepoltert.

„Ja, Professor. Wir haben nur einen Schreck gekriegt. Was war denn los?“

Professor Klecks schnaufte erleichtert. „Gott sei Dank! Nichts passiert!“ Er stelle den Motor ab und stieg aus. „Komm, Flori, schau dir das an.“

Flori folgte Professor Klecks ein paar Meter die Straße entlang mit Tante Klara auf der Schulter. Taube hatte sich auf das Dach des Wohnmobils gesetzt.

„Siehst du, Flori? Da fließt ein Wildbach direkt vor uns quer durch die Waldstraße.“

Flori schaute auf den Bach und dann auf die Straße.

„Aber Professor!“, rief er. „Der Weg geht da drüben auf der anderen Seite weiter.“

„Ja, genau. Und wir wären beinahe da runter gefallen. Die Brücke ist fort!“ Professor Klecks ging vorsichtig hin und her und spähte über den Rand.

„Ist die Brücke eingestürzt? Sehen Sie was? Soll ich mal suchen?“

Flori wäre am liebsten zum Bach hinunter geklettert, doch Professor Klecks hielt ihn auf.

„Das nützt uns nichts, Flori. Selbst wenn wir die Brücke fänden, könnten wie sie nicht wieder aufbauen.“

„Und wie kommen wir dann da rüber?“, fragte Flori.

Tante Klara spreizte die Flügel und flatterte los. Auf der anderen Seite des Baches drehte sie eine Runde und kam zurück.

„Ja, du hast es leicht!“, rief Flori. „Aber wir sollten das vielleicht nicht versuchen.“

„Nein, wohl nicht.“ Professor Klecks musste lachen. „Aber wir sollten nachsehen, ob es andere Brücken oder Stege gibt. Du auch, Tante Klara.“

„Kuckuck! Ping! Kuckuck“, rief Tante Klara und flog den Bach entlang davon.

„Vielleicht kann Taube auch helfen.“ Flori drehte sich zum Wohnmobil um. „Weiß du, ob hier…“

Er sah Taube die Flügel ausbreiten und losflattern. Sie erhob sich über die Bäume und flog die Waldstraße entlang davon. Augenblicke später war sie nicht mehr zu sehen.

„Ist sie weggeflogen, Professor? Warum?“

„Taube kennt sich hier sicher aus. Sie fliegt wohl nach Hause“, antwortete Professor Klecks. „Und wir suchen jetzt eine Brücke.“

„Oh, waren wir dumm!“, rief Flori. „Taube gehört doch dieser Frau Doktor. Wir hätten ihr eine Nachricht schicken können.“

„Stimmt!“ Professor Klecks schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn. „Aber jetzt ist es zu spät.“

Sie gingen vorsichtig am Steilufer entlang. Nach einer Weile wurde es flacher, doch eine Brücke war nicht zu sehen.“

„Ich glaube, wir kommen hier nicht weiter“, stellte Professor Klecks nach einiger Zeit fest. Lass uns zum Wohnmobil zurückgehen.“

„Vielleicht hat Tante Klara was gefunden“, überlegte Flori.

„Wer weiß“, brummte Professor Klecks. Flori sah ihn an. „Und wenn nicht? Was machen wir dann?“

… Fortsetzung folgt …