Folge 25: Zurück beim Leuchtturm

Flori suchte währenddessen mit dem Fernrohr den Horizont ab, aber außer der Aurora war nichts und niemand zu sehen. Langsam wurde es dunkel.

Sie schliefen und steuerten wieder abwechselnd. Als die Sonne aufging, sahen sie die Aurora nicht weit entfernt fahren. Anna stand am Steuer und winkte ihnen zu.

„Die Windsbraut ist noch immer nicht zu sehen“, brummte Kapitän Seebär Stunden später. „Wahrscheinlich ist sie längst dort.“

„Und du meinst, Kapitän Olafson hat den Turm bekommen?“

„Das glaube ich nicht“, murmelte Flori. Er sah wieder durch das Fernrohr.

„Du glaubst nicht, dass er den Turm bekommen hat?“, fragte Professor Klecks.

„Ich glaube nicht, dass er schon dort ist“, sagte Flori.

„Aber er hatte einen großen Vorsprung und wird … Da ist sie!“, rief Kapitän Seebär aufgeregt.

„Die Windsbraut?“

„Nein, die Leuchtturminsel!“

Kurz darauf legte die Seerose gleichzeitig mit der Aurora an. Alle stiegen an Land, wo bereits der Leuchtturmwärter wartete.

„Wo ist denn der Dritte?“, fragte er verwundert.

„Ist er nicht hier?“ Anna sah sich erstaunt um. „Wir dachten, er wäre vor uns.“

„Nein, er ist weg!“, rief Flori. Tante Klara auf seiner Schulter nickte aufgeregt. „Donnerwetter! Weg! Ping!“

„Wieso weg? Meinst du, er hatte keine Lust mehr?“, fragte der Leuchtturmwärter. „Kommt erst mal rein und dann erzählt mir alles.“ Er ging voraus in den Turm.

„Ja, Flori, wieso weg?“, fragte Adrian.

Flori lachte. „Einfach weg. Er hat sich verirrt.“

„Unsinn, er ist ein erfahrender Kapitän, er verirrt sich nicht“, brummte Kapitän Seebär.

„Doch, tut er. Als er mich mit den Sachen auf sein Schiff geschickt hat, habe ich von der Goldhasel ein klebriges Blatt abgemacht.“

„Warum das?“, fragte Professor Klecks.

„Ich hatte noch den kleinen Magneten in der Tasche. Mit dem Blatt habe ich ihn unter dem Kompass der Windsbraut angeklebt und deshalb zeigt der jetzt falsch an.“

„Ha!“ Anna klatschte in die Hände. „Und nun fährt Kapitän Olafson durchs Gelbe Meer und sucht die Leuchtturminsel.“

„Bravo, das hat er verdient, Flori“, rief Professor Klecks und lachte. „Wärest du Tante Klara, würde ich dir jetzt eine Erdnuss geben.“

Auch Flori lachte. „Wäre ich Tante Klara, würde ich sagen: „Donnerwetter! Kuckuck! Ping!“ Er breitete die Arme aus und verbeugte sich.

Nun lachten alle. Zusammen gingen sie in den Leuchtturm.

Der Leuchtturmwärter bot ihnen Tee und Kekse an. Dann setzte er sich zu ihnen und räusperte sich.

„Also“, begann er. „Ich habe mir eure Schiffe angesehen. Ihr habt sicher beide eure Baupläne dabei“, hier nickten Anna und Kapitän Seebär eifrig, „aber ich kann mich einfach nicht entscheiden, wer von euch den Turm haben soll.“

„Gib ihr den Turm!“ „Gib ihm den Turm!“ Anna und Kapitän Seebär hatten gleichzeitig gesprochen.

„Was?“, fragte der Leuchtturmwärter. „Warum?“

„Sie hat ihn verdient. Sie hat uns geholfen“, erklärte Kapitän Seebär.

„Ohne ihn wären wir alle noch gar nicht hier“, warf Anna ein.

Und sie erzählten, was bei der Suche passiert war. Der Leuchtturmwärter hörte gespannt zu. Einmal schlug er mit der Faust auf den Tisch und rief: „So ein Schurke!“ und einmal klopfte er Flori begeistert auf die Schulter.

„Was für ein Erlebnis!“, rief er schließlich. „Meine Tochter wird Augen machen, wenn ich ihr das erzähle.“ Er überlegte kurz, dann sagte er: „Wisst ihr was? Hier ist so viel Platz. Ich gebe den Leuchtturm euch beiden. Was meint ihr dazu?“

„Eine Superidee!“, rief Adrian und sprang auf. „Oder was meint ihr?“

Anna und Kapitän Seebär sahen sich an. Dann lächelten beide und nickten. „Ja, eine Superidee! Danke!“

„Also ist es abgemacht!“ Der Leuchtturmwärter stand auf und reichte beiden die Hand. „So, versprochen. Ab nächste Woche könnt ihr einziehen. Aber jetzt wird gefeiert!“

„Prima“, rief Kapitän Seebär. „Und morgen bringe ich Flori und den Professor nach Hause. Darf Jacko solange hier bleiben? Er schwimmt so gerne.“

„Klar, wir sind ja hier“, rief Adrian. „Und wir passen auf. Falls dieser Brüllaffe doch noch herfindet, jagen wir ihn davon.“

Der Leuchtturmwärter zündete ein Lagerfeuer an und holte sein Radio herbei.

Sie aßen, tranken, lachten zusammen und erzählten noch Geschichten, als es längst dunkel war und die Sterne über ihnen leuchteten.

***

Am nächsten Morgen begann die Heimreise und ein paar Tage später setzte Kapitän Seebär Flori und Professor Klecks bei ihrem Haus ab. Missy stieg mit aus und schlich maunzend hinüber zu Frau Hasemantel.

Kapitän Seebär verabschiedete sich herzlich und Professor Klecks rief: „Fahr vorsichtig, Bruno, du weißt ja: Gartenzaun voraus!“

„Gute Fahrt und viele Grüße!“, rief Flori und Tante Klara schlug eifrig mit den Flügeln. „Kuckuck! Kuckuck! Donnerwetter! Ping!“

Sie winkten und schauten der Seerose nach, bis sie nicht mehr zu sehen war.

-> Ende des zweite Abenteuers <-

Folge 24: Eingesperrt!

„Wo ist Missy?“, fragte Flori. „Hat er ihr weh getan?“

„Unter dem Schrank“, antwortete Professor Klecks. „Hier, nimm die Lampe.“ Er reichte Flori die Taschenlampe und bückte sich selbst hinunter, so weit er konnte.

Flori legte sich vor dem Schrank auf den Bauch und leuchtete. „Komm raus, Missy. Er ist weg.“

Missy drückte sich an die Seite und fauchte.

„Ja, ich weiß“, murmelte Flori. „Aber er ist wirklich… – Was ist das denn?“

„Eine ängstliche Katze?“, fragte Adrian.

„Nein, was Gelbes. Es steckt hinter dem Schrank.“ Flori streckte den Arm aus.

„Gelb? Papier vielleicht?“, fragte Kapitän Seebär aufgeregt. „Warte Flori, lass mich mal.“

Er öffnete den Schrank und löste eine Schraube in der Rückwand. „Ich habe ihn an der Wand festgeschraubt, damit er bei Seegang nicht umfällt“, erklärte er. „Fass mal mit an, Adrian.

Gemeinsam rückten sie den Schrank von der Wand. Missy sauste hervor und verschwand unter Floris Koje, doch im Moment achtete niemand darauf. Kapitän Seebär hatte ein großes gelbes Stück Papier aufgehoben.

„Ist das der … der Bauplan?“, fragte Professor Klecks.

„Der Bauplan, ja, das ist er, zum Donnerwetter! Er war hinter den Schrank gerutscht.“

„Endlich haben Sie ihn gefunden!“, rief Flori.

„Ja, durch Missys und deine Hilfe“, nickte Kapitän Seebär. „Aber jetzt ist es zu spät.“

„Vielleicht nicht!“, rief Anna. „Erst einmal müssen wir hier raus. Wie klug ist dein Vogel, Flori?“

„Sehr klug, was soll er tun?“ Flori sah zu, wie Anna den Schlüssel aus dem Schlüsselloch stieß und verstand, was sie wollte. Er kletterte auf seine Koje, öffnete das Bullauge und rief Tante Klara. Sie kam fast sofort.

Flori zeigte ihr die Tür und das Schlüsselloch. „Wir brauchen den Schlüssel. Er liegt draußen vor der Tür. Kannst du den holen?“

„Kuckuck! Ping! Kuckuck!“ Tante Klara nickte auf und ab und flog los. Flori hörte sie vor der Tür landen und kurz darauf erschien sie wieder mit dem Schlüssel im Schnabel. „Donnerwetter! Ping!“

„Das meine ich auch!“, rief Kapitän Seebär. „Du bist der tollste Papagei, den ich kenne. Jetzt aber raus hier. Schließ auf, Flori.“

Wieder an Deck stellten sie fest, dass Kapitän Olafson alle Sachen mitgenommen hatte.

„Wir müssen sie neu suchen“, rief Anna. „Ich hole die Setzlinge für uns.“

„Und ich suche Kokosnüsse“, erklärte Professor Klecks.

„Dann schicke ich Jacko wegen der Muscheln und hole Säckchen zum Verpacken“, ergänzte Kapitän Seebär.

Flori hatte inzwischen Tante Klara mit Erdnüssen gefüttert. Nun saß er an Deck und streichelte Missy, bis sie sich wieder ganz beruhigt hatte.

Bald darauf war alles erneut zusammengesucht. Sie teilten die Dinge genau auf und brachten sie an Bord der Aurora und der Seerose.

„Fahrt ihr voraus“, sagte Kapitän Seebär zu Anna und Adrian. „Ohne euch hätten wir die Goldhasel nie gefunden.“

„Nein, ihr“, wehrte Anna ab. „Ohne Jacko hätten wir noch immer keine Muscheln. Und ohne Tante Klara säßen wir noch unter Deck.“

„Fahren wir doch gemeinsam“, schlug Professor Klecks vor. „Soll doch der Leuchtturmwärter entscheiden. Hauptsache, wir kommen vor diesem Brüllaffen Kapitän Olafson an.“

„Recht hat er“, rief Adrian, „Leinen los und volle Fahrt voraus.“

Kapitän Seebär nahm Jacko an Bord, Missy legte sich schnurrend neben ihn, und beide Schiffe fuhren ab in Richtung Leuchtturminsel.

„Hat die Windsbraut einen großen Vorsprung?“, fragte Flori besorgt.

„Ich denke schon“, überlegte Professor Klecks.

„Ganz sicher“, bestätigte Kapitän Seebär. „Ich weiß nicht, ob wir sie überhaupt einholen können.“

„Und wenn nicht?“, fragte Professor Klecks.

… Fortsetzung folgt …

Folge 23: Alle helfen mit! Oder?

Plötzlich schlug Tante Klara mit den Flügeln. „Donnerwetter! Kuckuck! Kuckuck! Ping!“ Sie flog eine Runde um den Mast und landete auf Floris Schulter.

„Hast du etwas gesehen?“, fragte Flori aufgeregt.

Tante Klara nickte heftig mit dem Kopf und Kapitän Seebär riss das Fernrohr hoch. „Land in Sicht!“, rief er und zeigte nach vorn. „Insel voraus! Wir sind bald da!“

„Ough! Ough!“

„Ja natürlich, Jacko!“ Kapitän Seebär nickte. „Gleich kannst du endlich wieder schwimmen.“ Er öffnete das Tor in der Reling. Sofort sprang Jacko kopfüber ins Wasser.

Missy miaute entsetzt und sah ihm nach, aber Flori beruhigte sie: „Er kommt ja wieder, er kann doch schwimmen.“

Kapitän Seebär steuerte die Seerose zu einer flachen Stelle und fuhr aus dem Wasser. Die Aurora ankerte bereits und Flori beobachtete durch das Fernrohr, wie nun auch die Windsbraut die Insel erreichte.

Alle zusammen trafen sich am Strand. „Die Sachen suchen sollten wir gemeinsam“, überlegte Kapitänin Anna.

Kapitän Seebär nickte. „Umso schneller haben wir alles und die Wettfahrt zurück kann beginnen.“

„Na, dann los“, brüllte Kapitän Olafson. „Worauf wartet ihr denn?“

Grüne Kokosnüsse, aus denen eine Kokospalme wachsen könnte, waren schnell gefunden, doch unbeschädigte große Muscheln gab es an dieser Stelle der Insel nicht. Deshalb malte Professor Klecks eine in sein Notizbuch und zeigte sie Jacko. Der schwamm los und brachte kurz darauf für jeden eine wunderschöne Muschel.

„Fehlt noch dieser verdrehte Busch“, rief Kapitän Olafson.

„Er heißt geflochtene Goldhasel“, warf Adrian Sand ein. „Aber …“

„Ja, ja, egal“, unterbrach ihn Olafson. „Weiß einer von euch, wie der aussieht?“

Professor Klecks nickte. „Ja, ich. Er trägt viele gelbe Blüten, innen mit weißem Punkt, und duftete ein bisschen wie Ananas. Leider blüht er erst in ein oder zwei Monaten.“

„Wie sollen wir ihn da bei all dem Grünzeug hier finden?“, fragte Olafson wütend.

„Ich kenne die Blätter“, erklärte Kapitänin Anna. „Kommt mit, wir holen uns kleine Setzlinge.“

Sie gingen eine kleine Strecke in den Wald. Dort zeigte Anna ihnen die gesuchten Büsche und warnte: „Achtung, die Blätter sind klebrig.“ Vorsichtig gruben sie drei Setzlinge aus.

„Hoffentlich bringen wie die heil zum Leuchtturm“, überlegte Anna. „Sie sind sehr empfindlich.“

Kapitän Seebär kratzte sich am Hinterkopf. „Ich habe auf der Seerose ein paar Säckchen. Jeder könnte seins reinstellen und sicher transportieren.“

„Sehr gut“, brüllte Olafson. „Auf zur Seerose!“

Zurück am Strand kletterten alle an Bord. Kapitän Seebär führte sie hinunter in die Kombüse. Auf der Treppe wäre Olafson beinahe über Missy gefallen, die nachsehen wollte, was los war. Wütend brüllte er los und trat nach ihr. Missy flitzte erschrocken unter den kleinen Schrank.

„He, was soll das?!“, rief Professor Klecks.

„Ruhe im Schiff!“, brüllte Kapitän Olafson. „Ihr bleibt hier. Komm mit, Flori!“ Er zerrte Flori die Stufen wieder hinauf und schloss die Tür nach unten ab. Man hörte Rufen und Klopfen von unten.

„Was tun Sie denn?“, rief Flori. Warum sperren Sie…“

„Still! Komm mit!“

„Donnerwetter! Ping!“, schrie Tante Klara vom Seil am Mast und schlug mit den Flügeln.

Am Strand sammelte Olafson alle Muscheln, Kokosnüsse und Setzlinge ein und legte sie in sein kleines Beiboot. „Los, Flori, rein mit dir!“, kommandierte er.

„Wollen Sie mich etwa auch mitnehmen?“, fragte Flori entsetzt.

„Unsinn, du sollst für mich klettern.“ Er ruderte bis zur Windsbraut. Dort hielt er sich  an einer Strickleiter fest, die von oben bis ins Wasser reichte und schickte Flori mehrfach hinauf, bis alle Sachen sicher an Bord waren. Dann brachte er Flori zurück zur Seerose und sperrte ihn zu den anderen unter Deck ein. Alle riefen und schimpften durcheinander.

„Nur keine Aufregung“, brüllte Kapitän Olafson. „Lasst es euch gut gehen. Ich grüße den Leuchtturmwärter von euch und sage ihm, dass ihr aufgegeben habt, weil die Windsbraut die schnellste ist.“ Dann stapfte er mit lautem Lachen davon.

Die Eingeschlossenen sahen sich erschrocken an.

„So ein gemeiner Kerl!“ „Er hat uns eingesperrt!“ „Was machen wir denn jetzt?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 22: Auf der Suche

„Wir können erst einmal Frau Hasemantel anrufen, damit sie weiß, wo Missy ist. Ich frag nach einem Telefon, wenn der Leuchtturmwärter zurück ist.“

Frau Hasemantel war überglücklich. „Meine Missy! Eine Seefahrt! Nein, sowas!“, rief sie immer wieder und Professor Klecks konnte nur mit Mühe das Telefongespräch beenden.

In der Zwischenzeit hatte der Leuchtturmwärter auch die Seerose besichtigt. Alle Anwesenden standen jetzt zusammen vor dem Leuchtturm und der Leuchtturmwärter erklärte: „Die drei Schiffe sind wirklich gut gebaut und wunderschön.“

„Aber das seetüchtigste ist die Windsbraut“, rief Kapitän Olafson.

„Kein Grund, so zu brüllen!“, fuhr ihn Adrian an. „Außerdem stimmt es nicht. Die Aurora ist mindestens genauso seetüchtig!“

„Und die Seerose auch“, rief Flori.

„Richtig, was soll der Streit“, warf Kapitänin Anna ein. „Lasst den Leuchtturmwärter entscheiden. Es ist doch sein Turm.“

Alle außer Olafson nickten. Der Leuchtturmwärter kratzte sich am Hinterkopf. „Es fällt mir schwer, den Turm aufzugeben“, begann er. „Aber ich freue mich darauf, bei meiner Tochter zu wohnen. Dort habe ich einen kleinen Garten und kann Blumen und Sträucher pflanzen, vielleicht sogar einen Baum.“

„Ja, und?“, brummte Olafson.

„Donnerwetter! Ping!“ Tante Klara wippte auf Floris Schulter mit dem Kopf auf und ab.

„In meinen Garten möchte ich Muscheln legen, damit sie mich ans Meer erinnern. Ich möchte versuchen, eine Kokospalme zu pflanzen und ich möchte eine Hecke anlegen aus geflochtener Goldhasel, denn die blüht wunderschön und duftet herrlich.

„Ja, und?“, brummte Olafson wieder. Jetzt sah Anna ihn böse an.

Der Leuchtturmwärter schaute in die Runde. „Ihr werdet mir diese Sachen holen. Es gibt eine Insel im Gelben Meer, ziemlich entfernt von hier, aber ich zeige sie euch auf meiner Seekarte. Da findet ihr das alles. Ich denke, das seetüchtigste Schiff ist am schnellsten wieder hier.“

„Und dieser Kapitän bekommt den Turm“, nickte Kapitän Seebär. „Zeig uns die Insel und los geht es!“

Kurz darauf waren alle unterwegs. Kapitän Seebär hatte ein Kreuz auf seine Seekarte gemacht. Flori stand neben dem Tisch mit dem Kompass und fragte: „Wie weit ist das denn? Brauchen wir lange?“

„Bis morgen Mittag werden wir wohl fahren“, überlegte Kapitän Seebär. Wir werden uns mit dem Steuern abwechseln.“

„Die ganze Nacht hindurch?“

„Ja, sicher.“ Er drehte am Kompass. „Jetzt ist er eingestellt. Wir fahren nach Nordosten. Und die Kompassnadel muss immer genau auf dem ‚N‘ für Norden stehen. Dann kommen wir richtig an.“

Flori nickte. Auch er durfte immer wieder mal steuern und zwischendurch beobachtete er die anderen beiden Schiffe.

Langsam wurde es dunkel. Jacko und Missy hockten bei ihrem Seilhaufen und Tante Klara schaukelte auf einem Seil am Mast. Man schlief abwechselnd.

Als Flori am nächsten Morgen erwachte, war die Seerose allein auf dem Wasser.

„Wo sind die anderen?“, fragte Flori und suchte mit dem Fernrohr des Kapitäns das Meer ab.

„Entweder weit vor uns oder weit hinter uns“, überlegte Professor Klecks. „Was meinst du, Bruno?“

„Keine Ahnung!“ Kapitän Seebär zuckte mit den Schultern. „Im Moment weiß ich nur, dass ich Hunger habe.“

„Dann machen wir Frühstück“, rief Flori und verschwand zusammen mit Professor Klecks unter Deck.

Einige Zeit später waren alle satt. Professor Klecks stand am Steuer und Kapitän Seebär hielt Ausschau mit dem Fernrohr. Flori stellte sich neben ihn, aber so sehr sie auch schauten, es war nichts außer Wasser zu sehen.

„Zeigt die Kompassnadel noch richtig, Josef?“

„Ja, Bruno, genau nach Norden“, kam die Antwort.

„Dann müssten wir doch etwas sehen“, murmelte Kapitän Seebär und sah wieder durch das Glas.

Flori wurde unruhig. „Kapitän, kann es sein, dass wir an der Insel vorbeigefahren sind?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 21: Die Leuchtturminsel

Kurze Zeit später erreichten sie die Anlegestelle an der Leuchtturminsel. Zwei andere Schiffe lagen schon da. Eines war die ‚Windsbraut‘. Flori erkannte das Schiff, das sie am Windloch abgedrängt hatte. An dem anderen stand der Name ‚Aurora‘. Von diesem Schiff aus hatte der bärtige Schiffer unterwegs Hilfe angeboten.

Kapitän Seebär kletterte an Land und begrüßte den Leuchtturmwärter. Dann winkte er Professor Klecks und Flori herbei. „Hier, ich habe Freunde mitgebracht.“

„Und haben Sie auch den Bauplan dabei?“, fragte der Leuchtturmwärter.

Ehe Kapitän Seebär antworten konnte, ertönte eine laute Stimme. „Hallo zusammen. Da seid ihr ja. Habt euch ziemlich Zeit gelassen.“ Der Kapitän der Windsbraut kam herbei, verbeugte sich übertrieben höflich und rief: „Olaf Olafson mein Name, Kapitän des schönsten Schiffes im Gelben Meer – der Windsbraut.“

„Nun brüll mal nicht so, Olaf.“ Aus dem Leuchtturm trat der bärtige Schiffer und hinter ihm folgte eine Frau.

„Adrian Sand“, brüllte Kapitän Olafson kein bisschen leiser als vorher. „Was machst du denn hier?“

Flori sah verdutzt von einem zum anderen und Professor Klecks sagte: „Sie haben uns helfen wollen. Sind Sie der Kapitän der Aurora?“

„Nein, nein, der Kapitän der Aurora ist sie, Anna Sand, meine Schwester.“ Er drehte sich um zu Olaf und ergänzte, „die beste Kapitänin auf dem besten Schiff, und nicht nur im Gelben Meer!“

„Immer mit der Ruhe“, sagte Anna und reichte Kapitän Seebär die Hand. „Ich bin Anna.“

„Oh – äh“, sagte Kapitän Seebär und dann noch: „Donnerwetter!“

Anna lachte und begrüßte nun auch die anderen. Dann sagte sie: „Der Leuchtturmwärter hat uns erzählt, dass weitere Bewerber kommen. Aber er sagte nicht, dass sie so schöne Schiffe haben.“

„Und auch nicht, wie langsam oder schnell sie sind!“, brüllte Kapitän Olafson dazwischen.“

„Das ist nicht das Wichtigste“, erklärte der Leuchtturmwärter. „Wir suchen den Kapitän“, er lächelte Anna an, „oder die Kapitänin mit dem schönsten seetüchtigen, selbstgebauten Schiff.“

„Wollen denn noch andere den Turm gewinnen?“, fragte Flori.

„Ein paar waren schon hier. Aber ich habe sie wieder weggeschickt. Jeder kann sagen, er hätte sein Schiff selbst gebaut. Aber sie hatten keinen Bauplan als Beweis dabei.“

„Ja, dann“, begann Kapitän Seebär, doch Professor Klecks fiel ihm ins Wort: „Dann können sie den Turm natürlich nicht bekommen.“

„Ough! Ough!“ Jacko und Missy kamen gemeinsam auf die Gruppe zu. „Wie hübsch!“, rief Anna und bückte sich, um beide zu kraulen.

„Ich mag keine Katzen!“, brüllte Kapitän Olafson, und mit einem Seitenblick auf Tante Klara, die auf Floris Schulter saß: „Und Papageien auch nicht! Wie geht es jetzt weiter?“

„Donnerwetter! Ping!“, rief Tante Klara und plusterte erbost die Federn.

Der Leuchtturmwärter war inzwischen zu den Schiffen gegangen. Er betrachtete sie von allen Seiten und stieg dann an Bord. Den Anfang machte er bei der Windsbraut. Kapitän Olafson führte ihn mit lauter Stimme herum.

Professor Klecks nahm Kapitän Seebär zur Seite. „Kopf hoch, Bruno. Lass ihn erst einmal sehen, wie schön du deine Seerose gebaut hast. Vielleicht überlegt er es sich dann.“

Flori hatte eine Idee. „Können Sie nicht einfach einen neuen Bauplan zeichnen? Sie haben den alten doch auch gemacht.“

Kapitän Seebär schüttelte den Kopf. „Nicht hier. Viel zu kompliziert. Und es dauert auch zu lange.“

„Ist etwas nicht in Ordnung?,“, fragte Anna.

„Nein, alles gut!“, entgegnete Professor Klecks.

„Prima, dann führte ich jetzt den Leuchtturmwärter auf der Aurora herum. Bis später.“

Kapitän Seebär saß am Strand auf einem Stein, den Kopf in die Hände gestützt und seufzte.

„Professor, wir müssen ihm helfen“, wisperte Flori. „Was können wir bloß tun?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 20: Ist es zu spät?

„Wir haben uns nicht verirrt. Aber wir machen gerade einen großen Umweg. Da soll doch einer … ! Zum Donnerwetter nochmal!“ Kapitän Seebär schimpfte vor sich hin, eilte vom Steuer zum Segel und zurück und schaute immer wieder auf Kompass und Seekarte.

Flori betrachtete den Magneten in seiner Hand. „Professor, warum macht so ein kleiner Magnet so großes Durcheinander?“

„Er ist wirklich recht klein“, stellte Professor Klecks fest. „Das sollten wir zu Hause mal genauer untersuchen“, und schrieb in sein Notizbuch: „Magnet erforschen!“

Flori zog die Schrauben vom Magneten, legte sie wieder in die Schublade und steckte den Magneten erst einmal in seine Hosentasche.

„Ough! Ough!“ „Chrrrrrrrr.“ Missy und Jacko saßen zusammen bei der Seilhaufen und fühlten sich wohl. Tante Klara betrachtete von ihrem Ausguck auf dem Seil über dem Kartentisch das Meer.

„Ist es noch weit, Kapitän?“, fragte Flori und gähnte. Der Kapitän nickte. „Ja, leider, Flori. Und wir haben viel Zeit verloren. Leg dich ein bisschen schlafen. Professor Klecks und ich steuern abwechselnd.“

„Aber ich will lieber wach sein“, erklärte Flori.

„Dann setz dich zu Jacko und Missy zwischen die Seile“, schlug Professor Klecks vor. Das tat Flori. Und war kurz darauf eingeschlafen.

Flori erwachte, weil etwas ihn an der Schulter rüttelte. Er öffnete ein Auge und sah, dass er in seiner Koje lag. Davor stand Professor Klecks. „Wach auf, Flori.“

„Was ist?“, fragte Flori verschlafen.

„Wir sind gleich da. Du willst doch bestimmt dabei sein, wenn wir ankommen.“

‚Ankommen? Wo? Dabei sein? Bei was?‘ Er richtete sich halb auf und sah sich um. ‚Ein Bullauge… in einer Kajüte…‘ Plötzlich fiel ihm alles wieder ein. „Ja, sicher will ich dabei sein!“, rief er und sprang aus der Koje. „Sind wir schon am Leuchtturm?“

„Fast!“, rief Professor Klecks ihm nach, denn Flori war schon die Stufen hinaufgesaust. Oben angekommen schaute er sich um, sah aber überall nur Wasser.

„Kein Leuchtturm?“, fragte Flori enttäuscht.

„Doch“, erwiderte Kapitän Seebär. Er reichte ihm sein Fernrohr und zeigte über die Spitze der Seerose aufs Meer. „Da hinten, am Horizont. Das ist da, wo Wasser und Himmel zusammentreffen.“

Flori musste ein bisschen suchen, aber dann sah er den Leuchtturm durch das Fernrohr. „Ich sehe auch Schiffe!“, rief er. „Zwei liegen gleich daneben im Wasser.“

„Sie ankern da. Das sind sicher die beiden, die ans uns vorbei kamen“, überlegte Professor Klecks.

Kapitän Seebär nickte. „Und da drüben“, erzeigte nach rechts, „kommt noch eins.“

„Wollen die alle Ihren Turm haben?“, fragte Flori.

„Leider ist es noch nicht mein Turm“, brummte Kapitän Seebär. Wir sollten uns wohl besser beeilen.“

Flori ging zur Spitze der Seerose und Tante Klara landete auf seiner Schulter. Missy folgte ihm und strich nun um seine Beine. „Chrrrrr, chrrrrrr.“

„Fchchchchcch, fchchchchch“, machte Tante Klara und schüttelte sich.

Missy sah verwundert hoch. „Donnerwetter! Ping!“, rief Tante Klara und stellte die Federn auf. Missy stand einen Moment still. Dann drehte sie sich um und legte sich wieder neben Jacko auf den Seihaufen. „Chrrrrr!“

„Lass sie in Ruhe“, sagte Flori. „Sie tut dir doch nichts.“

Tante Klara rieb ihren Kopf an Floris Wange. „Chrrrrr“, machte sie dabei und dann ganz leise: „Ping!“, als Flori ihren Kopf kraulte.

Professor Klecks war hinter Flori an die Reling getreten. „Schau dir da drüben das Schiff an!“

„Es fährt schnell“, rief Flori. „Schneller als wir?“

„Es sieht fast so aus.“

„Aber Professor, wir werden zu spät kommen! Können wir denn nichts tun?“

… Fortsetzung folgt …

Folge 19: Das gelbe Meer

In aller Eile schoben sie die Seerose zurück ins Wasser und die Fahrt ging weiter. Es regnete heftig, einige Blitze zuckten, der Donner grollte, doch zum Glück hielt das Gewitter nicht lange an.

Kapitän Seebär stand am Steuer und zeigte voraus auf eine schmale Felswand mitten im Wasser.

„Siehst du die Wolke oben am Berg, Flori? Sie umhüllt die Nebelspitze. Vor uns teilt sich der Fluss. Wir fahren links. Wenn wir hier vorbei sind, fahren wir direkt bis ins Gelbe Meer.“

„Ist das Wasser da gelb?“, fragte Flori und sah durch das Fernrohr des Kapitäns.

„Nein, aber manchmal scheint es so. Das Wasser ist ganz klar und der Meeresboden besteht aus gelbem Sand.“

„Es ist auch recht flach und hat viele Inseln, ebenfalls mit gelbem Sand“, ergänzte Professor Klecks.

„Und auf einer davon steht der Leuchtturm, den Sie gewinnen wollen?“

„Ja, Flori, und deshalb müssen wir uns jetzt beeilen. Halt das Steuer fest, ich setze noch ein Segel. Dann geht es schneller.“

„Ough! Ough! Ough!“

„Später kannst du schwimmen, Jacko. Jetzt beeilen wir uns erst einmal.“ Kapitän Seebär und Professor Klecks hissten ein weiteres Segel und die Seerose fuhr schneller. Die Felswand mit der Nebelspitze blieb zurück und das Land wurde flacher. Vor ihnen breitete sich eine riesige Wasserfläche aus.

„Da ist es, Flori, das Gelbe Meer. Und jetzt immer nach Westen – einfach geradeaus.“

Flori schaute auf dem Kartentisch nach. „Das ist da, wo der Kompass hinzeigt, stellte er fest. ‚W‘ wie Westen.“

„Nein, nein, ein Kompass zeigt immer nach Norden. Das liegt am Magnetfeld der Erde.“ Kapitän Seebär zeigte auf die Kompassnadel und riss die Augen auf. „Ja, zum Donnerwetter! Norden ist beim ‚N‘. Was tut er denn da?“

„Er zeigt zum ‚W‘.“ Professor Klecks kam dazu. „Das habe ich dir doch schon gesagt.“

„Aber das darf er nicht.“

„Kuckuck! Quatschkompass! Ping!“ Tante Klara schüttelte sich heftig.

Kapitän Seebär klopfte auf den Kompass. „Was hast du denn?“, fragte er ratlos.  „Bist du kaputt?“

„Ist er richtig angeschraubt?“, fragte Professor Klecks.

„Ja, sicher, schon lange, und er hat immer richtig angezeigt.“

Flori bückte sich und sah unter den Tisch. „Hier ist eine Schublade, Kapitän.“

„Lauter Kleinkram drin, Flori. Was ich so in meinen Taschen finde, aber eigentlich gerade nicht brauche, lege ich da rein.“

„Darf ich?“ Flori zog am Griff.

„Vorsicht, nicht zu weit ziehen, sonst fällt sie raus.“ Kapitän Seebär beugte sich vor. „Na, was ist drin?“

Flori fand einen alten Lappen, einen Schreibblock mit Stift, Hammer, Zange, Schraubendreher und einen Klumpen kleiner Schrauben.

„Schade, kein Bauplan“, sagte Professor Klecks enttäuscht.

„Ja, leider.“ Flori kramte noch immer. „Warum machen diese Schrauben einen Klumpen?“ Er nahm eine Schraube und alle anderen kamen mit.

„Ein Magnet!“, rief Professor Klecks. „Bruno, guck mal!“

„Was? Ach du Schreck!“ Kapitän Seebär griff nach dem Schraubenbündel und hielt es vom Tisch weg. „Der Magnet hat den Kompass verwirrt. Wohin zeigt er jetzt, Flori?“

„Auf das ‚N‘, also nach Norden.“

„Dann fahren wir in die falsche Richtung. Hier, nimm das und geh einen Schritt zurück!“ Er drückte Flori die Schrauben in die Hand und drehte am Steuerrad. „Zeig mir die Seekarte, Josef!“

„Haben wir uns verirrt?“, fragte Flori erschrocken.

… Fortsetzung folgt …

Folge 18: Ein blinder Passagier

„Da ist eine… oh, da kommt sie!“

Sie sahen eine Pfote, eine Nase mit Schnurrhaaren, dann Augen und schließlich kroch eine grau-braune Katze unter dem Schrank hervor. Sie streckte eine Pfote nach dem Wurststückchen aus.

„So ist es gut, ja, das ist für dich“, sagte Flori leise. Doch dann riss er erstaunt die Augen auf. Die Katze sah erst ihn an, dann Professor Klecks, dann wieder ihn – und schnurrte.

„Flori, das ist ja …“ Professor Klecks schwieg erschrocken.

„Ja, Professor. Das ist Missy. Aber wie kommt die Katze von Frau Hasemantel hier an Bord?“

„Was ist denn los?“, rief Kapitän Seebär von oben.

Professor Klecks ging zur Treppe. „Du wirst staunen, Bruno. Wir haben einen blinden Passagier an Bord.“

„Wieso blind?“, fragte Flori verwundert. „Missy sieht doch sehr gut, sogar im Dunkeln.“ Er streichelte ihren Kopf und Missy schnurrte erfreut.

„Blinder Passagier sagt man, wenn jemand mitfährt, ohne dass es einer weiß“, erklärte Professor Klecks. „Oder wusstest du von Missy?“, rief er die Stufen hinauf.

„Wer ist Missy? Kommt doch mal rauf.“

„Sofort!“ Alle zusammen stiegen die Treppe nach oben. Tante Klara flog voraus und landete auf einem über dem Kartentisch gespannten Seil.

„Kuckuck! Missy! Ping!“

„Ough! Ough!“ Jacko kam näher und wollte Missy begrüßen, doch Flori hielt ihn auf.

„Warte, Jacko. Sie hat Angst vor dir.“ Doch da irrte Flori sich. Jetzt, da Jacko still saß, schnupperte Missy, sah sich um und ging dann auf den Seehund zu, ganz nah ran, stupste ihn an und rieb ihren Kopf an seinem. „Rrrrrrrrrr, maaauuu!“, schnurrte sie und streifte an ihm entlang.

„Sie mögen sich !“, stelle Kapitän Seebär erstaunt fest. „Wie kommt das denn?“

„Er riecht nach Fisch“, überlegte Professor Klecks. „Und Missy liebt Fisch.“

„Deshalb ist sie zu Hause an Bord geschlichen?“, fragte Flori. „Und dann hat sie Angst gekriegt und sich versteckt?“

„Darum war auch das Futter von Jacko weg, obwohl er noch gar nicht gefressen hatte“, brummte Kapitän Seebär.

„Fchchch!“, hörten sie, aber dieses Mal war es Tante Klara. „Donnerwetter! Ping!“

„Wir müssen Frau Hasemantel Bescheid sagen, Bruno. Sie macht sich bestimmt Sorgen.“

„Ja, aber von hier kann ich nicht telefonieren. Doch ich habe die Seerose repariert, wir können also weiterfahren. Und sobald es geht, rufen wir bei Frau Hasemantel an.“

Es war in der Zwischenzeit immer dunkler geworden und nun fielen schwere Regentropfen. Kapitän Seebär überlegte gerade, ob er das Gewitter abwarten sollte, als eine laute Stimme ertönte: „Ahoi! Alles in Ordnung?“

Alle sahen sich um. Auf dem Fluss kam ein wunderschönes Schiff gesegelt. An Deck stand ein bärtiger Mann, winkte und rief: „Braucht ihr Hilfe?“

„Nein, danke“, rief Kapitän Seebär zurück. „Alles in Ordnung. Wohin geht die Reise?“

„Zum Leuchtturm! Gute Fahrt!“, rief der andere und schon war er vorbei und verschwand um die nächste Biegung des Flusses.

„Alle fahren zum Leuchtturm!“, rief Kapitän Seebär aufgeregt. Wir können nicht warten! Alle kommen vor uns an! Los, schiebt! Zieht! Wir müssen sofort abfahren! Schnell!“

… Fortsetzung folgt …

Folge 17: Seltsame Geräusche

„Wie groß der Schaden ist, weiß ich erst, wenn ich nachgesehen habe. Willst du mitkommen?“

Flori sah hinüber zu Professor Klecks. Der nickte ihm zu. „Geh nur, ich fange schon mal an, das Wasser auszuschöpfen. Da kannst du mir nachher helfen.“

Kapitän Seebär und Flori stiegen also an Land. Tante Klara saß dabei auf Floris Schulter und zusammen gingen sie ganz langsam um die Seerose herum. Jedes Brett, jeden Nagel, jeden Balken betrachtete Kapitän Seebär und Flori schaute genau zu.

„Hier hinten, am Heck, ist alles in Ordnung“, brummte Kapitän Seebär und ging weiter. „Hier auf der Steuerbordseite auch.“

„Also rechte Seite gut“, überlegte Flori.

„Oh, aber hier vorne…“ Kapitän Seebär kratzte sich am Kinn. „Unter dem Bug ist eine Planke eingedrückt. Das muss ich reparieren.“

Flori beugte sich vor und betrachtete den feinen Riss im Holz. Plötzlich hörte er „Ough, ough, ough!“, aber ganz leise und dumpf. Dann: „Fchchch, fchchch“ und wieder „Ough, ough!“ Etwas polterte.

„Jacko! Ping!“, rief Tante Klara und stellte die Federn auf.

„Das ist innen, Kapitän.“

„Ja, Jacko ist wohl ärgerlich“, überlegte Kapitän Seebär. „Ich repariere jetzt das Schiff. Du kannst dem Professor mit dem Wasser helfen.

Flori nickte. Doch zuerst legte er sein Ohr an das Holz der Seerose und lauschte. „Kann ein Seehund fauchen?“, überlegte er leise. Er spürte ein leichtes Zwicken an seinem Ohr. „Kuckuck, kuckuck! Ping!“

„Ja, du hast Recht. Wir sehen mal nach. Sei ganz leise jetzt.“ Tante Klara nickte mehrmals, schrie: „Jacko! Donnerwetter! Ping!“ und flog an Bord.

„Das hast du falsch verstanden“, rief Flori erschrocken. Doch dann musste er lachen und kletterte ihr nach. An Professor Klecks vorbei schlüpfte er die Treppe hinunter. Das Wasser war schon fast weg. Flori horchte. Er hörte Jacko patschen und ging dem Geräusch nach. Im Halbdunkel fand er den Seehund vor einem kleinen Schrank.

„Ough!“ Ough!“

„Was ist denn?“, fragte Flori leise.

„Fchchch!“ Etwas kratzte am Holz. Ein Flattern, und Tante Klara landete hinter Flori auf einem Regal. Jacko stupste ihn an und schaute unter den Schrank.

„Du meinst, da ist was drunter?“ Flori ging einen Schritt rückwärts und bückte sich. „Nichts zu sehen.“

„Ough! Ough!“ Jacko legte den Kopf auf den Boden und schnaufte leise.

„Wartet hier, ich brauche Licht“, erklärte Flori. Aus seinem Rucksack holte er eine kleine Taschenlampe. Dann kniete er vor dem Schrank, beugte sich tief hinunter und schaltete die Lampe ein.

„Oh!“ Zwei glühende Punkte starrten ihn aus der rechten Ecke an. Flori zuckte zurück, doch dann leuchtete er entschlossen ins Dunkel. „Eine … Katze?“

„Fchchch!“ „Ough!“ „Ping!“ „Ough!“ „Fchchch!” Jacko drängte vorwärts, doch Flori hielt ihn auf. „Halt, Jacko. Sie hat Angst vor dir. Geh zurück, am besten nach oben.“ Er schob Jacko zur Treppe und der Seehund stieg hinauf. Flori holte ein Stückchen Wurst und ging zurück zum Schrank.

„Schau, was ich für dich habe. Komm, komm raus. Ich tue dir nichts.“

„Mit wem redest du da?“ Professor Klecks stand hinter ihm und schaute unter den Schrank.

… Fortsetzung folgt …

Folge 16: Überall Wasser

Flori fragte: „Ist die Gefahr jetzt vorüber, Kapitän?“

„Ja, erst einmal ist alles in Ordnung. Wir sind wieder unterwegs – obwohl…“

Professor Klecks sah erstaunt zu ihnen herüber. „Obwohl? Was heißt das, Bruno?“

Kapitän Seebär kratzte sich am Kinn. „Seht ihr die dunklen Wolken da hinten? Es wird bald regnen.“

„Ich bin schon nass!“, rief Flori und lachte.

„Richtig, und deshalb gehst du jetzt schnell nach unten und ziehst dich um. Sonst wirst du noch krank.“ Professor Klecks drückte Flori Jacke und Pullover in die Hand.“

„Die nassen Sachen kannst du dann an Deck aufhängen!“, rief Kapitän Seebär ihm nach.

„Aber erst nach dem Regen“, grinste Flori und stieg die Treppe zur Kajüte hinunter.

„Ist es noch weit bis zum Gelben Meer?“, fragte Professor Klecks. Kapitän Seebär schüttelte den Kopf. „Morgen erreichen wir die Nebelspitze, da teilt sich der Fluss. Wir fahren nach links, also nach Westen und kommen übermorgen…“

„Zeigt dein Kompass deswegen nach Westen?“

„Wieso nach Westen. Ein Kompass zeigt immer nach …“

„Kapitän! Professor! Unten ist Wasser!“ Flori kam die Treppe heraufgestürmt, gefolgt von Jacko und Tante Klara.

„Ough! Ough!“ „Ping! Wasser! Ping! Kuckuck!”

„Unter dem Schiff? Da ist der Schlangenfluss.“

„Nein, drin. In der Küche schwimmt ein Kochtopf.“

„Kochtopf! Donnerwetter! Ping!“ Tante Klara flatterte zum Kartentisch. „Kuckuck! Kuckuck!“

„Ein Leck?!“, rief Kapitän Seebär und sauste nach unten.

„Ein Loch im Schiff?“ Professor Klecks folgte ihm hastig.

Flori blieb allein an Deck. Etwas ratlos murmelte er: „Hallo? Wer steuert jetzt?“ Er sah sich kurz um, Jacko und Tante Klara nickten. Entschlossen griff er nach dem Steuerrad und sagte: „Ich!“

Kapitän Seebär watete durch die Kombüse und fing den Kochtopf ein. Professor Klecks umrundete den Tisch. „Schau, Bruno. Das Wasserfass ist umgefallen.“

„Ja, aber ich glaube nicht, dass so viel Wasser drin war. Wir müssen genauer nachschauen, auch von außen. Doch es ist nicht so schlimm, wie ich dachte.“

Kurz darauf kam Kapitän Seebär zurück. „Sehr gut, Flori!“, lobte er. „Und jetzt bring uns zum Ufer. Dreh nach Steuerbord.“

„Ich weiß schon: Das heißt ‚rechts‘!“, rief Flori und strahlte über das ganze Gesicht.

„Stimmt! Bravo!“ Kapitän Seebär zog an einem Seil und das Segel drehte sich. Auch Professor Klecks stand wieder an Deck. Jetzt zeigte er auf einen flachen Strand. „Ich glaube, da hinten können wir ankern.“

Kapitän Seebär nickte. „Wir können sogar noch mehr tun. Lass mich mal ans Steuer, Flori. Du passt vorne auf, dass die Richtung stimmt.“

Schnell befestigte er das Seil neben sich an einem Haken. Dann steuerte er auf das Ufer zu. Die Seerose zog einen eleganten halben Kreis, Flori rief „Achtung, Ufer!“, und fuhr die flache Böschung hinauf.

Mit einem schnellen Griff löste, Kapitän Seebär das Seil und zog. Das Segel rollte ein, die Seerose stand still.

„Ough! Ough!“ „Ping!“

„Alles in Ordnung“, erklärte Kapitän Seebär. „Jetzt können wir das Schiff in Ruhe untersuchen.“

„Meinen Sie, es ist stark beschädigt?“, fragte Flori besorgt.

… Fortsetzung folgt …