Folge 25: Eine großartige Idee

Professor Klecks kratzte sich am Kinn. „Hm. Was man machen kann, damit Sie wieder nach Hause dürfen, weiß ich auch nicht. Ohne einen Kuckuck können Sie nicht zurück wegen des Fürsten, und mit einem Kuckuck können Sie nicht zurück wegen des Kuckucks.“

Roderik nickte traurig. Dabei sah er sah so niedergeschlagen aus, dass Flori ihm gerne geholfen hätte, aber wie?

„Kuckuck! Kuckuck! Ping!“, rief Tante Klara und schüttelte sich. „Gurruhuu!“ machte Taube. Sie saß noch immer auf dem Tisch. Igor stand auf und sah sie an. „Wuff!“

Plötzlich kam Flori ein Gedanke. Er ging einen Schritt näher und fragte: „Wollen Sie denn überhaupt wieder zu diesem Fürsten, wo er doch so wütend war und Sie weggejagt hat?“

Roderik sah auf und sagte leise: „Nicht unbedingt. Er war sehr böse zu mir. Aber doch nur, weil er so gerne einen Kuckuck wollte.“

„Man kriegt nicht immer, was man will“, erklärte Flori.

 Professor Klecks lächelte. „Aber manchmal kriegt man was anderes.“

Alle sahen ihn an. „Was meinen Sie?“, fragte Flori gespannt.

Professor Klecks räusperte sich. Dann ging er zu Tante Klara und streichelte ihr Köpfchen. Flori zuckte zurück. „Aber Professor. Sie wollen doch Tante Klara nicht nach Bellonien schicken.“, fragte er entsetzt.

„Natürlich nicht, Flori. Aber was glaubst ihr, warum Tante Klara ‚Kuckuck‘ ruft?“

„Sie hat mal einen Kuckuck getroffen und macht ihn jetzt nach?“, fragte Dr. Jup.

„Nein, sie hat früher bei einer Kuckucksuhr gewohnt“, rief Flori.

„Ping!“, machte Tante Klara.

„Und bei einer Mikrowelle. Ich weiß.“ Flori lachte. „Doch auf die kommt es jetzt nicht an.“

„Nein. Aber die Uhr ist die Lösung.“ Professor Klecks drehte sich zu Roderik um. „Sie bringen dem Fürsten eine Kuckucksuhr.“

Roderik sah ihn ungläubig an. „So etwas gibt es? Eine Uhr, die ‚Kuckuck‘ ruft?“

„Aber ja! Und im Schwarzwald kann man sie sogar kaufen.“

„Das mache ich!“ Roderik sprang auf. „Dann braucht der Fürst zu niemandem mehr wütend sein. Ich kaufe eine Kuckucksuhr und schicke sie ihm.“

Dr. Jup nickte. „Das ist eine gute Idee. Dann jetzt gehen wir erst einmal alle zu mir.“ Sie sah Roderik an. „Sie auch, wenn sie möchten.“

Roderik richtete sich auf. „Gerne! Danke! Ich bin gleich soweit.“ Er lief los und kam Augenblicke später mit einem Sack zurück. „Meine Sachen“, erklärte er. „Ich will ja eine Reise machen.“

Vor der Tür wartete der Igel Eberhard. Auch er schloss sich nun an und gemeinsam erreichten sie den Hof von Dr. Jup. Nun endlich war etwas mehr Zeit und Dr. Jup führte sie herum.

„So eine Aufregung“, überlegte sie. „Eigentlich hatte ich euch doch eingeladen, um euch mein neugeborenes Eselchen vorzustellen.“

Sie gingen zusammen zum Eselstall. Brana, die Eselmutter, kam ihnen entgegen und Flori streichelte ihr den Hals. Dann sahen sie sich das Eselfohlen an.

„Wie wollen wir es nennen?“, fragte Dr. Jup. „Es ist ein Mädchen.“

Flori sah Dr. Jup an, dann Professor Klecks und schließlich das Eselchen. „Frieda!“ rief er.

„Frieda? Das ist gut.“ Dr. Jup strich dem Eselchen über den Rücken. „Du heißt also Frieda.“ Aber jetzt wird erst einmal etwas gegessen.

Einige Zeit später saßen Roderik, Professor Klecks und Flori satt und zufrieden in Dr. Jups Küche.

„Wie finde ich denn zum Schwarzwald?“, fragte Roderik. „Ist es weit?“

„Ja, ziemlich.“ Professor Klecks überlegte. „Sie können erst einmal mit uns kommen. Unten am Bach steht mein Wohnmobil. Dort zeige ich Ihnen den Weg auf der Karte.“

„Und wenn Sie die Uhr abgeschickt haben und nicht wissen, wo Sie bleiben sollen, möchten Sie vielleicht wieder in meiner Burgruine wohnen“, sagte Dr. Jup.

„Oh, das wäre schön. Danke!“

„Aber keine Vögel mehr fangen“, rief Flori.

„Nein, nie wieder. Ich beobachte sie lieber im Wald.“

„Das ist eine besonders gute Idee“, erklärte Professor Klecks. „Vielleicht hören Sie dann auch einmal einen echten Kuckuck.“

„Obwohl auch ein Papageien-Kuckuck Glück bringen kann“, sagte Roderik mit einem Blick auf Tante Klara. „Ohne dich wäre die Sache wohl nicht gut ausgegangen.“

„Kuckuck! Kuckuck! Ping! Kuckuck!“, rief Tante Klara , breitete die Flügel aus und verbeugte sich vor ihm.

Es wurde ein langer fröhlicher Abend, denn sie hatten sich viel zu erzählen. Als sie endlich schlafen gingen wussten sie, dass sie Freunde geworden waren.

-> Ende des dritten Abenteuers <-

Folge 24: Endlich befreit

Flori hatte es ganz deutlich gehört. Und gleich darauf wieder. „Kuckuck! Kuckuck! Ping!“

„Das ist sie! Das ist Tante Klara!“, rief er und sah sich suchend um. „Von wo kam das?“ Er ging in die Richtung, aus der das Geräusch kam.

„Halt!“ Roderik stellte sich ihm in den Weg. „Das ist mein Kuckuck. Den dürft ihr nicht auch noch rauslassen. Den brauche ich.“

„Wofür denn?“, fragte Dr. Jup. Professor Klecks kam jetzt auch zur Tür herein. „Alle Vögel sind frei. Habt ihr Tante Klara gefunden?“

„Sie sitzt da drin“, erklärte Flori aufgeregt und zeigte auf den Schrank. Professor Klecks schaute Roderik an und fragte: „Etwa im Dunkeln?“ Mit drei Schritten war er beim Schrank und riss die Türen auf.

„Kuckuck! Kuckuck!“, rief Tante Klara und streckte die Flügel so weit, wie das in dem kleinen Käfig möglich war.

„Da hört ihr es.“ Roderik lief ebenfalls zum Schrank. „Er ruft Kuckuck. Also ist er ein Kuckuck!“ Er wollte die Tür wieder schließen, doch Igor knurrte so böse, dass er es nicht wagte.

Professor Klecks nahm den Vogelkäfig aus dem Schrank, stellte ihn auf den Tisch und Flori öffnete das Türchen. Tante Klara war endlich wieder frei. Sie hüpfte heraus, streckte sich, flog eine kleine Runde im Raum und landete dann auf Floris Schulter. „Kuckuck! Kuckuck! Ping!“

„Darf ich vorstellen“, sagte Professor Klecks und deutete auf Tante Klara. „Das ist Tante Klara, unser Papagei, klein, grün, krummer Schnabel – kein Kuckuck – ein P a p a g e i!“

„Kein Kuckuck?“, flüsterte Roderik. „Wie schrecklich!“ Er sah von einem zum anderen, dann ließ er sich auf einen Hocker fallen und vergrub sein Gesicht in den Händen.

Flori sah ihn verdutzt an. Dann ging er zu ihm und fragte leise: „Was ist denn daran so schrecklich?“

Auch Professor Klecks und Dr. Jup kamen näher und sogar Igor setzte sich vor ihn hin.

„Alles ist schrecklich, denn nun kann ich nicht nach Hause.“, sagte Roderik und schniefte.

„Warum denn nicht“, fragte Professor Klecks. „Vielleicht erzählen Sie mal, was eigentlich los ist?“

Roderik sah ihn an und nickte. „Ich war der Diener von Fürst Akubar von Bellonien. Der Fürst wollte einen Kuckuck in seinem Palast haben, weil jemand ihm erzählt hatte, dass es Glück bringt, wenn man einen Kuckuck rufen hört. Er schickte mich also los, doch ich fand keinen. Ich habe ganz Bellonien abgesucht, aber es gibt dort überhaupt keine Vögel.“

„Wie kommt das denn?“, fragte Flori erstaunt.

„Wahrscheinlich, weil Bellonien in einer Wüste liegt“, erklärte Professor Klecks. „Es gibt dort auch keine Bäume.“

Roderik nickte. „Das stimmt. Als ich zurück war und Fürst Akubar sagte, dass ich keinen Kuckuck finden könnte, wurde er furchtbar wütend. Er tobte und brüllte, ich wolle wohl nicht, dass er Glück hätte. Er konnte sich nicht beruhigen und schließlich jagte er mich davon.“

„Und dann kamen Sie hierher?“, fragte Professor Klecks.

„Ja. Als ich hier ankam und sah, dass es so viele Vögel gibt, wollte ich hier einen Kuckuck fangen und  Fürst Akubar bringen, damit er mich wieder bei sich aufnimmt.“

„Und warum haben Sie hier so viele Vögel gefangen?“, fragte Dr. Jup. „Das geht doch nicht!“

„Aber ich weiß doch nicht, wie ein Kuckuck aussieht. Und gehört habe ich auch keinen.“ Roderik sah hinüber zu Tante Klara. „Bis gestern.“

Flori ging einen Schritt rückwärts. „Das ist ein Papagei!“

„In diesem Wald wohnt kein Kuckuck“, erklärte Dr. Jup. Und auch die anderen Vögel dürfen Sie nicht einfach einsperren oder etwa nach Bellonien bringen. Es sind Waldvögel. Die passen in keine Wüste. Sie wären unglücklich und würden sterben.“

„Das wusste ich nicht“, flüsterte Roderik und senkte den Kopf. „Was soll ich denn jetzt tun?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 23: Erwischt!

Flori sah Roderik mit dem Besen in der Tür stehen.

„Was machst du da?“, rief der wütend. „Komm sofort da runter.“ Er hob den Besen und ging auf Flori zu.

Flori erschrak. Was jetzt? Auf keinen Fall wollte er aufgeben. Er hielt den Käfig mit den aufgeregt flatternden Spatzen mit beiden Händen fest und sprang vom Tisch. Ein paar kleine Federn flogen durch die Luft.

„Komm sofort her!“, rief Roderik.

„Keine Zeit!“ Flori sauste mit dem Käfig zum Fenster. Ohne den Stuhl konnte er allerdings nicht hinaus. Er saß in der Falle.

„Hab ich dich!“, brüllte Roderik und streckte seine Hand nach ihm aus.

„Noch nicht“, keuchte Flori, schlüpfte unter dem Arm durch und rannte zur Tür. Dabei öffnete er die Tür des Spatzenkäfigs.

„Los, raus mit euch. Fliegt! Fliegt!“

Die Spatzen tschilpten und piepsten laut durcheinander, doch sie flogen nicht hinaus. In ihrer Aufregung konnten sie das kleine Türchen nicht finden.

„Her mit dem Käfig“, schimpfte Roderik. Er war Flori gefolgt und ergriff ihn jetzt am Arm. „Am besten sperre ich dich auch gleich ein. „Mach sofort das Türchen zu.“

„Niemals!“, rief Flori und versuchte, sich loszureißen. Doch Roderik war stärker als er.

Plötzlich flatterte etwas durch den Raum. Taube war durch das Fenster hereingeflogen. Sie stürzte sich auf Roderiks Kopf, pickte ihn immer wieder und flog dabei kreuz und quer durch den Raum.

Roderik riss die Arme hoch. Flori war frei. Mit dem Käfig rannte er zum Tisch, zerrte den Stuhl zum Fenster und reichte eilig die letzten Käfige hinaus, während Taube noch immer Roderik attackierte.

„Jetzt du“, rief Professor Klecks von draußen. „Steig schnell raus!“

In diesem Moment erwischte Roderik Taube mit dem Besen. Sie flatterte schräg durch die Luft, fiel dann auf den Tisch und blieb liegen.

„So!“ keuchte Roderik. „Nun ist wohl Ruhe. Und jetzt zu dir.“ Er drehte sich wieder zu Flori um. „Was fällt dir eigentlich ein?“

„Was haben Sie mit Taube gemacht?“, fragte Flori erschrocken. „Ist sie tot?“ Er lief zum Tisch.

Taube öffnete gerade die Augen. Sie drehte ihren Kopf und bewegte sich. Dann schlug sie mit den Flügeln und kam wieder auf die Beine.

Vor der Tür hörte man jetzt Schritte und Igor bellte.

„Was wollt ihr eigentlich alle von mir?“ rief Roderik. „Ich habe euch nichts getan.“ Mit einem Blick auf Taube ergänzte er. „Fast nichts jedenfalls.“

„Warum fangen Sie all diese Vögel?“, fragte Flori aufgeregt. „Und wo ist Tante Klara?“

„Tante Klara? Die kommt ja wohl gerade rein“, erwiderte Roderik und zeigte zur Tür. Dr. Jup trat ein und ließ Igor an der Leine in den Raum.

„Tante Klara ist ein Papagei!“, rief Flori ärgerlich. „Klein und grün. Wo haben Sie sie versteckt?“

Er sah sich im Raum um, doch es war kein Käfig mehr übrig. Flori schaute Dr. Jup an, doch die zuckte nur mit den Schultern.

„Verschwindet endlich. Hier gibt es keinen Papagei. Was wollt ihr denn noch, zum Donnerwetter?“

„Tante Klara wollen wir! Zum Donnerwetter!“, rief Flori.

„Kuckuck! Kuckuck! Donnerwetter! Ping!“

… Fortsetzung folgt …

Folge 22: Jetzt aber schnell!

Flori erinnerte sich an den Stuhl, den er beinahe umgestoßen hätte. Schnell holte er ihn herbei und stellte ihn unter die Fensteröffnung. Dann nahm er den Käfig mit dem Rotkehlchen, stieg hinauf und streckte sich.

„Professor, sind Sie da?“, fragte er leise. Dabei reichte er den Käfig hinaus.

„Ja, gut so. Ich hab ihn. Mach nur weiter. Aber sei vorsichtig!“

Flori nickte, was der Professor natürlich nicht sehen konnte. Der Käfig mit der Krähe war der nächste. Dann schlich er auf Zehenspitzen durch den Raum, murmelte beruhigende Worte, um die Vögel nicht zu erschrecken und sammelte dabei die Käfige ein.

Manche standen am Boden. Die holte er als erstes. Danach kamen die auf dem Tisch und der Kommode dran. Zuletzt blieben fünf übrig. Zwei davon erreichte er, indem er auf die Kommode kletterte. Jetzt fehlten nur noch die drei, die in der Mitte des Raumes an der Decke hingen.

Flori überlegte kurz. Dann stellte er den Stuhl neben den Tisch und stieg hinauf. Im Käfig über ihm saß ein Eichelhäher und beäugte ihn genau.

„Krrckszäck!“, machte er leise und legte den Kopf schief.

„Ich bin ganz vorsichtig“, wisperte Flori, stieg mit ihm hinunter und stellte ihn neben das Fenster.  Wieder auf dem Tisch streckte er sich und hängte den Käfig mit dem Buntspecht ab. Blieb nur noch einer übrig. Aber ein ziemlich großer. Sieben Spatzen saßen darin und schauten durch das Gitter.

„Der sieht schwer aus“, murmelte Flori. „Ich brauche beide Hände.“ Er streckte sich, so hoch er konnte.

„Tschilp! Tschilp!“ Die Spatzen hüpften und flatterten aufgeregt.

„Pssst“, machte Flori. Er erreichte den Käfig ganz knapp  und versuchte, ihn vom Haken zu heben.

***

Roderik stand in der geöffneten Eingangstür und sah Dr. Jup erstaunt an.

„Ihre Katze ist weg? Ich habe keine Katze gesehen. Und ich habe keine Zeit, mit Ihnen eine Katze zu suchen.“ Er wollte die Tür schließen.

Das jedoch konnte Dr. Jup nicht zulassen. Schließlich wollte sie Roderik an der Tür aufhalten, damit Flori und Professor Klecks genug Zeit hätten, die Vögel zu befreien.

„Moment, warten Sie!“, rief sie deshalb und ging einen Schritt näher. „Sind Sie ganz sicher, dass sie meine Mau nicht gesehen haben? Igor und ich glauben, ihre Spur ging bis hierher.“

„Hierher zu mir?“ Roderik und schaute zweifelnd auf Igor. „Hat Ihr Hund eine gute Nase?“

„Ja“, nickte Dr. Jup. Doch das war ein Fehler. Sie merkte er selbst sofort, als Roderik sich umsah und zurück in seine Hütte starrte. „Sie meinen, da ist eine Katze drin? Das darf nicht sein!“, rief er, warf die Tür zu, drehte sich auf dem Absatz um und eilte in seine Hütte.

Dr. Jup war erschrocken. „Halt!“, hatte sie ihm nachgerufen, doch Roderik achtete nicht auf sie. Er durchquerte den kleinen Raum und öffnete eine andere Tür. „Wo soll hier eine Katze sein?“ schimpfte er dabei. Da hörte er ein Geräusch und blieb stehen. Er lauschte. Es kam aus dem nächsten Raum und klang wie … Rascheln? Oder … Flattern? Piepen?

Roderik ging näher. „Etwas regt die Vögel auf“, überlegte er laut. „Wenn da eine Katze ist, kann sie was erleben.“

Er griff nach einem Besen, der neben ihm an der Wand lehnte, stieß die Tür auf und machte zwei Schritte ins Zimmer. Doch was er da sah, ließ ihn wie angewurzelt stehen bleiben.

In der Mitte des Raumes stand Flori auf dem Tisch, hielt mit ausgestreckten Armen einen Vogelkäfig, in dem ein paar Spatzen flatterten und starrte ihn entsetzt an.

… Fortsetzung folgt …

Folge 21: Ob das gelingt?

Dr. Jup ging zusammen mit Igor an der Mauer entlang zum vorderen Eingang. Dort klopfte sie laut an der Tür und wartete. Sie wollte Roderik in ein Gespräch verwickeln, um ihn abzulenken, doch zuerst passierte gar nichts.

„Wuff“, machte Igor leise und schüttelte den Kopf, dass seine Ohren schlackerten.

„Ganz ruhig, mein Guter. Der kommt schon“, flüsterte Dr. Jup und klopfte nochmals, jetzt aber etwas lauter.

Kurz darauf hörte sie Schritte. Ein Riegel wurde geschoben und dann öffnete Roderik die Tür.

„Was ist denn noch?“, brummte er unfreundlich. „Ich packe doch schon.“

„Ja, äh, ich wollte fragen…“ Dr. Jup räusperte sich. „Ich wollte fragen, ob Sie hier – äh – ob Sie wohl meine Katze gesehen haben. Schwarz-weiß, kurze Haare, Stupsnäschen. Sie heißt Mau.“

***

Flori und Professor Klecks hatten Dr. Jup nachgesehen, bis sie um die Mauerecke gebogen war. Dann wandten sie sich dem Fenster zu, vor dem der Käfig mit der Drossel hing.

„Schnell jetzt“, flüsterte Professor Klecks, „Wir wissen nicht, wie lange sie ihn aufhalten kann.“

Er versuchte, sich zum Fenster hochzuziehen, doch die Öffnung war etwas zu weit oben. „Ich schaffe es nicht“, schnaufte er. „Was jetzt?“

Flori überlegte. Dann wisperte er: „Ich kann Sie nicht hochheben, Professor. Aber Sie können mir reinhelfen. Ich reiche dann alles raus und Sie nehmen es an.“

Besorgt sah Professor Klecks an der Mauer entlang. Es war niemand zu sehen oder zu hören. „Gut, so machen wir es. Aber sei vorsichtig, hörst du?“

Flori nickte, ließ sich hochheben und saß Augenblicke später in der Maueröffnung.  Von hier aus hakte er den Käfig mit der Drossel los und gab ihn hinaus. Dann rutschte er möglichst geräuschlos ins Zimmer.

RUMMS!

Flori zuckte zusammen und konnte gerade noch zupacken, ehe der Stuhl, über den er gestolpert war, umkippte.

„Piep, piep, piep!“ „Tschilp, tschilp!” „Krah!”

“Psst!”, wisperte Flori und schlich auf Zehenspitzen zum ersten Käfig. „Seid leise, Vögel. Ich will euch ja helfen. Aber ihr dürft mich nicht verraten.“

„Was ist los?“, flüsterte Professor Klecks draußen vor dem Fenster. „Mit wem sprichst du denn?“

„Moment!“, antwortete Flori. Er nahm einen kleinen Käfig mit einem Rotkehlchen und schlich zurück zur Wand. Dort sah er zum Fenster hinauf.

„Hm…“ Er streckte sich, so hoch er konnte, doch es gelang ihm nicht, den Käfig hinauszureichen. „Das Fenster ist zu hoch, Professor. Ich komme nicht dran. Soll ich die Vögel hier drin rauslassen?“

„Nein, Flori. Wenn sie den Weg nach draußen nicht schnell genug finden, fängt er sie vielleicht wieder ein. Wir müssen etwas anders überlegen. Gibt es eine Stange dort, mit der du die Käfige hochheben kannst?“

„Ich schaue mal nach, Professor.“ Flori stellte das Rotkehlchen ab und schlich durch den Raum, doch eine Stange war nicht zu finden. Auf seinem Weg nahm er eine Krähe im Käfig mit und stellte sie neben das Rotkehlchen. Ganz kurz überlegte er, die Käfige einfach hinaus zu werfen, doch verwarf er den Gedanken gleich wieder. „Viel zu laut!“, murmelte er.

„Und, hast du etwas gefunden?“, fragte Professor Klecks besorgt. Ihm war eingefallen, dass auch Flori selbst nicht durch dieses Fenster konnte, wenn es zu hoch für ihn war.

„Noch nicht, Professor. Aber ich … oh … jetzt weiß ich etwas …. Augenblick!“

… Fortsetzung folgt …

Folge 20: Viel mehr als gedacht

Professor Klecks stand mit den anderen auf dem kleinen Hügel und schaute von weitem durch das Fenster der Ruine.  Er hatte seine Forscherbrille aufgesetzt, um besser sehen zu können.

„Der Vogel in diesem Käfig ist ganz deutlich eine Drossel“, verkündete er.

„Wie viele Vögel hat der denn noch?“, fragte Flori.

„Das werden wir herausfinden.“ Dr. Jup beugte sich zu Igor und sagte: „Du musst jetzt ganz leise sein. Schaffst du das?“

„Wuff!“, machte Igor kaum hörbar.

„So ist es gut. Wir gehen jetzt zur Mauer. Wir sind ja groß genug, um direkt durch das Fenster zu schauen. Und dann sehen wir weiter. Kommt!“

Leise schlichen sie den kleinen Hügel wieder hinunter. Der Igel Eberhard sah ihnen nach und schaute dann zusammen mit Taube weiter durch das Fenster in die Burg.

Flori war als erster an der Mauer. Er rollte sich einen Stein zurecht und stieg hinauf. Als Professor Klecks und Dr. Jup ankamen, schauten alle vorsichtig durch das Fensterloch.

Was sie sahen, konnten sie kaum glauben. In dem Raum gab es nicht nur den Käfig beim Fenster. An Stangen und Haken hingen noch viel mehr Käfige. Auf Tischen, Kommoden und Regalen standen weitere. Flori zählte und war entsetzt. „Vierundzwanzig“, wisperte er. „Vierundzwanzig Käfige mit einunddreißig Vögeln.“

Professor Klecks versuchte, um die Ecke weiter ins Zimmer zu sehen. „Aber Tante Klara ist nicht dabei, oder?“

Dr. Jup schüttelte den Kopf. „Ich sehe auch keinen grünen Papagei.“ Sie schwieg und lauschte. „Fällt euch nichts auf?“

„Hier ist alles voller Vögel“, flüsterte Flori.

„Ja, aber hörst du einen?“, fragte Dr. Jup.

Flori wartete einen Moment und auch Professor Klecks horchte.

Flori sah Dr. Jup erstaunt an: „Nein, alle sind still. Wie kommt das?“

„Sie sind gefangen und fühlen sich einsam. Sie sind unglücklich.“

„Dann müssen wir ihnen helfen!“, rief Flori fast zu laut.

„Pssst!“, machte Professor Klecks. „Wir werden ihnen helfen. Aber wie?“

„Wir lassen sie alle raus“, schlug Flori vor.

„Gute Idee“, erwiderte Dr. Jup. Aber dazu müssen wir erst mal rein. Von hier draußen erreichen wir nur diesen einen Käfig mit der Drossel.“

„Aber wenn wir drin sind und er uns erwischt? Dürfen wir das überhaupt?“, fragte Flori besorgt.

Dr. Jup nickte. „Die Burg gehört mir und Roderik darf hier nicht sein. Die Vögel hat er gefangen. Die wollen hier nicht sein. Und wenn er wegzieht und alle mitnimmt, sind sie noch unglücklicher als jetzt. Ich glaube, wir dürfen das tun.“

„Ich habe eine Idee. Hört zu!“, wisperte Professor Klecks.

Alle drei steckten die Köpfe zusammen und Professor Klecks erklärte ihnen genau, was er sich ausgedacht hatte.

„Ja, das könnte klappen.“ Dr. Jup streichelte Igors Kopf und nahm die Leine kürzer. „Du kommst mit mir. Los geht‘s. Und viel Glück!“

… Fortsetzung folgt …

Folge 19: Ein kurzer Blick

Dr. Jup schaute vorsichtig zwischen den Büschen hindurch hinüber zur Burgruine. Dann sagte sie: „Das wird nicht einfach. Roderik ist bestimmt misstrauisch und passt auf.“

Der Igel Eberhard schaute von einem zum anderen, also wollte er fragen, wer Roderik sei.

„Das ist der kleine Mann mit dem Schlapphut“, erklärte Flori. „Kennst du ihn? Wir wollen ihn heimlich beobachten, weil er Tante Klara, das ist unser Papagei, gestohlen hat.“

„Moment mal, Flori. Du sprichst mit einem Igel“, warf Dr. Jup ein.

„Ja, sicher“, rief Flori. „Ich war schon mal im Schimmerwald. Ich weiß Bescheid. Tiere können zwar hier nicht reden, aber sie können trotzdem helfen.“

Eberhard sah immer noch von einem zum anderen.

„Schnell, Professor, geben Sie mir Ihren Mantel“, bat Flori. Er stellte den Rucksack ab und zog den Mantel über. Den Kragen schlug er möglichst hoch und legte sich das dunkle Halstuch des Professors über den Kopf. Dann ging er hin und her.

„Der kleine Mann mit dem Schlapphut!“, murmelte Dr. Jup. „Eberhard, weißt du, wo wir den finden können, ohne dass er uns sieht?“

Eberhard starrte erst sie, dann Flori an, als wollte er überlegen. Dann fiepte er plötzlich, drehte sich um und verschwand zwischen den Zweigen.

„Schnell, hinterher“, wisperte Professor Klecks. „Aber seid vorsichtig!“

Flori gab ihm seinen Mantel zurück und setzte den Rucksack wieder auf. Dann schlichen alle zusammen hinter Eberhard her. Der lief an den Büschen entlang bis zu einer niedrigen Mauer, bog dann um eine Ecke und verschwand zwischen einigen großen Steinen.

„Eberhard, wo bist du?“, flüsterte Dr. Jup. „Warte auf uns!“

„Ich sehe ihn auch nicht mehr“, murmelte Professor Klecks. „Ist er doch weggelaufen?“

Flori bückte sich und schaute unter die Steine. „Hier liegt sein Apfel, Dr. Jup.“, wisperte er und hob ihn auf. „Er muss … ah … da ist er.“

Eberhard erschien auf der anderen Seite der Steine fiepte kurz und bog dann nach links ab. Dort lief er einen kleinen Hügel hinauf und blieb oben stehen.

„Er führt uns von der Ruine weg“, flüsterte Professor Klecks erstaunt. „Was hat das zu bedeuten?“

Sie erreichten die Stelle, an der Eberhard stand. „Also, was willst du uns sagen?“, fragte Dr. Jup und sah Eberhard eindringloch an.

„Schade, dass er nicht sprechen kann“, sagte Flori. Er würde uns bestimmt …“

„Aber er spricht ja!“, rief Professor Klecks und hielt sich sogleich die Hand vor den Mund.

„Pssst!“, zischte Dr. Jup. „Du verrätst uns noch. Was meinst du denn damit?“

„Ja, er spricht wirklich“, wisperte Flori. „Sehen Sie doch!“

Der Igel sah nämlich nicht Dr. Jup an. Stattdessen starrte er an ihr vorbei direkt auf die Ruine. Alle drei drehten sich um und dann konnten sie es sehen. In der Mauer gab es ein brüchiges Loch, sicher war es früher ein Fenster gewesen. Und von da, wo sie standen, konnten sie genau in einen Raum gucken, in dem ein Vogelkäfig hing.

„Eberhard, du bist toll“, flüsterte Flori und legte seinen Apfel vor ihn hin. Eberhard fiepte leise, rollte sich ein, spießte ihn auf und stand gleich darauf wieder auf seinen Pfötchen.

„Ist das im Käfig die Elster?“, fragte Dr. Jup und versuchte, genauer zu sehen.

„Nein, der ist kleiner und braun“, antwortete Flori.

„Noch ein Vogel?“, fragte Professor Klecks verwundert. „Was ist denn hier bloß los?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 18: Unerwartete Hilfe

Dr. Jup nickte. „Wenn er euren Papagei wirklich bei sich hat, dann wird er ihn mitnehmen.“

„Aber das darf er nicht!“, rief Flori.

„Genau. Und deshalb dürfen wir ihn nicht einfach gehen lassen. Wir müssen…“

Plötzlich wurde Igor unruhig. Er zuckte mit den Ohren, jaulte leise und schnupperte.

„Was hat er denn?“, fragte Professor Klecks erstaunt.

„Wuff!“, machte Igor leise und hielt die Nase an den Boden. Taube gurrte und flog auf einen hohen Ast. Plötzlich war ein winziges Rascheln zu hören – und dann bewegten sich in der Nähe ein paar Blätter und kleine Zweige.

‚Komm raus und zeig dich‘, dachte Flori besorgt, aber er sagte nichts. Stattdessen sah er kurz Professor Klecks an und stellte sich schnell ganz dicht neben ihn. Dr. Jup hielt Igor an der Leine und alle warteten gespannt, wer oder was da käme.

Das Rascheln kam näher. Igor fiepte leise. Dr. Jup flüsterte: „Es ist harmlos, sonst würde Igor knurren. Vielleicht … oh …!“

Unter dem Busch erschien ein Näschen, zwei dunkle Augen und Ohren. Doch mitten in der Bewegung hielten sie plötzlich inne. Das Wesen starrte sie an. Zuerst Flori und Professor Klecks. Es zuckte, als wolle es umdrehen und weglaufen. Doch dann sah es Igor und Dr. Jup und blieb still stehen.

Igor legte sich auf den Bauch. Dr. Jup ging in die Hocke und da – Flori bekam ganz große Augen – kam unter dem Busch langsam ein Igel hervor.

Flori atmete erleichtert aus. Der Igel sah von einem zum anderen und trippelte langsam zu Dr. Jup. Bis zu ihrer ausgestreckten Hand traute er sich und hatte nicht einmal etwas dagegen, dass Igor an im schnupperte.

„Nanu?“, murmelte Professor Klecks. Er konnte kaum glauben, was er sah.

Dr. Jup lächelte. „Das muss dich nicht wundert, Josef. Sie kennen sich. Wir kennen uns. Ich habe diesen Igel, und viele andere auch, großgezogen. Das hier ist Eberhard.“

„Er hat einen Namen?“, fragte Flori verwundert. „Woher weißt du, dass es Eberhard ist?“

„Schau hin“, forderte ihn Dr. Jup auf. „Auf seinem Rücken zwischen den Stacheln steckte ein kleiner Apfel. „Das ist Eberhard früher schon oft passiert.“

„Wie kommt das?“, fragte Professor Klecks und beugte sich zu Eberhard hinunter, um ihn genauer zu sehen. Der Igel zuckte leicht zurück, blieb aber.“

„Eberhard fühlt sich leicht beim Essen gestört“, erklärte Dr. Jup. „Dann lässt er alles fallen und rollt sich schnell zusammen. Da er aber als Stachelkugel nicht immer ruhig liegt, spießt er sein Essen, zum Beispiel diesen Apfel hier, auf.“

„Dann trägt er ihn rum und vielleicht sucht er ihn sogar?“ Flori bückte sich und streckte vorsichtig die Hand aus. Eberhard sah ihn an, blieb aber stehen. Mit spitzen Fingern zupfte Flori den kleinen Apfel von Eberhards Rücken und hielt ihn dem Igel hin. Der schnupperte daran, nahm ihn und legte ihn vor sich ins Gras.

„Wuff!“, machte Igor und schnaufte. Eberhard zuckte erschrocken, rollte sich ein, bewegte sich kurz und der Apfel spießte wieder an seinem Rücken.

„Tja, nun habt ihr es selbst gesehen.“ Dr. Jup stand auf. „Jetzt müssen wir uns aber etwas wegen Roderik überlegen.“

„Ja“, nickte Professor Klecks. „Am besten wäre es, wenn er gar nicht merkt, dass wir noch hier sind. Hat jemand eine Idee?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 17: Ein schlimmer Verdacht

Professor Klecks sah sich vor der Hütte um. „Hm. Gesehen haben wir Tante Klara nicht. Aber wir finden sie schon noch. Wir suchen weiter.“

Gemeinsam kletterten sie zwischen den Mauerresten den Abhang hinab bis zur Wiese. Dort angekommen drehten sie sich um und schauten zurück.

„Ein eigenartiger Mensch“, überlegte Dr. Jup. „Ich habe ihn vorher hier noch nie gesehen.“

„Muss er jetzt wirklich wegziehen?“, fragte Flori.

„Tja“, brummte Dr. Jup. „Eigentlich dachte ich, er würde mich fragen, ob er bleiben darf.“

„Stattdessen packt er lieber zusammen und geht fort.“ Professor Klecks kratzte sich am Kinn. „Kommt dir das nicht auch seltsam vor?“

„Doch, das ist ungewöhnlich. Hier stimmt etwas nicht.“

„Ganz sicher nicht!“, rief Flori. „Er hält eine Elster für einen Wellensittich!“

„Er hat eben keine Ahnung von Vögeln“, stellte Professor Klecks fest.

„Wo ist eigentlich Taube?“, frage Dr. Jup. „War sie nicht auch hier?“

„Ja, und nun sie ist weg! Jetzt hat er schon drei Vögel!“, rief Flori aufgebracht. „Wir müssen sofort wieder hin und…“

„Halt, Flori“, unterbracht ihn Professor Klecks. „Wir waren dort und haben nur die Elster gesehen.“

„Aber da war kein Bett!“, rief Flori.

„Kein Bett?“, fragte Dr. Jup. „Eine Elster braucht doch kein Bett!“

„Nein, aber der Mann. Ich meine, er muss doch irgendwo schlafen. Aber da war kein Bett.“

Professor Klecks nickte. „Du hast Recht, Flori! Er hat also noch ein anderes Zimmer.“

„Ja!“ Flori konnte vor Aufregung nicht still stehen. „Und da drin versteckt er Tante Klara!“

„Und jetzt vielleicht auch Taube.“

In diesem Moment kam Taube angeflattert, landete neben ihnen im Gras und trippelte eilig hin und her.

„Gurruhuuu! Gurruhuuu!“, gurrte sie immer wieder.

„Oh, Taube! Da bist du ja!“, rief Dr. Jup und klatschte begeistert in die Hände.

Taube erschrak heftig und flatterte auf und flog einen großen Kreis, ehe sie wieder landete.

„Oh! Das wollte ich nicht!“, rief Dr. Jup. „Tut mir Leid, Taube!“

„Sie beruhig sich gleich wieder“, brummte Professor Klecks.

„Schade, dass sie nicht sprechen kann“, überlegte Flori. „Sie hat vielleicht was rausgefunden.“

„Da fällt mir etwas ein“, sagte Dr. Jup. „Kommt mit! Schnell!“

Sie nahm Igor an die Leine und lief zu einem dichten Busch in der Nähe. Professor Klecks und Flori folgten ihr. Vorsichtig krochen sie hinein und waren nun von der Ruine aus nicht mehr zu sehen.

„Igor! Sei nicht so neugierig“, flüsterte Dr. Jup.

„Warum verstecken wir uns hier?“, fragte Flori. „Roderik hat uns doch gesehen.“

„Ja, schon. Aber er denkt, wir sind gegangen. Was, glaubt ihr, wird er jetzt tun?“

„Er packt wahrscheinlich seine Sachen“, überlegte Professor Klecks.

Dr. Jup nickte. „Ganz genau. Und wenn er geht, nimmt er alles mit, was er hat.“

Flori sah sie entsetzt an. „Auch Tante Klara?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 16: Eine Entdeckung

Professor Klecks bückte sich etwas zu Flori hinunter und fragte leise: „Was meinst du? Was stimmt hier nicht?“

„Der Vogel, Professor. Der Mann hat doch gesagt, er hat einen Wellensittich. Aber es ist eine Elster!“ Flori machte einen Schritt vorwärts und rief laut: „Oh, so ein schöner Vogel. Darf ich ihm mal ‚Hallo‘ sagen?“ Und schon war er an dem kleinen Mann vorbei in die Hütte gesaust.

Professor Klecks reagierte schnell. Er sagte: „Und so ein schöner Käfig! Wo haben Sie den bloß her? Der ist ja etwas ganz besonderes. Das muss ich mir genauer ansehen!“ Er eilte auf der anderen Seite um den kleinen Mann herum und stand gleich darauf neben Flori vor dem Vogelkäfig.

Der Mann mit dem Schlapphut sah ihn verdutzt nach. Dann rief er: „Halt! Was fällt euch ein?“

„Guter Mann!“, rief Dr. Jup von draußen. „Ich bin Dr. Jup – ich meine, ich heiße Dr. Julia Prantz und ich muss mit Ihnen sprechen!“

„Wuff! Wuff! Wuff!“, bellte Igor und starrte ihn an.

„Ganz ruhig, Igor. Der Mann tut mir doch nichts. Und er sagt mir jetzt bestimmt auch, wie er heißt.“

„Roderik heiße ich und ich will nicht, dass ihr hier in meiner Burg rumlauft.“

Dr. Jup schüttelte den Kopf. „Hallo Roderik. Sie haben sich hier eine Hütte gebaut, aber die Burg gehört Ihnen nicht.“

„Doch natürlich.“ Roderik sah etwas unsicher zwischen Dr. Jup und Igor hin und her. „Ich habe sie von ihrem letzten Besitzer geerbt. Das habe ich doch schon gesagt.“

„Wann soll das denn gewesen sein?“

„Natürlich, als der letzte Besitzer gestorben ist.“

„Aber es stimmt nicht!“, rief Dr. Jup. „Der letzte Besitzer dieser Burgruine lebt noch.“

Professor Klecks hatte zugehört und kam nun mit Flori zur Tür zurück. „Du kennst den Besitzer dieser Burgruine?“, fragte er erstaunt.

„Wer ist es?“, wollte Flori wissen. „Haben Sie ihn schon mal getroffen?“

„Oh, sicher. Ich treffe ihn jeden Tag. Immer, wenn ich in den Spiegel sehe.“

„Wie, du bist es selbst?“, fragte Professor Klecks verwundert.

Dr. Jup nickte und wandte sich wieder Roderik zu. „Diese Burgruine gehört tatsächlich mir. Deshalb weiß ich auch, dass Sie hier unerlaubt wohnen. Also: Was machen Sie hier?“

Roderik sah unruhig von einem zum anderen. „Äh … ich wollte … ich habe … ich bin … nein, ich soll für …“ Sein Murmeln wurde immer leiser und brach schließlich ganz ab. Dann senkte er den Kopf und schwieg.

„Ich wusste gar nicht, dass dir eine Burgruine gehört“, sagte Professor Klecks. Seit wann das denn?“

„Schon eine ganze Weile. Ich habe sie wirklich von meiner Großmutter geerbt, außerdem den Hügel, den Wald und das ganze Gebiet bis zum Wildbach hinunter.“

„Dann sind Sie ja eine Burgherrin“, rief Flori begeistert und verbeugte sich schmunzelnd.

Dr. Jup lachte. „Na ja, eher eine Burgruinenherrin.“ Dann sah sie Roderik an. „Und als solche sage ich, Sie können hier nicht einfach so wohnen.“

Roderik sah von einem zum anderen. Dann erklärte er: „Gut, dann gehe ich wieder. Lasst mir aber bitte ein paar Tage Zeit. Ich packe alles ein und verschwinde von hier.“

Dr. Jup nickte. „Kommen Sie bei mir vorbei, wenn Sie soweit sind. Dann helfen wir Ihnen.“

Die gingen hinaus und während Roderik hinter ihnen die Tür der Hütte schloss, murmelte Professor Klecks: „Wie seltsam!“

Flori zupfte ihn am Ärmel und flüsterte: „Aber wo ist denn nun Tante Klara?“

… Fortsetzung folgt …